ETFs 2025

Schwacher Dollar: Müssen Sie Ihren ETF jetzt schützen?

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Ihr MSCI-World-ETF verliert trotz steigender Kurse? Erfahren Sie, wie Währungsabsicherung funktioniert und wann sie sich wirklich lohnt.
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Der MSCI World steigt und Ihr ETF ist trotzdem im Minus? Das kann an schwankenden Wechselkursen liegen. Gegen die können Sie sich absichern – mit einem Haken.

Am Ende der Tagesschau oder der Nachrichten im Radio begegnet er Ihnen relativ oft: Der Kurs des US-Dollars im Vergleich zum Euro. Vielleicht haben Sie dadurch sogar ein ganz gutes Gefühl, wie viel US-Dollar Sie momentan für einen Euro bekommen.

In der letzten Woche ist der Wert des US-Dollars im Vergleich zum Euro gesunken. Bedeutet: Sie bekommen für einen Euro mehr US-Dollar. Am 24. September haben Sie zum Beispiel für einen Euro 1,17 US-Dollar bekommen. Das wirkt sich auf Ihre Geldanlage aus.

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Wieso Wechselkursbewegungen Ihren ETF ins Minus drücken können

Denn im MSCI World stecken zu circa siebzig Prozent Aktien von US-Konzernen – und die werden in US-Dollar gehandelt. Sie investieren aber in Euro in einen Aktien-ETF, der auch in Euro berechnet wird.

Verliert der US-Dollar an Wert, kann es so sein, dass der MSCI World eigentlich steigt – Ihr in Euro gehandelter Aktien-ETF aber sinkt. Bewegungen des Wechselkurses können so kurzfristig Auswirkungen auf den Kurs Ihres ETFs haben.

„Hedging“ gegen den schwachen US-Dollar

Gegen dieses Risiko sichern Sie spezielle Aktien-ETFs ab. Sie sind währungsbesichert, also gegen eine Schwäche des US-Dollars abgesichert. Man nennt solche ETFs auch „hedged“, also abgesichert. Sie heißen zum Beispiel „MSCI World EUR Hedged ETF“.

Und auf die setzen derzeit offenbar viele Anlegerinnen und Anleger: Laut einer Analyse der Deutschen Bank gehen achtzig Prozent der ETF-Zuflüsse in US-Aktien in solche „hedged“ ETFs. Gegen sie sprechen aber zwei wichtige Argumente:

1. Der schwache US-Dollar kommt und geht

Seit der Amtseinführung von Donald Trump ist der US-Dollar schwächer geworden. Im Januar 2025 waren beide Währungen noch beinahe gleichauf.

Doch selbst wenn der US-Dollar in der nächsten Zeit weiter verliert, ist er bei weitem noch nicht auf einem historischen Tiefpunkt. So haben Sie beispielsweise im Oktober 2009 für einen Euro 1,50 US-Dollar bekommen. Von dieser Schwäche hat er sich über die Jahre dann wieder erholt.

Schwankungen zwischen Euro und US-Dollar sind ganz normal – und aktuell eher im normalen Bereich. Mitte 2021 war der US-Dollar etwa ähnlich viel wert wie heute – und damals hat das kaum jemanden beschäftigt.

Lassen Sie sich von solchen kurzfristigen Schwankungen also nicht verrückt machen, sie gleichen sich langfristig aus. Wie immer sollten Sie bei Ihrer Geldanlage nicht über Jahre, sondern über Jahrzehnte denken.

Mit einem abgesicherten ETF wetten Sie stattdessen – nämlich darauf, dass es langfristig mit dem US-Dollar bergab geht.

2. Abgesicherte ETFs kosten Sie Geld

Sie könnten natürlich auch sagen: Was soll’s, mit einem abgesicherten Aktien-ETF gehe ich eben auf Nummer sicher. Aber die Währungsabsicherung kostet Geld – und zwar mehr, als Sie wahrscheinlich denken. Hält die Schwäche des US-Dollars nämlich nicht an, lassen Sie durch die Kosten Rendite liegen.

