8-Stunden-Tag

Klatsche für Merz: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten will kürzere Arbeitszeit

CDU und Teile der Wirtschaft wollen, dass die Menschen in Deutschland mehr arbeiten. Die Arbeiter und Angestellten machen da in der Mehrheit nicht mit. Sie wollen sogar weniger arbeiten.

Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will, dass die Menschen in Deutschland mehr arbeiten. Das sagte er im Mai auf dem CDU-Wirtschaftstag. „Mit einer Viertagewoche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand unseres Landes nicht erhalten können“, lautete seine Botschaft im ZDF-Sommerinterview. Problem nur: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland würde gerne die eigene Arbeitszeit verkürzen – und nicht etwa mehr arbeiten. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Auftrag gegeben hat.

Kanzler Friedrich Merz im Sommerinterview von ProSieben/Sat.1.

Aus der Umfrage unter mehr als 4000 Arbeitnehmern geht laut DGB hervor: Je länger Menschen arbeiten, desto stärker ist ihr Wunsch danach, weniger zu arbeiten. Das gelte besonders für Beschäftigte, die für mehr als 40 Stunden in der Woche einer Lohnarbeit nachgingen. Hier möchten 80 Prozent der Menschen weniger arbeiten. Wer mehr als 48 Stunden pro Woche arbeite, wünsche sich eine deutliche Verkürzung um durchschnittlich 14,8 Stunden pro Woche.

Kampf um 8-Stunden-Tag und wöchentliche Begrenzung der Arbeitszeit

Die Umfrage zeigt gleichzeitig: Es gibt auch Menschen, die mehr arbeiten wollen. So, wie Friedrich Merz es fordert. In seiner Regierungserklärung im Mai kündigte er an, den Acht-Stunden-Tag abzuräumen. Dieser wurde von Arbeiterbewegung und Gewerkschaften hart erkämpft. Die Koalition strebt stattdessen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit an. Mit einer Veränderung des Arbeitszeitgesetzes will die Koalition einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen mehr arbeiten können, wenn sie das möchten.

Aber hier entzündet sich nun die Kritik des DGB. Yasmin Fahimi, die Vorsitzende, sagt, das Problem sei nicht das Arbeitszeitgesetz. „Sondern sehr oft sind es die Arbeitgeber selbst.“ In der Umfrage berichten die Beschäftigten über die Gründe, warum sie weniger arbeiten, als sie selbst wollen: Schuld seien die betrieblichen Abläufe (51 Prozent), Ablehnung durch Vorgesetzte (40 Prozent), fehlende Stellen (31 Prozent) oder Probleme mit der Kinderbetreuung (29 Prozent). Deswegen zieht der DGB den Schluss, dass ein Umschwenken vom 8-Stunden-Tag auf eine Wochenarbeitszeit keine positive Veränderung bringen würde.

Abschaffung des 8-Stunden-Tages ist „das Letzte, was die Betriebe gebrauchen könnten“

„Wir wissen, dass rund 2,5 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Teilzeit gerne mehr arbeiten würden, aber Vorgesetzte das oft ablehnen und starre Arbeitsabläufe hinderlich sind“, sagt Fahimi vom DGB. Es gehe deshalb „völlig an der Realität vorbei, dass die Arbeitgeberverbände das Arbeitszeitgesetz ändern wollen, um den 8-Stunden-Tag abzuschaffen. Damit wird kein Problem gelöst, sondern nur ein neuer Konflikt provoziert. Das ist das Letzte, was die Betriebe gebrauchen könnten.“ 

Die Auswertung basiert auf den Daten des DGB-Index Gute Arbeit 2025. Von Januar bis Mai 2025 wurden 4.018 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer telefonisch befragt. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit beträgt in Deutschland laut DGB 36,3 Stunden. Männer arbeiten mit 39,9 Stunden deutlich länger als Frauen mit 32,3 Stunden. Das liegt wahrscheinlich auch an der Rollenverteilung in den Familien.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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