Rohstoffe wie Silber & Öl: Starke Alternativen zu Bitcoin und herkömmlichen Investments
VonLennart Schwenck
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Mit schwächelnden ETFs und Bitcoin-Verlusten von tausenden Dollar empfehlen Marktkenner Rohstoffe als stabilisierende Komponente für risikobewusste Portfolios.
Frankfurt a. M. – 2025 fühlt sich für viele Anleger an wie ein Minenfeld. Die KI-Euphorie ist verflogen, Bitcoin pendelt unberechenbar, und selbst breit gestreute ETFs bieten keinen Schutz mehr und schwanken heute wie ein Segelboot im Sturm. Während Zentralbanken jonglieren, Unternehmen Budgets zusammenstreichen und die Märkte nervös auf jeden Wirtschaftsindikator reagieren, stellen sich immer mehr Anleger die Fragen: Was bleibt, wenn die digitale Finanzwelt ins Wanken gerät? Und gibt es überhaupt noch stabile Häfen für Geldanleger? Die kurze Antwort darauf lautet: Ein klares Nein. Man muss ja ehrlich sein. Aber es gibt dennoch interessante Alternativen zum üblichen Börsen-Poker. Ein Blick zurück könnte der Weg nach vorn sein – zu Anlageformen, die bereits Generationen durch Krisen getragen haben.
Kryptowährungen unter Druck und ein ETF-Markt mit strukturellen Problemen
Nach dem Rekordhoch von 124.000 US-Dollar im Oktober 2025 ist der Bitcoin-Kurs um über 20.000 Dollar auf aktuell etwa 95.000 US-Dollar gefallen. Besonders beunruhigend ist die zunehmende Ermüdung und der Rückzug institutioneller Investoren. Spot-Bitcoin-ETFs haben laut Bloomberg-Daten etwa 2,8 Milliarden US-Dollar abgestoßen. Diese Entwicklung nimmt dem Markt die Unterstützung, die Bitcoin Anfang des Jahres auf Rekordhöhen getrieben hatte.
Doch auch traditionelle ETF-Investments stehen unter Druck. Der MSCI World, lange als sicherer Hafen für Privatanleger gepriesen, entwickelt sich zunehmend zu einem US-Tech-Index im globalen Kostüm. Der Anteil amerikanischer Aktien stieg von 58 Prozent (2015) auf 74 Prozent (Ende 2024). Die zehn größten Positionen machen fast ein Viertel des Index aus. Diese Entwicklung wurde maßgeblich von den Tech-Aktien getragene Outperformance der US-Aktien angetrieben. Zudem bildet der Index nur 23 Industrienationen ab – Schwellenländer fehlen vollständig. Verstärkt wird diese Problematik durch prominente Warnungen aus der Finanzwelt. Michael Burry, der legendäre Investor, platzierte Put-Optionen im Wert von 912 Millionen US-Dollar gegen Palantir und 187 Millionen US-Dollar gegen Nvidia. Parallel dazu erwägt die Deutsche Bank laut Financial Times Strategien zur Absicherung ihrer milliardenschweren Kredite an Rechenzentren-Betreiber.
Rohstoffe als Portfoliobeimischung: Steigende Nachfrage beim Industriemetall Silber treibt Preisentwicklung
In diesem volatilen Umfeld rücken Rohstoff-Investments zunehmend in den Fokus. Öl, Gold, Silber, Lithium oder Agrarrohstoffe gehören neben Aktien und Anleihen zu den wichtigsten Assetklassen. Oft werden sie als sinnvolle Ergänzung für ein ausgewogenes Portfolio genannt. Doch auch hier drohen Risiken. Olaf Stotz von der Frankfurt School of Finance and Management warnt im ARD-Finanzformat 50k: „Rohstoffe für den Privatanleger sind aus verschiedenen Gründen vorsichtig zu betrachten.“ Um das zu verdeutlichen, führt er den Ölpreis an, der besonders in den vergangenen Jahren – getrieben durch Faktoren wie die Corona-Pandemie oder den Krieg in der Ukraine – extrem geschwankt hat. „Diese exogenen Faktoren sind eher unvorhersehbar, sie lassen sich sehr schlecht prognostizieren, sodass ein Engagement in diesen Märkten mit einem sehr spekulativen Charakter verbunden ist“, so der Experte.
