„Für Berater war immer noch Geld da“

Insolvenz bei renommierter Baufirma: Unbezahlte Handwerker und privilegierte Berater

+
Die Helma Eigenheimbau AG musste Insolvenz anmelden
  • schließen
  • Bleranda Shabani
    schließen

Die Pleite des Baukonzerns Helma trifft nicht nur Käufer schwer. Handwerker bleiben auf ihren Forderungen hängen, während Berater bevorzugt behandelt werden.

Lehrte – Interne Unterlagen legen offen, dass der in finanzielle Schwierigkeiten geratene Baukonzern Helma aus Lehrte die Zahlungen an Unternehmensberater stets vorrangig behandelte. Trotz knapper Kassen wurden diese Beträge prompt beglichen, was bei den Mitarbeitern in Lehrte für Verstimmung sorgte.

Baufirma insolvent: Kunden hoffen auf Fertigstellung ihrer Häuser

Die Helma Eigenheimbau AG, ein Anbieter von Massivhäusern mit Hauptsitz in Lehrte bei Hannover, ist in der Entwicklung, Planung, im Verkauf und in der Bauregie von schlüsselfertigen und teilfertigen Häusern tätig. Im Frühjahr 2024 musste das Bauunternehmen Insolvenz anmelden, was die Käufer stark belastet.

Der Empfänger dieses Insolvenzantrags war das Amtsgericht in Gifhorn. Die Insolvenz drohte für Kunden des Unternehmens recht drastische Auswirkungen zu haben. Helma bietet nämlich sogenannte schlüsselfertige Häuser an, also grundsätzlich Fertighäuser, die Kunden sich in einem Katalog aussuchen und auch vor Ort besichtigen können. Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen befinden sich ebenfalls in Helmas Repertoire.

Dabei hatten Kunden zwei Möglichkeiten: Entweder kauften sie das Haus mitsamt Grundstück, oder aber sie bestellten lediglich das Haus, hatten aber bereits ein Grundstück. Kunden, die beides von Helma erworben hatten, standen vor einem größeren Problem. Der Grundbucheintrag erfolgte nämlich erst nach Fertigstellung und Abnahme des Hauses. „Es gibt tatsächlich Fälle, in denen Familien drohten, auf der Straße zu stehen“, zitierte das Handelsblatt den eingesetzten Insolvenzverwalter, Manuel Sack von der Kanzlei Brinkmann & Partner. Kunden der Option 1 standen vor einem längeren Hausbau und einer möglichen Verteuerung. Doch nun stellt sich heraus, dass es noch weitere Probleme gibt.

Helma-Insolvenz wirft Fragen auf: Berater bekommen ihr Geld sofort

Am 3. März erhielt Helma einem Bericht des Handelsblatt zufolge eine Rechnung über 34.000 Euro von einem Fliesenleger. Nur zwei Tage später meldete Helma Insolvenz an. Daher wird der Handwerker voraussichtlich nur einen Teil seiner Forderung von Helma bekommen.

Während die Handwerker auf ihr Geld warten, sei bei den Beratern das Honorar in Minutenschnelle auf dem Konto gewesen. Bei einem Unternehmensberater soll es am 12. Februar nur sieben Minuten gedauert haben, bis Helma eine Zahlung von 35.000 Euro für „Leistungen in der Kalenderwoche 07“ anordnete, die noch zu erbringen waren. Dem Bericht zufolge schrieb die Vorstandschefin Andrea Sander „Freigegeben“ unter die E-Mail an ihren Prokuristen und fügte einen Smiley hinzu.

Baufirma meldet Insolvenz an: „Für Berater war immer noch Geld da“

Der Berater erklärte, dass es in der Branche üblich sei, Rechnungen von Restrukturierungsexperten zeitnah zu stellen. „Wir haben uns für wöchentliche Vorauskassen entschieden, da so der Kunde eine bessere Kostenkontrolle hat“, sagte er gegenüber der HAZ. Ein leitender Angestellter bei Helma äußerte: „Die Berater haben unseren Untergang noch befeuert und nicht abgewendet“. Er fügte hinzu: „Während wir unsere Handwerker nicht mehr bezahlen konnten, war für die Berater immer noch Geld da“.

Seit Anfang des vergangenen Jahres hat der Baukonzern insgesamt über sieben Millionen Euro ausgegeben, um mit externer Hilfe die drohende Pleite abzuwenden. Ein Controller von Helma kommentierte in dem Bericht: „Die Berater haben unseren Untergang noch beschleunigt und nicht abgewendet“.

Pleitewelle auf dem Bau: Viele Insolvenzen in der Baubranche

Der Wirtschaftsprüfer Baker Tilly aus Düsseldorf stellte für die „Unterstützungsleistungen“ eines Finanzvorstands im Oktober und November Ende Dezember ein Honorar von 63.225,06 Euro in Rechnung, einschließlich Reisekosten. Für die „Durchsicht von Unterlagen“, Telefonate und Videokonferenzen berechneten Rechtsberater Stundensätze von 295 Euro, was ebenfalls schnell zu fünfstelligen Summen führte.

Laut NDR haben neben Helma auch weitere Bauunternehmen in der Region Insolvenz angemeldet. Dazu gehört der Bauträger Hanseatische Immobilien Treuhand (hit) mit Sitz in Stade, der nur wenige Tage nach Helma ebenfalls Insolvenz anmelden musste. Auch andere Unternehmen der Gruppe sind betroffen. In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es, dass die Krise des Bauträgers durch eine massive Kaufzurückhaltung der Kundschaft ausgelöst wurde. Verantwortlich dafür seien gestiegene Baukosten, Zinssteigerungen und zeitweise leere Fördertöpfe.

Dies zeigt die schwere Lage in der Baubranche aktuell. So hatte sich auch der Chef der Vonovia, Rolf Buch, in dieser Woche gegenüber IPPEN.MEDIA geäußert: „Wir werden in den kommenden Monaten und eventuell im nächsten Jahr noch Pleiten sehen“.

Noch vor kurzem erlebte die Branche eine beispiellose Boomphase. Obwohl die Bautätigkeit hinter den politischen Erwartungen zurückblieb, war der Trend positiv. Doch seit einiger Zeit hat die Branche einen drastischen Einbruch erlitten; ein Ende der Krise ist nicht absehbar: „Der Markt ist in ziemlicher Unordnung – und zusätzlich vergrößert sich das Problem, da bald auch Handwerker am Bau fehlen“, erklärt Rolf Buch, Vorstandschef des Dax-Konzerns Vonovia. Zwar verlangsame sich der Preisverfall am Immobilienmarkt und bleibe auf einem stabilen Niveau, „doch Deutschland hat die Krise noch nicht überwunden“, so Buch.

Kommentare