VonJonah Reuleschließen
Seit Monaten wird immer wieder bei der Deutschen Bahn gestreikt. Etliche Züge stehen immer wieder still. Fahrgäste haben jedoch auch im Streikfall Rechte.
Köln – Bahnhöfe stehen leer, Züge stehen still. Seit November 2023 kommt es immer wieder zu Streiks bei der Deutschen Bahn. Grund ist der Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL. Am Dienstag (12. März) streikt die GDL bereits zum sechsten Mal seit Beginn der Tarifverhandlungen. Eine Einigung ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Der Ton zwischen beiden Parteien wird rauer. Zuletzt kündigte die GDL bereits Wellenstreiks an.
Diese sollen dann nicht mehr, wie die vorherigen Streiks 48 Stunden vorher, sondern deutlich kurzfristiger angekündigt werden. Reisende müssen sich dann auch in NRW auf Ausfälle und Änderungen bei Bahn einstellen. 24RHEIN erklärt, was alle, die mit dem Zug unterwegs sind, rund um den Tarifkonflikt zwischen GDL und Bahn wissen müssen.
Wann ist der nächste Streik bei der Deutschen Bahn?
Der aktuelle Streik der GDL findet am Dienstag (12. März) statt und dauert exakt 24 Stunden. Die Informationen zum aktuellen Streik der GDL in der Übersicht:
- Was? GDL-Streik bei der Deutschen Bahn
- Wann? Dienstag, 12. März 2024, 2 Uhr bis Mittwoch, 13. März 2024, 2 Uhr
- Auswirkungen? Massive Ausfälle im Nah- und Fernverkehr der DB
Erneuter Streik bei der Bahn: Drohen danach weitere Streiks?
Solange sich die Deutsche Bahn und die GDL in ihren Tarifverhandlungen nicht einig werden, könnte es weitere Streiks im Zugverkehr geben. Diese sollen laut GDL-Chef Claus Weselsky deutlich kurzfristiger angekündigt werden, als das vor den Wellenstreiks der Fall war. Unter Umständen könnten Bahnreisende also auch erst kurz vor einer geplanten Reise erfahren, dass ihr Zug wegen eines Streiks ausfällt.
Wie lange könnte ein neuer Bahnstreik dauern?
Das lässt sich im Vorfeld nicht konkret sagen. Allerdings könnte die GDL auch zu einem unbefristeten Streik bei der Deutschen Bahn aufrufen. Möglich macht das eine Urabstimmung, in der im Dezember mehr als 75 Prozent aller GDL-Mitglieder für unbefristete Streiks stimmten. Ein Blick auf die bisherigen Streiks der GDL seit Beginn der Tarifverhandlungen im November 2023 zeigt, dass diese von unterschiedlicher Dauer waren. Der längste Bahnstreik dauerte Ende Januar knapp fünf Tage.
Das waren die bisherigen Streiks der GDL bei der Deutschen Bahn
1. Bahnstreik: Von Mittwoch, 15. November 2023, 22 Uhr bis Donnerstag, 16. November 2023, 18 Uhr. Dauer: 20 Stunden
2. Bahnstreik: Von Donnerstag, 7. Dezember 2023, 22 Uhr bis Freitag 8. Dezmeber 2023, 22 Uhr. Dauer: 24 Stunden
3. Bahnstreik: Von Mittwoch, 10. Januar 2024, 2 Uhr bis Freitag, 12. Januar 2024, 18 Uhr. Dauer: 40 Stunden
4. Bahnstreik: Von Mittwoch, 24. Januar 2024, 2 Uhr bis Montag, 29. Januar, 18 Uhr. Dauer: Knapp 5 Tage
5. Bahnstreik: Von Donnerstag, 7. März 2024, 2 Uhr bis Freitag, 8. März 2024, 13 Uhr. Dauer: 35 Stunden
6. Bahnstreik: Von Dienstag, 12. März 2024, 2 Uhr bis Mittwoch 13. März 2024, 2 Uhr. Dauer: 24 Stunden
Welche Fahrgastrechte gelten während eines Bahnstreiks?
