Wohnungsbautag 2024

„Mit 60 anderen in der Schlange“: Mieterbund sorgt sich um junge Menschen

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Der Wohnraummangel hat sich weiter verschärft. Experten sprechen von einer „Einbahnstraße“ beim Wohnungsbau. „Da liegt etwas völlig im Argen“, sagt der Präsident des Mieterbunds.

Deutschland rutscht immer tiefer in die Wohnungsbaukrise. Aktuell fehlen rund 800.000 Wohnungen, vor allem kleine Wohnungen im Preisrahmen von sechs bis zehn Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE).

„Die Wohnungsbaukrise hat sich verschärft und das trifft junge Menschen besonders intensiv“, sagt Lukas Siebenkotten, der Präsident des Deutschen Mieterbunds (DMB), BuzzFeed News Deutschland, einem Portal von IPPEN.MEDIA. Der DMB ist Teil des Verbändebündnisses Wohnungsbau, das die Studie zum Wohnungsbautag 2024 am 11. April vorstellt.

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Junge Menschen in Wohnungsbaukrise: „Stehen mit 60 anderen in der Schlange“

„Junge Menschen haben einen schmaleren Geldbeutel als Menschen, die schon 30 Jahre Berufsleben hinter sich haben“, sagt Siebenkotten. Diese finanzielle Situation benachteiligt sie nicht nur beim Immobilienkauf, sondern auch auf dem Mietmarkt. „Wenn junge Menschen auf Wohnungssuche gehen, stehen sie nicht selten mit 60 anderen in der Schlange.“ Viele von ihnen seien aufgrund des Wohnraummangels gezwungen, lange bei den Eltern zu wohnen. „Das halte ich für problematisch“, sagt er BuzzFeed News Deutschland.

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Vor allem, weil gleichzeitig viele ältere Menschen alleine in zu großen Wohnungen wohnen, weil ihnen kein Angebot für neu gebaute, kleinere und altersgerechte Wohnungen gemacht wird, bemängeln die Studienautoren der ARGE. Diese Wohnungen fehlten dann als Angebot für jüngere Menschen in der Phase der Haushaltsbildung und Familiengründung.

Viele fragten sich, wo denn die ganzen Leute lebten, wenn 800.000 Wohnungen fehlen. Die Antwort sei einfach: Immer mehr Menschen (11 Prozent) wohnen in überbelegten Wohnungen. Bei armutsgefährdeten Personen ist es sogar jeder Fünfte. „Und da spreche ich nicht von WGs, in denen junge Leute ja auch wesentlich weniger Platz haben als ein älteres Ehepaar in einem Haus auf dem Land“, sagt Siebenkotten. In einer Zweizimmerwohnung lebten in Deutschland teilweise sieben Menschen.

Mieterbund-Chef Lukas Siebenkotten. (Archivbild)

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Studie warnt vor „Einbahnstraße“ beim Wohnungsbau

„Unsere Bevölkerung steigt durch Einwanderung an, was in Zeiten des Fachkräftemangels ja auch notwendig ist. Doch der Wohnungsbau hält nicht Schritt“, kritisiert er bei BuzzFeed News Deutschland. Im Koalitionsvertrag hatte sich die Ampel vorgenommen, 400.000 Wohnungen im Jahr zu bauen – 100.000 davon sozial gefördert. „Tatsächlich geschafft hat sie nur um die 300.000, Tendenz nach unten“, sagt Siebenkotten. Bei den Sozialwohnungen sehe es noch schlimmer aus: von denen seien nur 25.000 gebaut worden. „Da liegt etwas völlig im Argen.“

Laut der ARGE-Studie ist die Anzahl der Baugenehmigungen für Wohngebäude in weiten Teilen Deutschlands um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Noch dramatischer sei der Rückgang der Bauantragszahlen um bis zu 80 Prozent in vielen Regionen. Die Studienautoren warnen vor einer „Einbahnstraße“ beim Wohnungsbau.

„Die Wohnungsbaukrise hat sich verschärft und das trifft junge Menschen ganz besonders intensiv“, sagt der Mieterbund-Präsident Lukas Siebenkotten.

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„Zurück zum Baukindergeld?“: Mieterbund-Präsident macht Vorschlag

„Ohne Bauen geht es nicht. Aber es ist auch nicht die einzige Lösung“, sagt Siebenkotten. Auch müsse Wohnraum bezahlbar bleiben. „Wir brauchen mietrechtliche Instrumente wie Kappungs- oder Erhöhungsgrenzen“, fordert Siebenkotten bei BuzzFeed News Deutschland. Es brauche ein Umdenken in der Genehmigungspolitik, damit nicht schicke möblierte Apartments, sondern Sozialwohnungen gebaut werden. „In Großstädten wie Berlin hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein, was ihr nichts bringt, weil es kaum Sozialwohnungen gibt.“

Kann Eigentumsförderung helfen? „Zurück zum Baukindergeld? Das halte ich nur dann für eine gute Idee, wenn wirklich gebaut wird, wenn Menschen einen Zuschuss bekommen, weil sie neue Wohnungen bauen. Eine Eigentumswohnung zu kaufen mag für den einen oder anderen, der über das notwendige Kapital verfügt, eine Alternative sein. Aber dann entsteht kein neuer Wohnraum, sondern er wird nur umverteilt“, so Siebenkotten.

Rubriklistenbild: © photothek/IMAGO

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