Tiguan 2024

VW präsentiert Nachfolger von SUV-Bestseller – mit „viel Hightech“ und Dieselmotor

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Der VW Tiguan ist mittlerweile das meistverkaufte Konzernmodell. Die Erwartungen an den Nachfolger für 2024 sind hoch. Alle Varianten haben Verbrenner an Bord.

Wolfsburg/München - Die Kernmarke von Volkswagen stellt innerhalb kurzer Zeit die zweite bedeutende Neuheit vor: Wurde kürzlich die nächste Generation der Kombi-Limousine Passat enthüllt, erscheint nun die dritte Generation eines weiteren Bestseller-Modells auf der Bildfläche: die neue Version des kompakten SUV-Verkaufsschlagers VW Tiguan. Die Erwartungen bei Volkswagen sind nicht ohne Grund riesig: Beinahe acht Millionen Tiguan-Modelle wurden seit Beginn im Jahr 2007 produziert, seit einigen Jahren handelt es sich um das weltweit meistverkaufte Modell der Marke Volkswagen und das konzernweit über alle Marken.

VW Tiguan 2024: Hybride stehen im Vordergrund - Reichweite bis 100 km

Zwar kursiert über dem Autosektor das E-Zeitalter, der VW Tiguan (2024) ist jedoch wie der Passat nicht als Elektroauto konzipiert. Stattdessen spielt bei den Motoren der Hybridantrieb eine übergeordnete Rolle. Das erfolgreiche Kompakt-SUV wird mit verschiedenen Plug-in-Hybriden (“eHybrid“) angeboten, bei den Reichweiten gibt es einen ordentlichen Sprung: Die Rede ist von bis zu 100 Kilometer rein elektrisch, auf Basis von WLTP. Beim 2020 überarbeiteten Vorgänger beträgt dieser Wert nur halb so viel. Die Optimierung resultiert mitunter auf einer Verdoppelung der Energiespeicher-Kapazität: Die Batterie ermöglicht nun 19,7 kWh statt vormals 10,6 kWh.

So taugt der VW Tiguan Hybrid mit seiner „Brückentechnologie“ also passabel, um auf Tuchfühlung mit einem Elektromotor und dem Thema Laden zu gehen. In den eHybrid-Varianten (es gibt zwei Stück) funktioniert das Laden per AC schneller als bisher (dreiphasig mit 11 Kilowatt statt 3,6 kW), zudem ist erstmalig auch in Serie Schnellladen (DC-Ladeleistung bis 50 kW) möglich. Den Verbrenner-Part übernimmt beim VW Tiguan Hybrid ein TSI-Benziner mit 1,5 Liter Hubraum und zwei Leistungsstufen, gekoppelt mit einem Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Die PHEV-Antriebe kommen auf Systemleistungen von wahlweise 204 oder 272 PS.

VW bringt Anfang 2024 die neue Generation des SUV-Bestsellers Tiguan auf den Markt

VW-Tiguan-Motoren: Neben den Hybriden gibt es auch Diesel

Wem beim Tiguan ein Plug-in-Hybrid zu elektrisch ist, der kann bei den Motoren auf (fast) reinrassigen Verbrennerantrieb setzen: als „Mildhybrid“ haben die eTSI-Modelle wahlweise 130 oder 150 PS an Bord. Hier werkelt ebenfalls ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner unter der Motorhaube, unterstützt von einem 48-Volt-Startergenerator. Diese werden getoppt von zwei leistungsfähigeren Allradversionen mit 2,0-Liter-Turbobenziner und wahlweise 204 PS oder 265 PS. Dem Diesel hat VW beim neuen Tiguan nicht abgeschworen: Moderne, sparsame TDI-Motoren mit zwei Liter Hubraum (2.0 TDI) sorgen für dezente 150 oder 193 PS Vortrieb. Was dagegen mit dem Generationswechsel gewichen ist: die Möglichkeit der manuellen Sechsgang-Schaltung. Das Getriebe funktioniert ausschließlich anhand einer DSG-Schaltautomatik.

Bereits ab Herbst dieses Jahres soll der neue Tiguan bei VW in Wolfsburg vom Band laufen, der Marktstart ist für das erste Quartal 2024 anberaumt. In diesen turbulenten Zeiten war die Premiere von Generation drei des Bestseller-SUV bodenständig: Sie fand in Halle 11 des Stammwerks der Autostadt unter den Augen Tausender Mitarbeitender statt.