Das zeigt eine Finanztip-Berechnung: Wir haben uns verschiedene Zeiträume angeschaut, bei denen der Euro/US-Dollar-Kurs zum Ein- und Ausstieg eines Investments gleich war. Das Hedging wäre also nicht nötig gewesen.

Konkret haben wir einen von uns empfohlenen unbesicherten iShares-ETF (IE00B4L5Y983) mit einem gehedgten iShares-ETF (IE00B441G979) verglichen.

1,6 Prozent pro Jahr weniger mit dem abgesicherten ETF

Ein Zeitraum unserer Analyse war etwa vom 29. April 2015 bis 11. August 2023. Denn an beiden Tagen stand der Wechselkurs von Euro zu US-Dollar bei etwa 1,1. Das Ergebnis: Der abgesicherte ETF auf den MSCI World hat in diesem Zeitraum 1,6 Prozent per annum weniger Rendite gemacht als der normale MSCI-World-ETF.

Hätten Sie in diesem Zeitraum 10.000 Euro angelegt, hätten Sie über die acht Jahre knapp 2.200 Euro weniger Gewinn gemacht.

Der genaue Renditeunterschied schwankt, wenn man sich verschiedene Zeiträume anschaut, liegt aber oft über ein Prozent. Vom 20. Juli 2012 bis 9. September 2021 war der besicherte ETF zum Beispiel ein Prozent per annum schlechter als der unbesicherte.

Sie hätten also deutlich weniger mit einem abgesicherten ETF herausgeholt, wenn Euro und US-Dollar normal schwanken.

Diese Kosten verringern die Rendite

Das liegt einmal an der höheren Gesamtkostenquote, der TER (Total Expense Ratio), solcher abgesicherter ETFs. Der normale ETF auf den MSCI World hat 0,2 Prozent per annum, beim abgesicherten Gegenstück sind es 0,55 Prozent per annum.

Dazu kommen Finanzierungskosten. Denn wie bei einem gehebelten ETF muss sich auch ein abgesicherter ETF vereinfacht gesagt Geld leihen, um sein Ziel zu erreichen.

Das kostet nicht immer gleich viel. Als einfache Faustregel können Sie sich merken: Je größer der Unterschied zwischen den Zinsen in den USA und der Eurozone ist, desto höher sind die Kosten für den ETF.

Unser Tipp: Halten Sie es einfach – und setzen Sie auf normale Wechselkurse

Wir raten Ihnen deshalb, in einen normalen Aktien-ETF auf einen weltweiten Index zu investieren. Ganz egal, ob darin nur Industrieländer stecken wie im MSCI World oder dem FTSE Developed, oder auch Schwellenländer wie im FTSE All World oder dem MSCI ACWI.

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Denn historisch betrachtet hat sich zum Beispiel der MSCI World in Euro beinahe identisch zum MSCI World in US-Dollar entwickelt.

So behalten Sie die Nerven bei Ihrer Geldanlage

Wenn es Ihnen trotzdem schwerfällt, bei schwankenden Wechselkursen, steigender Inflation oder Kurseinbrüchen ruhig zu bleiben und mit Ihrem ETF-Sparplan einfach weiterzumachen: In seinem neuen Buch „Finanzen ganz einfach“ verrät Ihnen Finanztip-Chefredakteur Saidi Sulilatu seine Strategien, mit denen Ihnen das gelingen kann. Sie können das Buch ab sofort vorbestellen und vielleicht auch an jemanden verschenken, der diese Tipps brauchen kann.

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Dieser Artikel liegt IPPEN.MEDIA im Zuge einer Kooperation mit Finanztip, Deutschlands führendem Geldratgeber, vor – das Original zu diesem Beitrag Schwacher Dollar: Musst Du Deinen ETF jetzt schützen? stammt aus dem wöchentlichen Finanztip Newsletter vom 26. September 2025.

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