VW in China: Wie deutsche Politikerinnen dem Autobauer einen Bärendienst erweisen
VonPatrick Freiwah
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China ist für VW ein bedeutender Handelspartner, aus dem ein Großteil des Gewinns resultiert. Das politische Klima setzt den Autobauer jedoch unter Druck.
Wolfsburg/München – Das geopolitische Klima zwischen Deutschland, Europa und China ist in den vergangenen Monaten rauer geworden. Für den größten Autokonzern des hiesigen Kontinents stellt diese Entwicklung eine Bedrohung dar: Die Volkswagen Group China betreibt nicht weniger als 33 Produktionsstätten im Reich der Mitte, gemeinschaftlich mit lokalen Partnern.
Die Einnahmen und damit auch Abhängigkeiten des Autobauers sind im Reich der Mitte enorm. Laut Wirtschaftswoche resultierte zuletzt rund ein Drittel der Konzerngewinne aus China. Vergangene Woche positionierten sich jedoch gleich zwei einflussreiche Politikerinnen aus Deutschland auf eine Weise, dass es die Strategie von VW torpediert, in der Volksrepublik zurück zu alter Stärke zu finden. Hintergrund ist die offenkundig zunehmende Gefahr von konkurrierenden Herstellern aus Asien.
VW und China: Deutsche Außenpolitik torpediert Handelsbeziehungen
Da wäre Außenministerin Annalena Baerbock, die unverhohlen verkündete, dass Chinas Staatschef Xi Jinping ein Diktator sei. Quasi zeitgleich stellte sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor die Mikrofone, um Subventionsuntersuchungen gegen China-Hersteller in die Wege zu leiten. Nicht zum ersten Mal trat die Grünen-Politikerin Baerbock mit drastischen Äußerungen über den „Systemrivalen“ in Erscheinung, ungeachtet der Verstrickungen zwischen deutscher und chinesischer Wirtschaft.
Ist die politisch herbeigeführte Drohkulisse in diesem Maße berechtigt? Wenn die Weichen auf verhärtete Fronten stehen, bröckelt damit unweigerlich das Wohlergehen großer deutscher Unternehmen wie VW. Schon länger schlägt die deutsche Wirtschaft Alarm, angesichts der jüngeren Entwicklung und politischen Maßnahmen, die auf die Verstrickung mit China abzielen.
Laut VW reichen die derzeitigen Einnahmen nicht für ein dauerhaftes Überleben, was zu konzernweiten Sparmaßnahmen führt. Dies wiederum – verknüpft mit einer höheren Renditeerwartung – sorgt intern für Brisanz. Betriebsratschefin Daniela Cavallo warnte aufgrund der Zielsetzung von 6,5 Prozent vor Auswirkungen auf die Belegschaft. Über Auszüge einer Stellungnahme im Intranet des Unternehmens berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Darin benennt die 48-Jährige offenbar mehrere Faktoren, welche die angespannte Lage bei Volkswagen verdeutlichen: Lieferengpässe, ein schleppender Elektro-Hochlauf, die Digitalisierung und neue Rivalen aus China. „Es ist hier schon der perfekte Sturm, auf den wir zusteuern. Aktuell erleben wir die Ruhe vor diesem Sturm. Wenn der Sturm losbricht, liebe Vorstandsmitglieder, dann brauchen wir alle Hände an Deck. Dann brauchen wir eine Team-Leistung, wie sie Volkswagen lange nicht gesehen hat.“
VW-Verkaufszahlen in China sinken - Rendite soll dennoch steigen
Cavallo zufolge müssten die VW-Manager deutlicher kommunizieren, wie der geplante Sparkurs des Herstellers konkret aussehe. Den Vorstand um Kernmarken-Chef Thomas Schäfer fordert sie auf: „Machen Sie es wie anständige Kapitäne! Stellen Sie sich vor ihre Leute und sagen Sie klipp und klar, was der Kurs sein soll. Und was uns auf dem Weg dorthin erwartet und was Sie erwarten.“ Dieses Anliegen dürfte bald in Erfüllung gehen: Im Herbst will der Konzern ein „überzeugendes Gesamtpaket“ im Rahmen eines Effizienzprogramms vorlegen.
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Inwieweit die Maßnahmen das Geschäft von VW in China betreffen, ist noch unklar. Ein weiteres Sinken der Verkaufszahlen soll jedoch verhindert werden. Volkswagen strebt für 2030 einen jährlichen Absatz von vier Millionen Autos an, wie der China-Chef des Herstellers (Ralf Brandstätter) 2023 kommunizierte. Gegenüber früheren Aussagen wurde das Ziel damit um beträchtliche zwei Millionen Modelle herabgestuft. (PF mit Material der dpa)