Die Zeit drängt

Lilium-CEO wendet sich an Mitarbeiter: Gibt es Hoffnung für das insolvente E-Lufttaxi-Unternehmen Lilium?

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Nach dem Scheitern staatlicher Finanzhilfen in Millionenhöhe schlitterte das E-Lufttaxi-Unternehmen Lilium in die Insolvenz. Jetzt kämpft CEO Klaus Roewe um Investoren, doch die Zeit drängt.

Gauting – Die Zukunft des vollelektrischen Flugtaxi-Herstellers Lilium ist ungewiss, dem Unternehmen fehlt es an Geld. Kredite in der Höhe von 100 Millionen Euro von Bund und Bayern hätten es retten sollen, dann wollten bestehende Investoren ebenfalls noch einmal Geld zuschießen. Doch der Bund sagte ab, Bayern zog alleine nicht mit, die Investoren hielten sich zurück – die Konsequenz war die Insolvenz von Lilium. Tausend Mitarbeiter in Deutschland müssen um ihre Jobs zittern. Nun gibt es ein Update von CEO Klaus Roewe.

Nach der Insolvenz beim E-Lufttaxi Lilium: Wie geht es jetzt mit den 1.000 Mitarbeitern weiter?

Der Insolvenzantrag auf ein Verfahren in Eigenverwaltung für die Lilium GmbH und Lilium eAircraft GmbH – die wichtigsten hundertprozentigen Tochtergesellschaften der Lilium N.V., die an der Technologiebörse Nasdaq gelistet ist – wurde beim zuständigen Amtsgericht Weilheim Ende Oktober beantragt. Das Gericht hat den Anträgen zugestimmt und die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Zur Unterstützung wurden die Sanierungs- und Restrukturierungsexperten Prof-Dr. Gerrit Hölzle und Dr. Thorsten Bieg von der Wirtschaftskanzlei Görg in die Geschäftsführung berufen und Ivo-Meinert Willrodt von der Rechtsanwaltskanzlei Pluta zum vorläufigen Sachwalter bestellt.

Ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung dient der Sanierung von Unternehmen, wobei die Geschäftsführung im Amt bleibt und das Verfahren eigenständig, jedoch mit Unterstützung von Sanierungsexperten, leitet. Statt eines Insolvenzverwalters wird ein (vorläufiger) Sachwalter vom Gericht bestellt, der die Interessen der Gläubiger schützt und die Restrukturierung überwacht.

„In den kommenden Wochen und Monaten werde ich die Sanierung von Lilium in Eigenverwaltung unterstützen. Meine Aufgabe ist es, in beiden Verfahren die Interessen der Gläubiger zu vertreten“, wird der vorläufige Sachwalter Willrodt in einer Aussendung der Wirtschaftskanzlei Görg zitiert. Willrodt hat auch bereits bei den Sanierungsverfahren von Sono Motors und dem Drohnenhersteller EMT mitgewirkt.

Ziel sei es, die Investorensuche fortzuführen und Verzögerungen beim geplanten bemannten Erstflug im ersten Quartal des neuen Jahres so kurz wie möglich zu halten. Um das zu erreichen, wird „unmittelbar mit einem M&A-Prozess gestartet und werden bereits begonnene Investorengespräche fortgesetzt werden“, heißt es. „Der Geschäftsbetrieb an den Standorten Gauting (Verwaltungssitz) und am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen bei München mit rund 1.200 Mitarbeitern bleibt einstweilen aufrechterhalten“.

KPMG soll für einen transparenten M&A-Prozess sorgen: CEO blickt auf reges Investoreninteresse

Lilium gibt auf seiner Website bekannt, dass es überdies das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG mit der Durchführung eines transparenten M&A-Prozesses (Fusionen und Übernahmen) beauftragt hat. Erste Gespräche mit potenziellen Investoren sollen bald starten.

Bei einer Mitarbeiterbesprechung diese Woche, soll Lilium CEO Klause Roewe sogar von einem „lebhaften Investoreninteresse“ berichtet haben, zitiert ihn das Handelsblatt. Doch er habe auch davor gewarnt, sich voreilig zu freuen, denn die Gefahr sei noch nicht gebannt. Auf Lilium liegt ein massiver Zeitdruck. Das Insolvenzgeld für die vielen Mitarbeiter gibt es für drei Monate, bis Ende des Jahres muss feststehen, wie es weitergeht.

Interessenten sollen aus den USA, China und dem Nahen Osten stammen. Die Fluggesellschaft Saudia aus Saudi-Arabien soll erst kürzlich 50 Lilium-Jets bestellt und eine Option für 50 weitere unterzeichnet haben, daher wird spekuliert, dass die Airline einer der interessierten Investoren sein soll. Über 780 Lilium Jets sind bereits durch Festbestellungen, Reservierungen, Optionen und Absichtserklärungen bestellt und sollen ab 2026 an Betreiber in den USA, Südamerika, Europa, Asien und dem Nahen Osten ausgeliefert werden.

Staatshilfen scheinen noch nicht ganz vom Tisch zu sein

Auch Staatshilfen sollen trotz der jüngsten Absage weiterhin eine Option bleiben. Roewe soll mehrfach mit Vertretern der bayerischen Landesregierung gesprochen haben – Bayern hatte Lilium die 50 Millionen Euro Lilium bereits zugesagt, der Bund hätte die anderen 50 Millionen liefern sollen. Öffentliche Gelder dürfen jedoch nicht in ein insolventes Unternehmen fließen. Von einem ähnlichen Annäherungsversuch berichtet das Handelsblatt auch aus Frankreich, wo Politiker angedeutet haben sollen, dass sie nach einer erfolgreichen Rettung bereit wären, Lilium weiter zu unterstützen.

Zwei Lilium Jets befinden sich aktuell in der Endmontage. Das erste Modell hat kürzlich die Niederspannungs-Stromprüfung abgeschlossen und wird bald mit Bodentests beginnen, berichtet Lilium. Der Rumpf und die Tragflächen des dritten Jets werden derzeit von den Zulieferern Aciturri und Aernnova gefertigt. Ende Oktober erreichte ein vollständig montiertes Lilium Jet-Modell die Testanlage für strukturelle Belastungsprüfungen – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Typenzertifizierung und dem ersten bemannten Flug. Dieser soll weiterhin Anfang nächsten Jahres stattfinden.

Rubriklistenbild: © dpa

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