Das Design ist erwartungsgemäß eine moderne Weiterentwicklung (erkennbar mitunter am Lichtdesign) ohne bedeutende Umbrüche. Die Abmessungen haben sich bei der VW-Neuheit zwar kaum geändert, dafür das Kofferraumvolumen: Den Entwicklern gelang es, das Platzangebot im Heck (mit hochgeklappten Sitzen) um 37 auf 652 Liter zu erweitern.

VW zurück zu den Wurzeln? Bedienbarkeit soll sich bessern - Preise steigen

Der Hersteller nennt die Formgebung „charismatisch“, während „progressive Technologien“ an Bord sind. Hierbei handelt es sich um einen sensiblen Faktor: Autokunden sind heutzutage oft genervt von komplexer Elektronik durch überfordernde Hilfssysteme, deren Zuverlässigkeit dann und wann bröckelt. Käufer und Käuferinnen der vergangenen Jahre haben die Entwicklung im Innenraum hin zu Touch-Bedienflächen abgestraft, mit Kritik oder dem Abwandern zur Konkurrenz.

Volkswagen preist den Tiguan 2024 als innovativ mit „zahlreichen Hightech-Entwicklungen“ an. Zum einen sind damit Errungenschaften im Hinblick auf Fahrsicherheit gemeint. Das SUV in dritter Generation soll aber auch in der Bedienbarkeit besser sein. Tests und Sitzproben lassen darauf schließen, dass dies gelungen sein könnte. Mitunter fokussiere sich der Autobauer wieder mehr auf klassische Bedienelemente wie Knöpfe, Schalter und Wippen.