Eine interessante Alternative bietet Silber. Im Oktober 2025 markierte das Edelmetall mit mehr als 50 US-Dollar beziehungsweise 45 Euro je Feinunze (31,1 Gramm) ein neues Allzeithoch. Das ist ein Zuwachs von rund 85 Prozent seit Jahresbeginn. Damit sind die Spekulationsspitzen von 1980 und das Hoch von 2011 übertroffen. Der entscheidende Unterschied zu Gold liegt in der industriellen Nachfrage. Mehr als die Hälfte des weltweiten Silberverbrauchs entfällt laut dem Silver Institute auf industrielle Anwendungen. Im Jahr 2024 entfielen etwa 34 Prozent der weltweiten Nachfrage auf die Elektronikindustrie, 15 Prozent wurden für die Herstellung von Solarzellen verwendet. Silber wird zudem zunehmend in Zukunftstechnologien wie Elektromobilität und Medizintechnik eingesetzt. Auch KI-gesteuerte Hochleistungsbatterien und Kühlungssysteme für Hochleistungs-Computer benötigen das Edelmetall. Diese breite industrielle Verwendung macht Silber zu einem interessanten Investment – birgt aber auch Risiken.
Wie man in Silber oder Gold investiert – Physisch, ETF oder Aktien?
Privatanleger können auf verschiedene Arten in Rohstoffe investieren: etwa über physische Barren und Münzen, über Wertpapiere wie ETCs oder ETFs oder über Aktien von Minengesellschaften. Physisches Silber bietet zwar unmittelbaren Besitz, bringt aber Mehrwertsteuer, An- und Verkaufsspannen sowie mögliche Lagerkosten mit sich. ETCs und ETFs sind dagegen leicht handelbar und meist sehr liquide – allerdings bestehen je nach Konstruktion Emittentenrisiken, da viele ETCs nicht als Sondervermögen gelten. Minenaktien wiederum reagieren nicht nur auf den Metallpreis, sondern auch auf Managementqualität, Förderkosten und geopolitische Faktoren – und schwanken dadurch häufig stärker als der Spotpreis.
Union Investment weist bei Rohstofffonds darauf hin, dass vielfach über Derivate investiert wird. Die Wertentwicklung ist oft nur gering mit klassischen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen korreliert und kann so zur Diversifikation beitragen – teilweise fungieren Rohstoffe auch als Inflationspuffer. Gleichzeitig bleiben marktbedingte Kursschwankungen, Emittenten- und Währungsrisiken bestehen, und der Einsatz von Derivaten kann die Volatilität zusätzlich erhöhen.
Öl bleibt ein Kernelement für Energie- und Chemiebranchen, reagiert aber sensibel auf Konjunkturverlauf, OPEC-Entscheidungen, geopolitische Spannungen und Lagerbestände. Für viele Anleger eignen sich daher eher Future-basierte ETFs oder breit gestreute Rohstofffonds als direkte Einzel-Futures, auch wenn diese Konstruktionen wiederum eigene Roll- und Strukturthemen mitbringen.
Rohstofffonds und ETFs: Chancen und Risiken für Privatanleger
Für viele wichtige Rohstoffe ist der Handel mit den Rohstoffen selbst aus rechtlichen oder logistischen Gründen nicht möglich, erklärt Union Investment. Ein Rohstofffonds investiert daher in der Regel in Derivate. Dabei handelt es sich beispielsweise um Verträge, bei denen die Lieferung der Ware erst zu einem späteren Zeitpunkt beziehungsweise ein Barausgleich erfolgt. Stotz warnt vor den Hebelrisiken beim Future-Handel: „Man muss den Future-Preis nicht direkt bezahlen, sondern nur einen kleinen Anteil – sozusagen als Sicherheitsleistung. Das kann Investoren dazu verführen, eine zu große Position zu kaufen." Wenn die Preise nicht in die erwartete Richtung laufen, müsse unter Umständen Geld nachgeschossen werden.