Ein Streik bei der Deutschen Bahn hat auch Auswirkungen auf die Rechte der Fahrgäste. Während der bisherigen Streiks bot die Bahn ihren Kunden immer eine Sonderkulanz an. So entfiel bislang für Fahrten während eines Streiks bei der Bahn immer die Zugbindung. Reisende konnten somit einen Zug ihrer Wahl nutzen, sofern dieser trotz Streik fuhr. Darüber hinaus konnten Reisende, die Tickets für Reisen an den Streiktagen gebucht hatten, ihre Fahrkarten auch vor und nach dem Streik nutzen. Es ist anzunehmen, dass die Bahn diese Kulanz auch im Falle weiterer Streiks ihren Kunden anbietet.
Kommt es zu einem Streik, können Fahrgäste ihr Ticket laut der Verbraucherzentrale auch immer stornieren und das gezahlte Geld zurückverlangen. Möglich ist das bei der Deutschen Bahn in Form eines Gutscheins oder einer Auszahlung des Fahrpreises. Gleiches gilt laut den Experten der Verbraucherzentrale auch, wenn Reisende wegen des Streiks verspätet an ihr Ziel kommen. Dann wird je nach Höhe der Verspätung bis zur Hälfte des Fahrpreises erstattet.
Überraschender Platz 1: Das waren die längsten Streiks in Deutschland




Diese Bahnunternehmen sind nie vom GDL-Streik betroffen
Wenn die GDL streikt, bedeutet das noch lange nicht, dass in Deutschland gar keine Züge mehr fahren. Zum einen fuhren bei den bisherigen Streiks – wie auch am 12. März – in NRW trotzdem vereinzelt Züge. Zum anderen verhandelt die GDL Tarifverträge nicht mit allen Bahnunternehmen des Landes. In NRW gibt es deswegen auch einige Züge, die trotz eines Streiks der GDL nach Plan fahren. Dazu zählt unter anderem der RE1, der von National Express betreiben wird. Darüber hinaus sind auch andere Bahnunternehmen von einem Streik der GDL nicht betroffen. In NRW sind das:
- Arriva
- Eurobahn
- Flixtrain
- National Express
- NMBS/SCNB (einzelne Verbindungen nach Belgien)
- Nordwestbahn
- Rheinruhrbahn
- Rurtalbahn
- Transdev
- Vias
- Westfalenbahn
Obwohl diese Bahnunternehmen nicht von der GDL bestreikt werden, kann es im Zuge eines Bahnstreiks auch bei National Express und Co. zu Einschränkungen kommen. Streiken beispielsweise Mitarbeiter von Stellwerken, können auch Züge, wie der RE4 oder RE3 nur eingeschränkt oder auch gar nicht fahren.
Worum geht es im Tarifstreit zwischen der Bahn und der GDL?
In den Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und der GDL geht es um bessere Arbeitsbedingungen für Lokführer und weitere Bahnangestellte. Die erste Verhandlungsrunde fand im November 2023 statt. Dabei fordert die GDL allerdings nicht nur mehr Geld pro Monat sowie eine Inflationsausgleichsprämie, sondern auch eine Absenkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Die Bahn ging in ihren bisherigen Angeboten allerdings nicht darauf ein.
Stattdessen rief die Bahn die GDL zuletzt zu weiteren Verhandlungen auf. Die GDL verlangte dazu jedoch ein verbessertes Angebot der Bahn, in der diese die 35-Stunden-Woche zusichern sollte. Ein entsprechendes Ultimatum der GDL ließ die Bahn verstreichen, ohne ein neues Angebot zu machen, was zu einer Verschärfung des Tarifkonflikts führte.
Die 35-Stunden-Woche gilt als der große Knackpunkt in den Tarifverhandlungen. Im Gespräch mit Ippen.Media bezeichnete GDL-Chef Weselsky die Herabsenkung der Wochenarbeitszeit bereits im vergangenen Herbst als „Schwergewicht in dieser Tarifrunde“. Sollte die Bahn sich nicht zu einer Herabsenkung der Arbeitszeit auf 35 Stunden pro Woche bereiterklären, drohen die Tarifverhandlungen zu scheitern. Die Folge könnten weitere – und vielleicht sogar unbefristete – Streiks sein. Ob sich diese gerichtlich abwenden lassen, darf bezweifelt werden. Mit ihren Versuchen, Streiks der GDL vor Gericht zu verhindern, hatte die Bahn zumindest bislang keinen Erfolg. (jr)
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