Kurzarbeit bei ZF Friedrichshafen löst Angst vor Jobverlust aus
VonJulian Baumann
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ZF Friedrichshafen senkt die Arbeitszeit für 2.900 Angestellte am Hauptstandort. Diese Maßnahme verstärkt bei der Belegschaft die Furcht vor einem vollständigen Stellenabbau.
Friedrichshafen – Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen steckt inmitten einer großangelegten Transformation, bei der bis 2028 bis zu 14.000 Stellen in Deutschland entfallen sollen. Um schnell Personalkosten einsparen zu können, hat der zweitgrößte deutsche Automobilzulieferer jüngst die Arbeitszeit von 2.800 Mitarbeitern am Hauptsitz in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) auf 32,5 Stunden pro Woche reduziert. Ab dem 1. Juni soll die Arbeitszeit dann auf 31,5 Stunden gekürzt werden, was in der Folge weitere finanzielle Einbußen bedeutet.
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Der Hintergrund des Stellenabbaus und der Arbeitszeitreduzierung ist, dass der hoch verschuldete Stiftungskonzern vom Bodensee notgedrungen Kosten sparen muss. Auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung zeigte sich der Betriebsrat des Betriebs Z, der die Zentralbereiche des Konzerns, die zentrale Forschung und Entwicklung sowie diverse divisionale Entwicklungsabteilungen umfasst, aber skeptisch, ob die Ziele durch die bloße Herabsenkung der wöchentlichen Arbeitszeit zu erreichen sind. Laut ihm müsste es langfristige Perspektiven geben, da sonst früher oder später die Arbeitsplätze gefährdet seien.
ZF-Mitarbeiter in Friedrichshafen in Kurzarbeit – aber reicht diese Maßnahme aus?
Dem Bericht zufolge hatte Franz-Josef Müller, der Vorsitzende des Betriebsrats des Betriebs Z am ZF-Stammsitz, bereits bei der Verkündung der Arbeitszeitreduzierung das Engagement der Mitarbeiter gelobt, aber auch betont, dass eine solche Maßnahme angesichts der Probleme des Konzerns nur vorübergehend helfen könne. „Für den langfristigen Erfolg ist entscheidend, dass die Entwicklung mit Aufträgen und gewinnträchtigem Geschäft ausgelastet wird“, so Müller. Ähnliche Sorgen treiben aktuell auch den größten ZF-Produktionsstandort Saarbrücken um, nachdem sich einer der wichtigsten Kunden in Richtung USA orientiert.
Name
ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr
1915
Hauptsitz
Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche
Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Geschäftsbereiche
Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl
161.600 (Stand: Ende 2024)
Produktionsstandorte
168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t
19 in neun Ländern
Umsatz
41,4 Milliarden Euro (2024)
Geschäftsführung\t
Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner
93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung
Die Angst, dass die Arbeitszeitreduzierung in Friedrichshafen, die aktuell bis zum 31. März 2026 begrenzt ist, nicht ausreichen könnte, kommt offenbar nicht von ungefähr. „Ob diese Maßnahmen vor dem Hintergrund der volatilen Marktbedingungen und jüngster Entwicklungen wie der US-Zölle ausreichen, lässt sich derzeit nicht bestimmen“, erklärte nämlich auch ZF-Sprecher Jochen Mayer gegenüber der Schwäbischen Zeitung. Durch die im vergangenen Jahr geschlossene Vereinbarung für den ZF-Stammsitz Friedrichshafen sind betriebsbedingte Kündigungen aber bis zum 30. Juni 2028 ausgeschlossen.
Arbeitszeitreduzierung könnte auch an anderen deutschen Standorten der ZF Friedrichshafen drohen
ZF-Sprecher Mayer verwies allerdings erneut auf den bereits verkündeten Stellenabbau, der unter anderem eben durch eine Arbeitszeitreduzierung umgesetzt werden soll. Zumindest am Stammsitz ist derzeit aber nicht geplant, weiteren Mitarbeitern die Arbeitszeit zu kürzen. Aber „über das solidarische Prinzip, mit kollektiv verkürzten Arbeitszeiten mehr Mitarbeiter an Bord halten zu können, wird an weiteren ZF-Standorten in Deutschland zwischen Standortleitung und Arbeitnehmervertretung gesprochen.“