Probleme bei Rückzahlungen

Putins Bankensektor steht vor massiven Problemen – und muss Kreditkartenvergabe beschneiden

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Russische Banken beschneiden die Services für Bürger. Daran haben West-Sanktionen eine Mitschuld. Aber auch Putin selbst soll involviert sein.

Moskau – Russlands Wirtschaft gerät zunehmend in Bedrängnis. Ein „Staubsaugereffekt“ schwächt aktuell den zivilen Sektor, gleichzeitig verzeichnen die wichtigen Energie-Branchen deutliche Einbrüche. Russische Bürger spüren die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs immer deutlicher. Eines der neueren Symptome betrifft ausgerechnet ihr Geld.

Russland-Banken geben weniger Kreditkarten aus – Probleme bei Rückzahlungen?

Jetzt haben die russischen Banken offenbar die Vergabe von Kreditkarten beschränkt. Nachdem Ökonomen im Juli und August noch ein Wachstum beobachtet hatten, sollen die Banken im September noch 1,29 Millionen Karten ausgegeben haben. Diese machen insgesamt ein Kreditlimit von 141,5 Milliarden Rubel (1,5 Milliarden US-Dollar) aus, berichtete das russische Medium Kommersant business daily. Dabei berief sich Kommersant auf Daten des United Credit Bureau.

Putins Bankensektor steht vor massiven Problemen – und muss Kreditkartenvergabe beschneiden

Damit steht ein Einbruch um zwölf Prozent (Monat auf Monat) auf dem Papier. Das Gesamtkreditlimit sank um 35 Prozent – der stärkste monatliche Rückgang seit vier Jahren. Wasili Kutin, Leiter der Analytik bei der Ingo Bank, sagte gegenüber Kommersant, dass die Kreditlimits vieler Karteninhaber im letzten Monat stark gekürzt wurden, in einigen Fällen sogar auf null.

„Das liegt an den härteren Anforderungen der Banken für die Qualität der Kredit-Portfolios“, zitierte Kommersant Kutin. „Nachdem sie zwischen 2023 und 2024 eine Rekordanzahl an Krediten vergeben haben, stehen die Geldverleiher jetzt vor einem verzögerten Risikofekt, weil einige Kreditnehmer Probleme damit haben, ihre monatlichen Zahlungen zu leisten.“

Putins Banken lehnen massiv Kredite ab – Inflation und Leitzinsen als Auslöser

Das ist lediglich ein Symptom wesentlich größerer Probleme, die derzeit in Russlands Bankensektor brodeln. Einer der gravierendsten Faktoren, die diese Entwicklung begünstigen, ist der hohe Leitzins. Zwar hat die russische Zentralbank diesen innerhalb der letzten Monate wiederholt heruntergestuft, aber aktuell liegt er immer noch bei 17 Prozent – die generelle Wirtschaft bräuchte eigentlich zwölf Prozent. Das hatte German Gref, Chef der großen russischen Sberbank, im September gesagt. Nur so bestehe Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung.

Die Konsequenzen sind weitreichend. Neben dem Einbruch bei den Kreditkartenvergaben berichteten Medien bereits davon, dass russische Banken mittlerweile die Mehrheit der Kreditanträge ablehnen. Schon im Juli wurden lediglich 21,4 Prozent aller Anträge genehmigt, berichtete die Moscow Times unter Berufung auf Iswestija-Berichterstattung. Zwischen 75 und 80 Prozent aller Auto- und Verbraucherkredite würden ebenfalls abgelehnt, während rund 60 Prozent der Hypothekenanträge scheitern – trotz staatlich geförderter Programme.

„Zahlungsrückstände werden teilweise durch den Druck auf die Haushaltseinkommen und -budgets aufgrund der Inflation und höherer Zahlungen für bestehende Schulden verursacht“, sagte Wladimir Chernow, Analyst bei Freedom Finance Global, dazu.

West-Sanktionen lähmen Putins Banken-Sektor – aber der Kreml soll auch schuldig sein

Was aber hat die Banken in diese Krise getrieben? Teilweise sind westliche Sanktionen für die aktuellen Reibereien verantwortlich. Nicht nur hatten die westlichen Industrienationen Russland aus dem wichtigen Swift-Bankensystem ausgeschlossen (Swift macht, grob vereinfacht gesagt, den Zahlungsverkehr zwischen Ländern drastisch leichter), viele russische Banken sind sanktioniert. Selbst Banken aus Indien oder China, die aktuell nur wenige bis keine Sanktionen mittragen, haben sich aus Sorge vor Sekundärsanktionen von russischen Handelspartnern gelöst.

Gleichzeitig aber soll Kreml-Chef Wladimir Putin selbst diese Entwicklung befeuert haben. Der Harvard-Forscher Craig Kennedy hat Anfang 2025 auf einen fast übersehenen Plan des Kremls aufmerksam gemacht. Dieser sorgte im Grunde dafür, dass nach 2022 nicht nur der russische Haushalt für den Krieg aufkommen musste, sondern dass auch russische Banken einen Teil der Last schultern mussten. Das geschah, indem sie an Unternehmen in der Rüstungsindustrie Kredite vergaben, die sie unter normalen Umständen so nicht vergeben hätten.

So konnte Putin viele Milliarden in die Kriegsmaschinerie pumpen, ohne den russischen Haushalt belasten zu müssen. Dann aber schlugen Inflation und hohe Zinsen zu. Unternehmen fiel es immer schwerer, ihre Kredite zurückzubezahlen, und aus dem Bankensektor drangen Gerüchte nach außen, dass eine Rettungsaktion des Kremls in den oberen Ebenen der Top-Banken diskutiert werde. Was das für die normalen Russen bedeutet, zeigt sich dieser Tage immer häufiger.

Rubriklistenbild: © IMAGO / SNA

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