Auftragslage ist gut

Industrieunternehmen rutscht wegen Fachkräftemangel in die Insolvenz – wie geht es weiter?

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Ein auf die Metallverarbeitung spezialisiertes Unternehmen hat Insolvenz angemeldet. (Symbolfoto)
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Weil ein Unternehmen Stellen nicht nachbesetzen kann, ist es in eine finanzielle Schieflage geraten. Wie geht es für den Betrieb und die Mitarbeiter nun weiter?

Pfullingen – Auch zum Jahresende ebbt die Insolvenzwelle in der deutschen Industrie nicht ab. Nachdem jüngst eine beliebte deutsche Modemarke Insolvenz angemeldet hat, rutschte nun ein weiteres Industrieunternehmen in eine finanzielle Notlage. Laut den Insolvenzbekanntmachungen eröffnete das Amtsgericht Tübingen bereits am 25. September das vorläufige Insolvenzverfahren für die Ringat Präzisionstechnik GmbH mit Sitz in Pfullingen (Kreis Reutlingen, Baden-Württemberg).

Das Unternehmen wurde laut der Firmenhistorie im Jahr 1986 als MR Produktion GmbH gegründet und ist auf die Metallverarbeitung, speziell auf die CNC-Zerspanung, Montagedienstleistung und Nachbearbeitung, spezialisiert. Seit dem 1. Januar 2024 trägt der Betrieb den heutigen Firmennamen. Wie der Reutlinger Generalanzeiger (GEA) vom vorläufigen Insolvenzverwalter, dem Stuttgarter Rechtsanwalt Axel Kulas, erfahren hat, ist der Grund für die Insolvenzanmeldung eher ungewöhnlich.

Ringat Präzisionstechnik GmbH wegen Fachkräftemangel insolvent

In den meisten Fällen rutschen Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Lage, mit steigenden Kosten und ausbleibenden Aufträgen, in eine finanzielle Schieflage. Erst kürzlich musste allerdings auch ein Maschinenbauer aufgrund von Rückzahlungsforderungen der Corona-Hilfen Insolvenz anmelden. Bei der Ringat Präzisionstechnik GmbH in Pfullingen ist der Hauptgrund nochmal ein anderer. „Es waren zehn Beschäftigte. Dann sind erfahrene Mitarbeiter in den Ruhestand gegangen“, erklärte Kulas dem GEA. „Die Nachbesetzung ist nicht gelungen.“

Name Ringat Präzisionstechnik GmbH
Gründung 1986 als MR Produktion GmbH
Sitz Pfullingen, Baden-Württemberg
Branche Metallverarbeitung
Mitarbeiter 6 + 3 Aushilfen (2025)

Deshalb sei es nicht mehr möglich gewesen, in zwei Schichten zu arbeiten, so der Rechtsanwalt weiter. Das führte wiederum zur Unzufriedenheit von Kunden und damit zu Umsatzeinbußen. Durch die Nichtnachbesetzungen sind derzeit noch sechs Mitarbeiter sowie drei Aushilfskräfte bei dem Unternehmen tätig, deren Gehälter durch das Insolvenzgeld für die Monate September, Oktober und November gedeckt sind. Der Geschäftsbetrieb läuft während des Verfahrens weiter.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Auftragslage der Ringat Präzisionstechnik GmbH stimmt Insolvenzverwalter positiv

Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen der Industrie hat die Ringat Präzisionstechnik GmbH keine Probleme mit fehlenden Aufträgen, was den Insolvenzverwalter positiv stimmt. Nun gelte es, diese zügig abzuarbeiten, um die Kundenzufriedenheit wieder erhöhen zu können. Parallel läuft zudem die Suche nach einem Investor, um das Unternehmen dauerhaft fortführen zu können. Ein Investor konnte jüngst auch einen bedeutenden Autozulieferer aus der Insolvenz befreien. Zuvor gab es aber schmerzhafte Einschnitte.

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