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Russisches Gas erreicht Europa trotz Sanktionen. Moskau steigerte die Lieferungen im Jahr 2025 sogar. Die Einnahmen verstärken Putins Kriegsfinanzierung.
Moskau – Russland konnte die Gaslieferungen an die Türkei im Zeitraum von Januar bis September 2025 steigern: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum flossen 16 Prozent mehr ins NATO-Land, also 16 Milliarden Kubikmeter. Alleine im September 2025 exportierte Russland 1,45 Milliarden Kubikmeter über die TurkStream und Bluestream in die Türkei, wie aus Daten der türkischen Energiemarktregulierungsbehörde (EPDK) hervorging.
Trotz Sanktionen fließt Russland-Gas ins Nato-Land – russische Wirtschaft steigert Lieferungen
Bis Ende 2024 hat Russland die Ausfuhren an die Türkei um 2,6 Prozent auf etwas über 21 Milliarden Kubikmeter erhöht. Laut einem Bericht von der russischen Nachrichtenagentur Tass.ru, die sich auch auf EPDK-Daten beruft, beliefen sich die gesamten Gaslieferungen, inklusive LNG, auf über 21,5 Milliarden Kubikmeter.
Seit die Ukraine am 1. Januar den Transit russischen Gases nach Europa eingestellt hat, ist TurkStream die einzige Route, über die russisches Gas die europäischen Märkte erreicht. Im Februar 2025 erreichten die Gasströme durch die TurkStream-Pipeline zwischen dem 3. und 9. Februar einen wöchentlichen Rekordwert. Über 390 Millionen Kubikmeter sind demzufolge durch die Kompressorstation Strandzha-2 an der türkisch-bulgarischen Grenze gepumpt worden.
Dies ist die höchste wöchentliche Lieferung seit der Inbetriebnahme der Pipeline im Januar 2020 und übertrifft den bisherigen Rekord von 376 Millionen Kubikmeter, der zwischen dem 13. und 19. Januar 2025 aufgestellt wurde. Die TurkStream-Pipeline hat eine Gesamtkapazität von 31,5 Milliarden Kubikmetern pro Jahr. Sie liefert russisches Gas über das Schwarze Meer an die Türkei.
Trotz Sanktionen: Weitere EU-Länder wollen Putins Gas beziehen
Das Interesse an Russlands Gas besteht trotz des Ukraine-Kriegs und der Sanktionen weiterhin. Energieabhängige EU-Länder wie Slowakei und Ungarn wollen russisches Gas künftig beziehen und haben sich in der Vergangenheit häufig gegen EU-Maßnahmen gegen den russischen Energiesektor ausgesprochen.
Als Reaktion auf die jüngsten Pläne der EU, ab 2027 die Einfuhren russischen Gases komplett einzustellen (bislang wurde nur die Umladung russischen LNGs innerhalb europäischer Häfen untersagt), hat Ungarn eine Klage angekündigt. Der ungarische Präsident Viktor Orbán sagte, man werde sich an den Europäischen Gerichtshof wenden. „Wir akzeptieren diese offensichtlich rechtswidrige Lösung nicht, die den europäischen Werten widerspricht“, sagte Orbán am Freitag (14. November) in seinem wöchentlichen Interview im staatlichen Radio.
Russlands Wirtschaft drohen weitere Verluste – Sanktionen erschweren Gashandel
Russlands Einnahmen aus dem Energiegeschäft, wie durch den Verkauf von Öl und Gas, sind eine wichtige Geldquelle, damit Wladimir Putin seine Kriegskasse befüllen und seine hohen Kriegsinvestitionen aufrechterhalten kann. Auch im Fall, dass der Ukraine-Krieg endet, was der derzeit diskutierte Friedensplan erreichen soll, bleiben die Erlöse aus dem Energiehandel für Putin einer der obersten Prioritäten.
Doch seitdem die verschärften, westlichen Sanktionen immer mehr Handelspartner vertreiben, verschlechtern sich Putins Aussichten. Der Zugang zum europäischen Energiemarkt wurde Russlands Wirtschaft infolge der Sanktionen massiv erschwert. Nach Einschätzungen von Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) könnten Putins jährliche Erlöse aus dem Gasgeschäft, die zuvor im Schnitt 120 Milliarden Dollar betrugen, bis 2030 auf nur noch 28 Milliarden Dollar im Jahr fallen.
„Selbst wenn der Ukraine-Krieg endet, erwarten wir nicht, dass russisches Gas in großen Mengen nach Europa zurückkehren wird“, heißt es in der Studie der Fachleute. Angesichts der reichlich vorhandenen weltweiten Kapazitäten erscheint es unwahrscheinlich, dass Moskau seine frühere Rolle als Schwergewicht im Energiehandel wiedererlangen kann. Quellen: Moscow Times, Tass.ru, IEA (bohy))
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