Am Stammsitz

Kurzarbeit bei ZF Friedrichshafen löst Angst vor Jobverlust aus

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ZF Friedrichshafen senkt die Arbeitszeit für 2.900 Angestellte am Hauptstandort. Diese Maßnahme verstärkt bei der Belegschaft die Furcht vor einem vollständigen Stellenabbau.

Friedrichshafen – Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen steckt inmitten einer großangelegten Transformation, bei der bis 2028 bis zu 14.000 Stellen in Deutschland entfallen sollen. Um schnell Personalkosten einsparen zu können, hat der zweitgrößte deutsche Automobilzulieferer jüngst die Arbeitszeit von 2.800 Mitarbeitern am Hauptsitz in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) auf 32,5 Stunden pro Woche reduziert. Ab dem 1. Juni soll die Arbeitszeit dann auf 31,5 Stunden gekürzt werden, was in der Folge weitere finanzielle Einbußen bedeutet.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Der Hintergrund des Stellenabbaus und der Arbeitszeitreduzierung ist, dass der hoch verschuldete Stiftungskonzern vom Bodensee notgedrungen Kosten sparen muss. Auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung zeigte sich der Betriebsrat des Betriebs Z, der die Zentralbereiche des Konzerns, die zentrale Forschung und Entwicklung sowie diverse divisionale Entwicklungsabteilungen umfasst, aber skeptisch, ob die Ziele durch die bloße Herabsenkung der wöchentlichen Arbeitszeit zu erreichen sind. Laut ihm müsste es langfristige Perspektiven geben, da sonst früher oder später die Arbeitsplätze gefährdet seien.

ZF-Mitarbeiter in Friedrichshafen in Kurzarbeit – aber reicht diese Maßnahme aus?

Dem Bericht zufolge hatte Franz-Josef Müller, der Vorsitzende des Betriebsrats des Betriebs Z am ZF-Stammsitz, bereits bei der Verkündung der Arbeitszeitreduzierung das Engagement der Mitarbeiter gelobt, aber auch betont, dass eine solche Maßnahme angesichts der Probleme des Konzerns nur vorübergehend helfen könne. „Für den langfristigen Erfolg ist entscheidend, dass die Entwicklung mit Aufträgen und gewinnträchtigem Geschäft ausgelastet wird“, so Müller. Ähnliche Sorgen treiben aktuell auch den größten ZF-Produktionsstandort Saarbrücken um, nachdem sich einer der wichtigsten Kunden in Richtung USA orientiert.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr1915
HauptsitzFriedrichshafen, Baden-Württemberg
BrancheAutomobilzulieferer, Mobilitätssysteme
GeschäftsbereicheAutomobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl161.600 (Stand: Ende 2024)
Produktionsstandorte168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t19 in neun Ländern
Umsatz41,4 Milliarden Euro (2024)
Geschäftsführung\tHolger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Die Angst, dass die Arbeitszeitreduzierung in Friedrichshafen, die aktuell bis zum 31. März 2026 begrenzt ist, nicht ausreichen könnte, kommt offenbar nicht von ungefähr. „Ob diese Maßnahmen vor dem Hintergrund der volatilen Marktbedingungen und jüngster Entwicklungen wie der US-Zölle ausreichen, lässt sich derzeit nicht bestimmen“, erklärte nämlich auch ZF-Sprecher Jochen Mayer gegenüber der Schwäbischen Zeitung. Durch die im vergangenen Jahr geschlossene Vereinbarung für den ZF-Stammsitz Friedrichshafen sind betriebsbedingte Kündigungen aber bis zum 30. Juni 2028 ausgeschlossen.

In Friedrichshafen wurde von 2.800 ZF-Mitarbeitern im Betrieb Z die Arbeitszeit gekürzt. Doch reicht diese Maßnahme aus?

Arbeitszeitreduzierung könnte auch an anderen deutschen Standorten der ZF Friedrichshafen drohen

ZF-Sprecher Mayer verwies allerdings erneut auf den bereits verkündeten Stellenabbau, der unter anderem eben durch eine Arbeitszeitreduzierung umgesetzt werden soll. Zumindest am Stammsitz ist derzeit aber nicht geplant, weiteren Mitarbeitern die Arbeitszeit zu kürzen. Aber „über das solidarische Prinzip, mit kollektiv verkürzten Arbeitszeiten mehr Mitarbeiter an Bord halten zu können, wird an weiteren ZF-Standorten in Deutschland zwischen Standortleitung und Arbeitnehmervertretung gesprochen.“

Ende März hatte die ZF Friedrichshafen einen Milliardenverlust für das Jahr 2024 verkündet und muss mit massiven Maßnahmen wie Stellenabbau, Produktionsverlagerung und der Ausgliederung von Teilbreichen gegensteuern.

Rubriklistenbild: © Bernhard Classen/IMAGO

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