Faktoren für mehr Arbeit und Beschäftigung

Ökonom kritisiert Merz & Co: „erstaunliche Ignoranz“ hinsichtlich Arbeitsmoral der Deutschen

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Deutsche sollen laut Politik mehr arbeiten, Feiertage sollen weichen. Ein Ökonom hält das für Symbolpolitik und schlägt Alternativen vor.

Berlin – Mit der Arbeitsmoral der Deutschen scheint es schlecht bestellt zu sein, wenn man Studien Glauben schenken will. So kommt eine aktuelle Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zu dem Ergebnis, dass die Deutschen deutlich weniger arbeiten als die Menschen in fast allen anderen OECD-Staaten.

Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist das Arbeitszeitvolumen aller Beschäftigten in Deutschland leicht zurückgegangen, während die Zahl der Erwerbstätigen leicht gestiegen ist. Die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg stellte in einem Artikel sogar die Frage: „Haben die Deutschen ihre berühmte Arbeitsethik vergessen“

So will Fratzscher die Zahl der Arbeitsstunden erhöhen: Abschaffung eines Feiertags zeugt von Ignoranz

Die Forderungen aus Politik und Wirtschaft lassen nicht lange auf sich warten. Christian Lindner (FDP) und Friedrich Merz (CDU) waren sich bereits vor einem Jahr einig: Die Deutschen könnten mehr arbeiten. Der Präsident des ifo-Instituts in München, Clemens Fuest, hat sich erneut für die Streichung eines Feiertags ausgesprochen. Eine geplante Steuerbefreiung für Überstunden soll Beschäftigte zu mehr Arbeit motivieren.

Wirtschaftsverbände fordern die Streichung von Feiertagen zugunsten der Konjunktur.

Der Ökonom Marcel Fratzscher, aktueller Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), nennt die Behauptung, die Deutschen seien faul, in seinem Blog eine „erstaunliche Ignoranz gegenüber dem tatsächlichen Potenzial unseres Arbeitsmarkts“. Maßnahmen wie die geplante Steuerbefreiung von Überstunden oder die Abschaffung eines Feiertags seien fehlgeleitet und lösten nicht die wirtschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre.

So will Fratzscher die Zahl der Arbeitsstunden erhöhen: Mehr Erwerbstätigkeit von Frauen

Auch Fratzscher möchte die Zahl der Arbeitsstunden in Deutschland erhöhen. Doch erreichen möchte er dieses Ziel vor allem mit vier Maßnahmen:

  1. Gleichstellung von Frauen und Männern
  2. Gezielte Zuwanderung und bessere Integration von Geflüchteten
  3. Mehr Investitionen ins Bildungssystem
  4. Reformen in den Unternehmen

Laut Fratzscher könnten Frauen wesentlich mehr arbeiten, denn Deutschland hat eine der höchsten Teilzeitquoten bei ihnen. Viele der Frauen wollen auch mehr arbeiten, werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt jedoch stärker diskriminiert als in anderen Ländern. Als Beispiele führt er unter anderem den hohen Gender Pay Gap und die schlechteren Karrierechancen an.

Aber auch die Politik macht es Frauen schwer, wenn sie mehr arbeiten wollen. Durch das Ehegattensplitting verlieren sie oft fast die Hälfte ihres Einkommens durch Steuern und Abgaben. Aufgrund der mangelnden Betreuungssituation in Kitas und Schulen sind Eltern, vor allem Mütter, ungewöhnlich hoch belastet. Auch die Ausweitung von Minijobs trägt dazu bei. 

Gezielte Zuwanderung und bessere Integration – sollen laut Fratzscher die Arbeitsstunden erhöhen

Um den Arbeitskräftemangel zu bewältigen, fordert Fratzscher eine gezielte Zuwanderung. Deutschland müsse attraktiver für junge Zuwanderer werden – nicht nur für Hochqualifizierte.

Bereits hier lebende Schutzsuchende sollten besser und schneller integriert werden. Dazu gehören die Anerkennung von Qualifikationen, der Zugang zu Sprachkursen, Unterkünften und zu sozialer Absicherung.

