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Die EU will Putins Gas blockieren, um den russischen Energiehandel zu schwächen und Kriegseinnahmen zu dämpfen. Selbst das lässt Putin jedoch kalt.
Hamburg – Kremlchef Wladimir Putin bemüht sich stets um Schlupflöcher und er hat in einigen Fällen Erfolg: Obwohl der Westen Sanktionen gegen die russische Wirtschaft verhängt hat, gelangt russische Energie noch immer an Abnehmer (darunter auch an bestimmte EU-Länder und Asien). Putins Öl- und Gasgeschäft spült also weiterhin Geld in die russische Kriegskasse. Heißt das, dass auch harte EU-Sanktionen, wie der Einfuhrstopp russischen LNGs (Flüssigerdgas) ab 2027 der russischen Wirtschaft nichts anhaben wird?
Umgehung der Sanktionen: Putin will russisches LNG nach Asien umleiten
Die EU will sich komplett von russischem Gas bzw. LNG lösen und plant dafür die Einfuhr russischen LNGs bis Dezember 2026 einzustellen. Für Pipelinegas gilt der Stopp ab September 2027. Sollten Mitgliedstaaten Schwierigkeiten haben, die erforderlichen Speicherfüllstände zu erreichen, greift das Einfuhrverbot für Pipelinegas erst ab dem 1. November 2027 gelten.
Es stellt sich also die Frage, wie und ob Putin den Wegfall der EU-Länder kompensieren kann, sobald die Sanktionen gelten. Bereits jetzt geht Russland auf Käufer in Asien zu – China, Südkorea und Japan zählen immerhin zu den größten Abnehmern russischen LNGs. Deshalb wird spekuliert, dass Putin infolge der angekündigten Sanktionen die LNG-Lieferungen nach Asien, vor allem China, umleiten wird.
Russlands Wirtschaft setzt LNG-Geschäft trotz Sanktionen fort – China wird wichtiger Abnehmer
„Russland hat seine Exporte erfolgreich auf einem sehr hohen Niveau gehalten – trotz aller bisherigen politischen Statements aus Europa, dass man den Import einstellen will“, sagte Paul-Albert Leroy, Leiter LNG beim französischen Schiffsbroker BRS, im Gespräch mit der Wirtschaftswoche.
Die Anzeichen, dass Russland künftig auf asiatische Käufer setzen wird, mehrten sich schon im Herbst dieses Jahres: Berichten von Reuters zufolge hat der russische Energieriese Gazprom trotz Sanktionen eine Ladung russisches LNG nach China geliefert. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf Daten der London Stock Exchange (LSEG). Ein mit russischem Flüssigerdgas beladener Tanker erreichte den südchinesischen Hafen Tieshan Ende Oktober 2025.
Martin Senior, Leiter der Preisgestaltung bei der Agentur Argus, erklärte, dass die Exporte nach China im Winter zunächst auf etwa eine Lieferung pro Monat begrenzt sein könnten, weil das Terminal nur über eine begrenzte Kapazität und keine direkt angebundenen Transportschiffe verfüge. Langfristig sollen grundsätzlich bis zu etwa drei Lieferungen im Monat möglich sein.
Russland braucht Spezialschiffe für LNG-Transport – China könnte unterstützen
Für den Transport russischen LNGs verschickt Putin Schiffe, die zur berüchtigten Schattenflotte gehören und dafür bekannt sind, westliche Sanktionen zu umgehen. Diese Tanker müssen dafür ausgelegt sein, dickes Meereseis zu durchbrechen. Einige Tanker haben damit aber Probleme und so bleiben sie im Eis stecken. Das geschah beispielsweise dem Buran-Tanker, der 2025 mehrmals zwischen Russland und nordchinesischen Häfen pendelte.
Laut der Wirtschaftswoche will Putin deshalb die Tanker ausbauen, die als Eisbrecher eingesetzt werden können und von den LNG-Stationen in den arktischen Gebieten, wie das Arctic-LNG-2-Projekt, zu den jeweiligen Käufern fahren. Dem Wirtschaftsmagazin zufolge hat China gegenüber Leroy bestätigt, LNG-Schiffe bauen zu können, die bis zu zwei Meter dickes See-Eis durchbrechen können. (Quellen: Reuters, Wirtschaftswoche, LSEG) (bohy)
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