Zehn Autos mit Verbrennungsmotor, die wir vermissen werden

Audi TT
Audi TT: Einst als Kernmodell der Marke Audi betrachtet, wird der als Coupé und Roadster gebaute Kompakt-Sportler keinen Nachfolger bekommen. Das liegt auch an der mittlerweile schleppenden Nachfrage für die Design-Ikone. Ein vergleichbarer Stromer wird völlig anders aussehen. Bis Ende des Jahres ist der TT aber noch ab 39.700 Euro bestellbar. © Audi AG
Mercdes-Benz A-Klasse
Mercedes A-Klasse: Der Kompaktwagen passt nicht mehr in das neue Konzept von Mercedes-Benz, vor allem hochpreisige Limousinen, SUV und Sportwagen anzubieten. Das überzeugende Konzept der frühen A-Klasse, möglichst viel Platz in einem kompakten Auto zu schaffen, würde dabei gut ins Elektro-Zeitalter passen – ist mittlerweile aber ohnehin verwässert. Noch gibt den Basis-Benz ab 28.393 Euro zu kaufen.  © Mercedes-Benz
Porsche 718 Boxster
Porsche 718 Boxster: Zwar kämpft Porsche weiterhin für den Verbrennungsmotor, aber überleben wird der langfristig wohl nur im 911. Boxster und Cayman werden 2025 erst auf Wunsch, später wohl grundsätzlich elektrifiziert. Dabei bieten gerade die Versionen mit Sechszylinder-Boxer fast schon elektrische Tugenden wie Laufruhe und Durchzugskraft – bei (für Sportwagen) hoher Reichweite und geringem Gewicht. Aktueller Preis: ab 60.061 Euro. © Daniel Wollstein/Porsche
Jeep Wrangler
Jeep Wrangler: Als purer Verbrenner ist die Off-Road-Ikone schon jetzt nicht mehr lieferbar. Der Plug-in-Hybrid wird so lange laufen, wie er darf, aber den Sprung in die Elektro-Ära nicht schaffen. Ein Nachfolger mit Akku dürfte ähnlich modernisiert daherkommen wie der aktuelle Land Rover Defender, aber dank seiner E-Motoren immerhin überragende Gelände-Eigenschaften bieten. Mit 77.500 Euro ist der Klassiker mittlerweile zum Luxus-Auto geworden. © Stellantis
VW Golf Cabrio
VW Golf Cabrio: Im Grunde vermissen wir ihn jetzt schon, nämlich seit 2016. Der offene VW T-Roc kann den Charme des offenen Kompaktwagens, der seine Karriere als „Erdbeerkörbchen“ mit Henkeln startete, nicht ersetzen. Das wird wohl auch für ein elektrisches Cabrio auf Basis des VW ID.3 gelten – wenn ein solches überhaupt kommt, was angesichts der schwächelnden Nachfrage für offene Autos eher zweifelhaft ist. © VW
Fiat 500
Fiat 500: Während die aktuelle Version des Kleinwagens ausschließlich als Elektroauto produziert wird, ist auch der etwas kleinere Vorgänger derzeit noch bestellbar. Im Stellantis-Konzern ist dessen Aus aber beschlossen. Dabei ist gerade die sparsame Hybrid-Version mit 70 PS ein ökologisch sinnvolles Angebot etwa für jene, die partout kein Elektroauto möchten – etwa Städter, die keine schnelle Lade-Möglichkeit haben. Noch ist der Verbrenner ab 15.501 Euro bestellbar. © Stellantis
Mercedes-Benz SLC 300
Mercedes SLC: Der kompakte Roadster startete – als erstes Cabrio mit Falt-Hardtop – unter dem Namen SLK. Nun beendete nicht der Elektro-Boom, sondern die Nachfrage-Flaute seine Karriere als Frauenversteher. Im künftigen Luxus-Stromer-Portfolio von Mercedes sind solche gerade noch bezahlbaren Fahrspaß-Modelle schon gar nicht vorgesehen.  © Mercedes-Benz
Lamborghini Huracan
Lamborghini Huracán: Die italienische VW-Tochter sperrte sich lange gegen die Elektrifizierung, aber kommt natürlich auch nicht drumherum. Der pure, weder von Hybrid noch Turbo verwässertre V10-Saugmotor des Huracán wird seinen Platz als einer der Höhepunkte des Verbrenner-Zeitalters bekommen. Seine 640 PS würden Elektromotoren zwar mit deutlich weniger Aufwand erreichen, aber sei´s drum: Dass es solche Autos nicht mehr geben wird, ist ebenso vernünftig wie schade. Preis: ab 190.274 Euro. © Charlie Magee
BMW Z4
BMW Z4: Ja, er lebt noch! Anders als Mercedes-Benz führt BWM seinen Mittelklasse-Roadster weiter, eine Kooperation mit Toyota machts möglich. Doch auch wenn BMW weiter Verbrenner bauen will, ist ein Nachfolger alles andere als gesichert. Wenn wir uns irren und es künftig einen Z4 mit (wie bei BMW üblich) Verbrenner- und Elektro-Option geben wird: umso besser. Wer sich darauf nicht verlassen mag, muss mindestens 46.200 Euro investieren. © BMW
Tina Ruland auf Opel Manta
Opel Manta: Eigentlich hatten wir den Manta ja schon als Eighties-Unikum abgehakt. Dann weckte Opel mit der Ankündigung eines elektrischen Mantas die Fantasie: Ein zweitüriges, leichtes Coupé, mit genügend Reichweite für den Ausflug in die Diskothek (so hießen Clubs früher) und zum Baggersee, das wäre doch ein schönes Stück Anarchie zwischen all den effizienten, vernünftigen Stromern. Doch heraus wird wieder nur das übliche Akku-SUV kommen, an das ein Marketing-Genie den Manta-Schriftzug klebt. Umso mehr werden wir den Echten vermissen. © Rights Managed/Imago

Wie viel Geld lässt sich VW den neuen Tiguan kosten? Die Rendite der Kernmarke VW Pkw soll steigen, wenig verwunderlich werden mit dem Generationswechsel die Preise angezogen. Ist das aktuelle Tiguan Facelift ab knapp 33.000 Euro zu haben, soll der Basispreis des Nachfolgers Berichten zufolge bei 36.600 Euro liegen. Darüber hinaus gibt es drei weitere Ausstattungslinien (Life, Elegance, R-Line). Bei den Plug-in-Hybriden handelt es sich mutmaßlich um ein kostspieliges Vergnügen – hier stehen Preise ab 57.000 Euro im Raum.

VW und die China-Problematik: Wie deutsche Politikerinnen dem Autobauer einen Bärendienst erweisen. (PF)

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