Nach Stellenabbau droht ZF-Standort nun Kundenverlust – wichtiger Kunde will auf US-Lieferanten setzen
VonJulian Baumann
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Am ZF-Standort Saarbrücken gibt es keine Ruhepause. Nach der Entscheidung, mindestens 1.800 Stellen zu streichen, scheint nun auch ein wichtiger Kunde seine Strategie zu ändern.
Friedrichshafen/Saarbrücken – Als der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen im vergangenen Jahr ankündigte, bis 2028 allein in Deutschland zwischen 11.000 und 14.000 Stellen abbauen zu wollen, war auch die Sorge am wichtigen Getriebestandort in Saarbrücken (Saarland) groß. Der Stiftungskonzern vom Bodensee hatte nur wenig später zwar millionenschwere Investitionen am Standort angekündigt, aber auch betont, nicht an einem Stellenabbau in der saarländischen Landeshauptstadt vorbeizukommen. Konzernchef Holger Klein hat inzwischen bestätigt, dass in Saarbrücken mindestens 1.800 Arbeitsplätze entfallen.
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ZF-Werk Saarbrücken: BMW will Getriebe für US-SUVs künftig verstärkt aus den USA beziehen
Das ZF-Werk in Saarbrücken ist mit rund 8.500 Mitarbeitern der größte industrielle Arbeitgeber im Saarland und das größte und wichtigste Getriebewerk des Konzerns aus Friedrichshafen (Baden-Württemberg). Der Vorstand hat bereits betont, an dem Standort festzuhalten; der Wegfall der Aufträge eines bedeutenden Großkunden dürfte die Lage in Saarbrücken aber noch weiter verschärften. Wie das Manager Magazin aktuell aus Unternehmenskreisen berichtet, soll der Münchner Autobauer BMW signalisiert haben, die Getriebe für die in den USA gebauten SUV künftig verstärkt aus einem ZF-Werk in den USA beziehen zu wollen.
Name
ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr
1915
Hauptsitz
Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche
Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Mitarbeiterzahl
161.600 (Stand: Ende 2024)
Produktionsstandorte
168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t
19 in neun Ländern
Umsatz
41,4 Milliarden Euro (2024)
Geschäftsführung\t
Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner
93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung
Hintergrund dieser Entscheidung ist offenbar die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump. Auch ein Weltmarktführer aus Baden-Württemberg erwägt deshalb eine Produktionsverlagerung in die USA. Für den hoch verschuldeten ZF-Konzern ist das Signal von BMW zunächst nicht weiter schlimm, da der bayrische Konzern seine Getriebe weiterhin bei ZF einkauft, nur eben direkt in den Vereinigten Staaten. Für das Werk Saarbrücken könnte das aber bedeuten, dass neben den bereits bestätigten 1.800 Arbeitsplätzen noch viele weitere bis Ende des Jahres wegfallen könnten.
ZF Friedrichshafen will Ausgliederungen beschleunigen – auch die der Antriebssparte?
Wie der Saarländische Rundfunk (SR) berichtete, war bereits bei einer Betriebsversammlung Ende März die Sorge groß, dass die Zölle von Donald Trump fatale Folgen für den Standort Saarbrücken haben könnte. „Jetzt kommt die Ankündigung der US-Zölle ins Spiel. Da wissen wir noch nicht, wie der Markt reagiert“, hatte Werksleiter Andreas Hubbuch erklärt. „Das kann wieder negative Auswirkungen haben.“ Inzwischen ist klar, wie der Markt auf die Zölle aus dem Weißen Haus reagiert; die Frage ist allerdings, wie reagiert die ZF Friedrichshafen?
Dem Manager Magazin zufolge will der Konzern die bereits angekündigten Ausgliederungen beschleunigen. Für großes Aufsehen hatte die Ankündigung der ZF gesorgt, die zentrale Antriebssparte aus dem Konzern auszulagern. „Wir verstehen, dass diese Überlegungen Emotionen bei den Menschen auslösen, die in der Division Elektrifizierte Antriebstechnologien arbeiten“, hatte Holger Klein bei der Bilanzpressekonferenz erklärt. „Uns ist wichtig: Ein möglicher Partner soll unser Herz gewinnen, nicht herausreißen.“ Die Antriebssparte, zu der auch das Werk Saarbrücken gehört, soll entgegen der bisherigen Befürchtungen aber nicht verkauft werden.