Öl-Exporte

Nächster wichtiger Handelspartner lässt Putin fallen – Trump-Sanktionen als Auslöser

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Die Türkei gilt derzeit als einer der wichtigsten Abnehmer für russisches Öl. Das könnte sich aber jetzt wandeln. Ankara geht auf Abstand zu Moskau.

Ankara – Russlands Ölsektor steckt in einer tiefen Krise. Für Kreml-Chef Wladimir Putin ist das gleich auf mehreren Ebenen ein größeres Problem. Erstens geht es dabei um die Versorgung der eigenen Bürger, zweitens um ausreichende Ölreserven für den Verkauf in andere Länder. Westliche Sanktionen haben in der Vergangenheit bereits dafür gesorgt, dass einige wichtige Handelspartner auf Abstand zu Russland gegangen waren – jetzt geht ein wichtiger Öl-Abnehmer einen ähnlichen Schritt.

Russlands Wirtschaft fehlen weitere Öl-Exporte – weil die Türkei ihre Einfuhren neu justiert

Diesmal ist es die Türkei, die wichtige Bande zu Kreml-Chef Wladimir Putin kappen könnte. Angeblich haben türkische Ölraffinerien, die russisches Öl verarbeiten, damit begonnen, ihr Rohöl stattdessen aus anderen Ländern zu kaufen. Ein Beispiel dafür ist die SOCAR Turkey Aegean Refinery (STAR), eine der größten Raffinerien innerhalb der Türkei. Diese habe kürzlich vier Ladungen Rohöl aus dem Irak, Kasachstan und anderen nicht-russischen Ländern erworben. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters und berief sich auf nicht genannte Insider-Quellen.

Recep Tayyip Erdoğan in Istanbul (Symbolfoto). Die Türkei ist mittlerweile einer der wichtigsten Abnehmer für russisches Öl. Das könnte sich jedoch jetzt ändern. Ankara geht auf Abstand zu Moskau.

In Zahlen sieht das aus wie folgt: Die neu eingekaufte Menge nicht-russischen Öls soll sich auf 77.000 bis 129.000 Barrel pro Tag belaufen. Noch zwischen September und Oktober hatte die STAR noch nahezu ihr gesamtes Raffinerievolumen aus Russland eingekauft, damals waren es 210.000 Barrel pro Tag. Der Anteil der russischen Öllieferungen nimmt drastisch ab.

Tupras, ein weiterer großer türkischer Raffineriebetreiber, macht es genauso. Die Käufe von Rohöl aus nicht-russischen Quellen steigt, darunter befinden sich irakische Sorten, die dem russischen Ural-Rohöl ähneln sollen. Das Marktanalyseunternehmen Kpler geht davon aus, dass die Türkei im November 141.000 Barrel irakisches Öl pro Tag erhalten wird, gegenüber 99.000 Barrel im Oktober. Zwischen Januar und Oktober hatte der Anteil russischen Öls an den Rohöl-Importen der Türkei 47 Prozent betragen (317.000 Barrel von 669.000 Barrel täglich).

Türkei als wichtiger Abnehmer für Russlands Wirtschaft – „Sanktions-Heuchelei“ aus dem Westen

Damit schraubt die Türkei im Grunde eine Entwicklung in den Handelsbeziehungen zu Russland zurück, die nach Beginn des Ukraine-Kriegs eingesetzt hatte. Über Monate hinweg hatte sich die Türkei im Jahr 2024 zum drittgrößten Importeur von russischem Rohöl entwickelt. Vorher hatte das Land diesbezüglich auf Platz 14 gestanden. Das Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) hatte in diesem Zusammenhang von „Sanktions-Heuchelei“ gesprochen – da viele der türkischen Öl-Importe am Ende als Exporte in die EU geflossen waren.

Damit hatte die Türkei effektiv bei der Umgehung westlicher Sanktionen geholfen. Vonseiten der westlichen Ukraine-Verbündeten hatte es lange keine Maßnahmen gegeben, die dieses Schlupfloch geschlossen hätten.

US-Sanktionen setzen Putin unter Druck – Russlands wichtigsten Öl-Konzerne schwächeln

Das hat sich jetzt geändert. Neue Sanktionen der USA zwingen die Türkei zum Handeln. Unter Präsident Donald Trump hatte das Land neue Sanktionen gegen die beiden wichtigsten russischen Ölhersteller verhängt: Lukoil und Rosneft. Außerdem betreffen sie sechs Tochterunternehmen von Lukoil und 28 von Rosneft. Darüber hinaus hatte Trump angedroht, dass die Sanktionen auch Unternehmen treffen könnten, die mit den beiden Hauptentitäten Geschäfte machen.

Zusammen sind die beiden Ölkonzerne für rund die Hälfte der russischen Rohöl-Exporte verantwortlich. Russische Schätzungen gehen hier von 3,1 Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) pro Tag aus. Die Sanktionierung ist ein schwerer Schlag für Russland: Der Energiesektor ist die wichtigste Säule für die russischen Staatseinnahmen. Um die Exporte weiter ergiebig zu halten, hatte Putin extra die berüchtigte Schattenflotte aufgebaut, die westliche Sanktionen umgehen soll.

Der Westen wiederum versucht, die Profite aus russischen Energieexporten kleinzuhalten. Innerhalb der letzten Wochen gab es immer mehr Anzeichen dafür, dass dies gelingt. Die Türkei ist keineswegs das erste Land, das hier eine Reißleine zieht. Vorher hatte es schon Berichte darüber gegeben, dass Indien den russischen Anteil in seinen Energieimporten ebenfalls zurückfahren will. Der Staatskonzern Indian Oil zum Beispiel gab an, nur noch sanktionsgemäß Öl einkaufen zu wollen – ganz auf russische Exporte wollte er jedoch nicht verzichten.

Schwerer Schlag für Russlands Wirtschaft – Lukoil soll weiter Profit verlieren

Für Lukoil und Rosneft ist das allerdings kaum ein Trost. Im September hatten beide Konzerne erst deutliche Einbrüche bei ihren Profiten berichtet und vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass Lukoil offenbar seine ausländischen Assets veräußern will. Im Zuge dieser Maßnahme sollen die Einnahmen und Profite bei Lukoil noch einmal um rund 30 Prozent einbrechen. So berichtete es das Nachrichtenportal Politico und berief sich auf Aussagen einer ehemaligen Lukoil-Führungskraft.

Neben alledem sorgt auch eine Treibstoffkrise für erhöhten Druck auf Russlands Öl-Exporte. Eine kurze Erklärung dazu: Seitdem die Ukraine eine gezielte Drohnen-Kampagne gegen russische Infrastruktur fährt, hat das Land immer größere Probleme damit, bestimmte Regionen mit ausreichend Treibstoff zu versorgen. Sowohl die östlichen Regionen Russlands als auch die besetzte Krim-Halbinsel mussten schon Rationierungen verhängen, Dutzende von Tankstellen schlossen die Tore.

Um im Inland mehr Öl zur Verfügung zu haben, hat der Kreml kurzerhand die Exporte beschränkt. Aktuell sucht der Kreml noch nach Lösungen für das Dilemma in seiner wichtigsten Export-Branche.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Anadolu Agency

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