Von Julian Baumann
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Ein Großmotorenhersteller, der vom Rüstungsaufschwung profitiert, plant, Mitarbeiter eines stark gebeutelten Autozulieferers auszuleihen. Beide haben ihren Sitz in derselben Stadt.
Friedrichshafen – Die Stadt Friedrichshafen ist aufgrund des Zeppelinbaus historisch wichtig und durch die Lage direkt am Bodenseeufer ein beliebter Touristenmagnet. Die Stadt gehört mit rund 63.000 Einwohnern weder zu den kleinsten, noch zu den größten des Bundeslandes Baden-Württemberg. Allein in der Wirtschaft in Friedrichshafen zeigen sich aber die zwei Seiten der aktuellen Entwicklung. Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen hat 2024 einen Milliardenverlust gemacht und ist noch weiter in die Krise gerutscht , während der Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems sogar einen Rekordumsatz erwirtschaftete .
Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg. © Marijan Murat/dpa Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind. © Christian Johner/dpa In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher? © Robert Bosch GmbH Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern. © Bernd Weißbrod/dpa Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908. Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim. ... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen. © Corporate Communication (MS/CC) Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind. Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz. © Felix Kästle/dpa Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt. Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt. © Felix Kästle/dpa Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf. Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg. © Uwe Anspach/dpa SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf. Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie. © Uwe Anspach/dpa Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600. Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf. © Jonas Walzberg/dpa Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck. Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt. © Bernd Weißbrod/dpa Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck. Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint. © Christoph Schmidt/dpa Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland. Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern. Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle. © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg. Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb. Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb. © Bernd Weißbrod/dpa Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen. Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen. © Marijan Murat/dpa Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim. Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa : Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg. Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt. © Uwe Anspach/dpa Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht. Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind. © Uwe Anspach/dpa Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg. Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten. © IMAGO/Udo Herrmann Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang. Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung. © Martin Schutt/dpa Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix. Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter. © Uwe Anspach/dpa Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts). Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte). ©
IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa ZF , mit über 160.000 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt, kämpft mit hohen Schulden und der schwierigen Transformation zur Elektromobilität und will bis 2028 allein in Deutschland bis zu 14.000 Stellen abbauen. Rolls-Royce Power Systems (RRPS), um die traditionsreiche Marke MTU Friedrichshafen , profitiert als Hersteller von unter anderem Panzermotoren dagegen vom Rüstungsboom und sucht aktiv nach Mitarbeitern. Deshalb haben die beiden Friedrichshafener Konzerne ein Job-Abkommen geschlossen.
Rolls-Royce Power Systems will ZF-Mitarbeiter ausleihen - „können uns schon gegenseitig aushelfen“ Wie mehrere Medien übereinstimmend in Bezug auf eine Betriebsversammlung von Rolls-Royce Power Systems berichten, hatte Personalvorständin Thelse Godewerth am Anschluss an diese erklärt, ZF-Mitarbeitern anbieten zu wollen, leihweise bei dem Großmotorenbauer unterzukommen. Das wird demnach zum einen durch einen neuen Tarifvertrag ermöglicht und zum anderen auch dadurch, dass die beiden Häfler Konzerne nicht in Konkurrenz zueinander stehen. „Es wäre etwas anderes, wenn es ein Mitbewerber wäre. Sind die aber nicht“, erklärte Betriebsratschef Thomas Bittelmeyer laut SWR . „Da können wir uns schon gegenseitig aushelfen. Auch wenn bei uns mal Krise ist.“
Name ZF Friedrichshafen AG Rolls-Royce Power Systems AG Gründung 1915 1909 (MTU Friedrichshafen), 2014 (RRPS) Sitz Friedrichshafen, Baden-Württemberg Friedrichshafen, Baden-Württemberg Branche Automobilzulieferer Motorenbau Mitarbeiter 161.631 (2024) mehr als 10.500 (2024) Umsatz 41,4 Milliarden Euro (2024) 5,05 Milliarden Euro (2024)
Für die Mitarbeiter des großen Autozulieferers ist ein Wechsel natürlich freiwillig, wie viele eine solche Möglichkeit bekommen sollen, steht bislang aber nicht fest. Das Ziel sei laut RRPS aber, dass die Mitarbeiter nach einer bestimmten Leihzeit wieder zurück zu ihrem Ursprungsunternehmen kehren können. ZF Friedrichshafen hatte aus Kostengründen jüngst angekündigt, die Arbeitszeit und damit das Gehalt von 2.800 Mitarbeitern am Stammsitz senken zu wollen . Auch diese Mitarbeiter könnten demnach von dem temporären Wechsel profitieren.
Mitarbeiter der ZF Friedrichshafen sollen die Möglichkeit bekommen, leihweise bei Rolls-Royce Power Systems unterzukommen.
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Rolls-Royce Power Systems musste 2023 auch Stellen abbauen – allerdings nicht aus eigener Verschuldung ZDF Heute hatte Ende März bereits berichtet, dass ein Mitarbeiter von ZF Friedrichshafen auf der Suche nach einem krisensicheren Job bei Rolls-Royce Power Systems fündig geworden sei. „Wenn man sich die Militärbranche anschaut, dann scheint es ja die nächsten Jahre sicher zu sein“, erklärte dieser. Ganz so sicher waren aber auch die Jobs beim Großmotorenbauer in den vergangenen Jahren nicht, da Rolls-Royce Power Systems im Zuge der Schieflage des britischen Mutterkonzerns auch in Friedrichshafen Stellen abbauen musste. Das lag aber eben nicht an dem Unternehmen selbst.
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