15 Dinge, die im Büro erlaubt sind – auch wenn Ihr Chef das anders sieht

Privates Surfen im Internet
Privates Surfen im Internet: Gelegentliches privates Surfen im Internet ist in den meisten Büros erlaubt, solange es in den Pausenzeiten stattfindet und die Arbeit nicht beeinträchtigt. Die Regelungen variieren jedoch je nach Unternehmen, weshalb es ratsam ist, die internen Richtlinien zu überprüfen. © Imago
Private Post ins Büro liefern lassen
Private Post ins Büro liefern lassen: Es ist erlaubt, sich private Post oder Päckchen ins Büro liefern zu lassen, solange es den Arbeitsfluss nicht stört. Wenn der Chef jedoch Bedenken äußert, sollte man eine alternative Lieferadresse in Betracht ziehen. © Imago
Pausen einlegen
Pausen einlegen: Pausen sind ein gesetzliches Recht und dürfen Ihnen von Ihrem Chef nicht verweigert werden. Sie sind wichtig für die Erholung und tragen zur langfristigen Produktivität bei. © Imago
Persönliche Gegenstände am Arbeitsplatz
Persönliche Gegenstände am Arbeitsplatz: Ihren Arbeitsplatz mit persönlichen Gegenständen zu dekorieren, ist in den meisten Fällen erlaubt und kann das Wohlbefinden steigern. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass dies den Arbeitsfluss nicht stört. © Imago
Mit Kollegen über Arbeitsbedingungen sprechen
Mit Kollegen über Arbeitsbedingungen sprechen: Der Austausch über Arbeitsbedingungen mit Kollegen ist erlaubt und kann sogar dazu beitragen, gemeinsam Verbesserungen im Arbeitsumfeld zu fordern. Es ist ein wichtiger Schritt zur Sicherstellung eines fairen und gerechten Arbeitsumfelds. © Imago
Über das Gehalt sprechen
Über das Gehalt sprechen: Das Reden über Ihr Gehalt mit Kollegen ist gesetzlich erlaubt, auch wenn manche Arbeitgeber dies nicht gerne sehen. Vertragsklauseln, die solche Gespräche verbieten, sind rechtlich unwirksam. © Imago
Flexible Arbeitszeiten nutzen
Flexible Arbeitszeiten nutzen: Wenn Ihr Arbeitsvertrag flexible Arbeitszeiten vorsieht, dürfen Sie diese nutzen, selbst wenn Ihr Chef möglicherweise starre Arbeitszeiten bevorzugt. Flexibilität fördert die Work-Life-Balance und kann die Produktivität steigern. © Imago
Kreative Pausen einlegen
Kreative Pausen einlegen: Kurze Pausen zur Erholung oder für kreative Reflexionen sind nicht nur erlaubt, sondern oft auch förderlich für die Produktivität. Diese Pausen helfen, neue Energie zu tanken und kreative Blockaden zu überwinden. © Imago/Ute Grabowsky
Über Fehler sprechen
Über Fehler sprechen: Ehrlichkeit bei der Anerkennung eigener Fehler ist wichtig und zeigt Verantwortungsbewusstsein. Auch die Fehler anderer sollte man mit Höflichkeit ansprechen können. Chefs sollten eine Kultur fördern, in der Mitarbeiter offen mit Fehlern umgehen können, um daraus zu lernen. © Imago
Private Telefongespräche im Büro
Private Telefongespräche: Kurze private Telefonate während der Arbeitszeit sind in der Regel in Ordnung, solange sie nicht die Arbeitsabläufe stören. Es ist jedoch ratsam, diese auf das Notwendige zu beschränken oder in den Pausen zu führen. © Imago
Überstunden ablehnen
Überstunden ablehnen: Sie sind nicht verpflichtet, unbegrenzt Überstunden zu machen. Das Arbeitszeitgesetz beschränkt die maximale Arbeitszeit auf zehn Stunden pro Tag und Ihr Chef darf dies nicht ignorieren. © Imago
Gegen unfaire Behandlung Beschwerde einlegen
Gegen unfaire Behandlung Beschwerde einlegen: Wenn Sie sich ungerecht behandelt fühlen, haben Sie das Recht, sich darüber zu beschweren oder rechtliche Schritte zu erwägen. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Rechte kennen und sich nicht scheuen, diese einzufordern. © Imago
Genehmigten Urlaub nehmen
Genehmigten Urlaub nehmen: Ein bereits genehmigter Urlaub darf vom Chef nicht ohne Weiteres gestrichen werden, da dies ein Verstoß gegen das Arbeitsrecht wäre. Der Urlaub dient Ihrer Erholung und sollte daher respektiert werden. © Imago
Im Urlaub nicht erreichbar sein
Im Urlaub nicht erreichbar sein: Während Ihres Urlaubs sind Sie nicht verpflichtet, für Ihren Chef erreichbar zu sein. Diese Zeit ist für Ihre vollständige Erholung reserviert, und es ist ratsam, klare Grenzen zu setzen. © Imago
Mobbing melden
Mobbing melden: Mobbing am Arbeitsplatz ist ein ernstes Problem, das Sie unbedingt melden sollten. Sie haben das Recht, Schutz einzufordern und in einem sicheren Arbeitsumfeld zu arbeiten © Imago

Höhere Bildung soll zu mehr Fachkräften führen

Um zu verhindern, dass Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen oder keinen Berufsabschluss erreichen, sind laut Fratzscher umfassende Investitionen in Bildung und Ausbildung nötig. Ihm zufolge gelten rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland als grundsätzlich erwerbsfähig. Aufgrund fehlender Chancen, mangelnder Qualifikation und gesundheitlicher Einschränkungen sind sie jedoch dauerhaft oder über lange Zeit ohne Beschäftigung. 

Fratzscher nimmt auch die Unternehmen in die Pflicht. Sie hätten in der Vergangenheit zu wenig in Qualifizierung, Digitalisierung und neue Technologien investiert. Sie sollten ihre Beschäftigten fördern, Prozesse entschlacken und moderne Arbeitsweisen etablieren, um junge, motivierte Menschen als Mitarbeitende zu gewinnen.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/picture alliance / dpa

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