Auch bei Future-ETFs lauern Gefahren. Wird ein Future im ETF gerollt – also gegen einen neuen ausgetauscht – kann es zu sogenannten Rollverlusten kommen. Es kann passieren, dass der Preis vom ETF steigt, man selbst aber trotzdem keinen Gewinn erzielt, weil der ETF Rollverluste macht.
Diese Länder besitzen die wertvollsten Rohstoffe der Erde
Diversifikation versus Rendite: Kritische Bewertung von Rohstoff-Investments
Rohstoffe bieten aufgrund ihrer geringen Korrelation zu Aktien und Anleihen durchaus Diversifikationseffekte für das Portfolio. Für Investoren, die breit diversifiziert in einen Weltaktienindex investieren, spielt laut Stotz ein direktes Rohstoffinvestment jedoch keine so große Rolle. „Denn in diesen großen weltweiten Indizes sind bereits Rohstoffunternehmen enthalten“, betont der Experte – im FTSE All Share etwa sieben Prozent. Obwohl Rohstoffe zur Risikostreuung beitragen und als Inflationspuffer fungieren können, haben sie „deutliche Renditenachteile gegenüber dem Aktienindex. Die Renditenachteile machen den Diversifikationsvorteil also zunichte“, so Stotz.
Ein besonders problematischer Aspekt ist allerdings die Spekulation mit Agrarrohstoffen. Wenn viele Investoren – etwa Banken oder Hedgefonds – massiv Futures auf Rohstoffe wie Weizen oder Öl kaufen, entsteht eine künstlich hohe Nachfrage nach diesen Verträgen. Diese zusätzliche Nachfrage treibt die Futures-Preise nach oben.
Spekulation treibt Preise: Kritik an künstlicher Verteuerung von Grundnahrungsmitteln
Das Besondere beim Handel mit Rohstoffen ist, dass die Futures-Preise sich direkt auf die echten Rohstoffpreise auswirken. In einem normalen Jahr könnte ein Weizen-Future etwa 200 Dollar pro Tonne kosten. Kaufen nun viele Spekulanten Futures und erwarten eine mögliche Dürre, dann steigt der Preis vielleicht auf 250 Dollar – obwohl die Ernte gut auszufallen scheint. Höhere Lebensmittelpreise treffen besonders hart Menschen in ärmeren Ländern, wo ein großer Teil des Einkommens für Essen draufgeht.
Union Investment sieht Rohstofffonds dennoch als sinnvolle Ergänzung. Die häufig wenig korrelierte Entwicklung zu den Entwicklungen an den Aktien- und Anleihemärkten biete Vorteile. Rohstoffe können zur Absicherung gegen eine steigende Inflation dienen und ermöglichen eine breite Risikostreuung des Anlagekapitals. Allerdings warnt das Unternehmen vor erhöhten Kursschwankungen und Verlustrisiken. Wer sein Portfolio diversifizieren möchte, sollte Rohstoffe als Beimischung von maximal fünf bis zehn Prozent betrachten. Eine breite Streuung über verschiedene Assetklassen – inklusive Tagesgeld, Anleihen und regionaler ETFs – bleibt entscheidend für einen langfristigen Erfolg. In Zeiten, in denen sowohl Kryptowährungen als auch Tech-lastige ETFs unter Druck stehen, können Rohstoffe eine stabilisierende Funktion erfüllen – allerdings nur für Anleger, die sich der Risiken bewusst sind. (ls)
Disclaimer: Die bereitgestellten Informationen stellen keine Anlageberatung, keine sonstige Empfehlung und kein Angebot zum Kauf von Wertpapieren oder zur Vornahme bestimmter Investitionen dar.