VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Klagenfurt droht die Zahlungsunfähigkeit. Zu dieser Einschätzung kommt ein aktueller Bericht. Jetzt leitet die Stadt dringende Sparmaßnahmen ein.
Klagenfurt – Die Insolvenzwelle rollt weiter. Erst kürzlich traf es einen rund 100 Jahre alten Gartenhändler aus NRW, eine wichtige Chipfabrik im Saarland und einen Autozulieferer. In Österreich steuert derzeit eine ganze Stadt auf die Zahlungsunfähigkeit zu. Klagenfurt am Wörthersee sucht nach Lösungen.
Insolvenz in Klagenfurt – Stellenabbau soll Lage verbessern
Innerhalb eines Jahres droht der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt (Österreich) die Zahlungsunfähigkeit. Das jedenfalls scheint das Ergebnis eines Berichts des österreichischen Konsolidierungsbeirats, der aufgrund finanzieller Schwierigkeiten der Stadt ans Werk ging. In einem aktuellen Bericht des Beirats rät er offenbar vom Neubau eines Hallenbads ab. Laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA sollen verschiedene Stellen im Magistrat fallen. Außerdem müsse die Stadt in ihrem Besitz verbliebene Immobilien verkaufen.
Das Hallenbad ist dabei ein entscheidender Faktor. Je nachdem, ob und in welchem Tempo es am Ende doch gebaut wird, kann es die ohnehin strapazierten Finanzen mehr oder weniger belasten. „Bei der Umsetzung des Hallenbadprojektes und ohne gegensteuernde Maßnahmen droht spätestens in Q1 2026 die Zahlungsunfähigkeit“, heißt es in dem Bericht.
Sollte die Stadt dagegen vorgeschlagene Maßnahmen umsetzen und gleichzeitig am Hallenbad festhalten, soll das Geld immerhin bis 2027 reichen. Und wenn Klagenfurt die vorgeschlagenen Maßnahmen umsetzt und das Hallenbad nicht baut, soll bis 2029 genug Geld da sein. Laut Bericht beläuft sich der Konsolidierungsbedarf auf rund 60 Millionen Euro pro Jahr.
52 Millionen Euro fehlen – Klagenfurt plant bereits seit Monaten Reformen
So ganz überraschend kommt das nicht: Im Herbst 2024 hatten Politiker bereits Alarm geschlagen, dass 52 Millionen Euro für den laufenden Betrieb fehlen. Damals ging es konkret um die Rathausreform – ohne eine erfolgreiche Reform sollte es kein Budget geben, berichtete die Kronen Zeitung im Oktober.
Was steckt dahinter? Die Stadt Klagenfurt hatte sich ein umfangreiches Reformprogramm auf die Fahnen geschrieben, bei der es um eine Reduzierung von Stabsstellen ging, um die Zusammenlegung von Abteilungen und die Straffung von Entscheidungswegen. „Ich bin sehr froh, dass wir nun endlich in die konkrete Umsetzung der dringend notwendigen Aufgaben- und Strukturreform kommen“, zitierte mein-klagenfurt.at den Bürgermeister Christian Scheider im Februar 2025.
„Wir setzen damit ein wichtiges Zeichen in der Bevölkerung und zeigen, dass wir auch bei unseren eigenen Strukturen modernisieren. Das wird nicht nur unsere Kosten senken, sondern auch mehr Service für unserer Bürgerinnen und Bürger bringen.“ Die Maßnahmen sollen Kosten einsparen und für mehr Effizienz sorgen.
300 Stellen der Stadt sollen fallen – so will Klagenfurt Geld sparen
Die zuletzt unternommenen Schritte hatten offensichtlich keinen ausreichenden Effekt. Jetzt wird empfohlen, den Kredit für den Bau des Bades umzuwidmen (hier würden 44 Millionen Euro frei werden) und damit innere Darlehen zu tilgen. Darüber hinaus soll der Personalstand der Stadt drastisch sinken. Bis 2032 ist hier die Rede von 300 Personen, deren Stellen entfallen sollten. Das würde die laufenden Kosten um 20 Millionen Euro reduzieren. Auch spielt die Stadt mit dem Gedanken, die Zahl der dienstfreien Tage zu reduzieren. Beispiele dafür wären Karfreitag und der Allerseelentag.
Rubriklistenbild: © IMAGO / Zoonar

