Bundeskanzler Friedrich Merz muss im Renten-Streit zwischen der Jungen Union und der SPD vermitteln. Marcel Fratzscher vom DIW will nun beide Perspektive in einem Lösungsvorschlag versöhnen. (Montage)
Ihr Weg: die Rentenpauschale. „Sie schafft Fairness und Gerechtigkeit zwischen den Generationen und könnte die festgefahrene Debatte aufbrechen“, erklären Fratzscher, seines Zeichens Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), und Schupp, der am DIW Senior Research Fellow in der Infrastruktureinrichtung des Sozioökonomischen Panels (SOEP).
Renten-Lösung könnte Generationenstreit lösen: Was die DIW-Experten vorschlagen
Die Idee: Unabhängig von der aktuellen Höhe ihrer Rente sollen alle Rentnerinnen und Rentner in den kommenden fünf Jahren – bis 2031 – eine pauschale Rentensteigerung von monatlich 50 Euro erhalten. „Für armutsgefährdete Rentnerinnen und Rentner entspricht dies etwa einer Erhöhung von fünf Prozent pro Jahr, das ist deutlich mehr als unter der Rentengarantie“, so Fratzscher und Schupp in einer Zeit-Kolumne. Alle erhalten damit denselben Steigerungsbetrag. „Eine identische Auszahlung an alle sorgt dafür, dass Menschen mit geringeren Einkommen proportional stärker profitieren“, argumentieren die beiden Experten.
Renten-Meilensteine in Deutschland in Bildern – von Bismarck über Riester bis Müntefering
Fratzscher und Schupp argumentieren, dass die Pauschale gerecht sei: „Wer heute schon hohe Renten bezieht, bekommt nicht länger automatisch mehr als diejenigen, die über Jahrzehnte hinweg wenig verdient haben.“ Diese Art der Erhöhung sei damit progressiv. „Dies schafft Solidarität und Legitimität“, so die Wissenschaftler.
Pauschale Erhöhung hilft Menschen mit geringen Renten stärker – und belastet Junge weniger
Dabei sei die Erhöhung „zielgenauer“ als die Rentengarantie, die sich am Äquivalenzprinzip orientiere und damit hohe Renten stärker anhebe als niedrige. Damit gehen Fratzscher und Schupp auf das Argument aus SPD-Kreisen ein. Diese beharrt im Streit um das Rentenniveau von 48 Prozent. Es schütze heutige Rentnerinnen und Rentner. Denn durch das Festhalten an der Garantie steigen die Renten wie gewohnt mit der Lohn- und Gehaltsentwicklung.
Dazu belaste die Rentenpauschale junge Generationen weniger, so DIW-Experten. Sie verzichteten bewusst auf langfristige prozentuale Rentensteigerungen, die über Jahrzehnte wirkten. „Es entstehen keine dynamisch ansteigenden Zusatzansprüche, die zukünftige Beitragszahler überproportional treffen würde“, schreiben Fratzscher und Schupp. „Stattdessen sieht das Modell zeitlich begrenzte, moderat finanzierbare Ausgaben vor, die sich nicht automatisch fortschreiben.“ Das System bleibe damit nachhaltig. Es brauche jedoch weiterhin eine betriebliche und private Altersvorsorge, um den Lebensstandard im Alter zu sichern.
Renten-Vorschlag könnte Interessen der Beziehenden und Erwerbstätigen „in Balance bringen“
Das Konzept löse nicht alle Probleme der Rente, aber biete „einen realistischen und politisch Weg, die Interessen der Rentnerinnen und Rentner mit den Interessen der Beitragszahlenden in Balance zu bringen“, so die DIW-Fachleute. Als Baustellen identifizieren sie weiterhin eine Reform des Arbeitsmarktes, Maßnahmen zur Stärkung der Erwerbsbeteiligung oder die Debatte über das Renteneintrittsalter.
Diese Fragen wollen Union und SPD in einem künftigen „Rentenpaket II“ klären. Die Vorsitzenden der beiden Bundestagsfraktionen, Jens Spahn (CDU/CSU) und Matthias Miersch (SPD), haben die umfassende Reform in Aussicht gestellt. Nach zwei Jahrzehnten des diagnostizierten Reformstaus wollen beide Parteien ihre unterschiedlichen Vorstellungen – von der Ausweitung der Kapitaldeckung bis hin zu Fragen des Renteneintrittsalters – in einer Rentenkommission zusammenführen.
Trotz koalitionsinterner Debatten, insbesondere von jüngeren Politikerinnen und Politikern der Union, zeigen sich beide Fraktionschefs kompromissbereit und verweisen auf erfolgreiche Beispiele wie die Kohlekommission, um die Zukunftsfähigkeit der Alterssicherung für das nächste Jahrzehnt zu gewährleisten. (Verwendete Quellen: DIW, AFP)