Putins Landwirtschaft in der Krise

Russlands Wirtschaft in Not: Wichtige Branche verliert jedes Jahr 150.000 Arbeitskräfte

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Ein akuter Personalmangel bringt Russlands Landwirtschaft an ihre Grenzen. Fehlende Fachkräfte, hohe Kosten und Wetterextreme bedrohen die geplante Produktionssteigerung.

Frankfurt – Der russische Agrarsektor steht vor einer strukturellen Krise. Jedes Jahr verliert die Branche nach offiziellen Angaben rund 150.000 Arbeitskräfte – ein Trend, der die Produktionsziele der Regierung gefährdet. Landwirtschaftsministerin Oksana Lut warnte auf der Messe „Goldener Herbst 2025“ in Moskau vor den Folgen dieser Entwicklung.

Russische Wirtschaft mit Problemen: Schrumpfende Belegschaft bremst Wachstumsziele

„Wir brauchen jährlich etwa 160.000 neue Arbeitskräfte, um den Sektor zu erneuern“, sagte Lut. Derzeit arbeiten rund 6,4 Millionen Menschen in der Landwirtschaft, so The Moscow Times. Dennoch reichen diese Zahlen nicht aus, um die Verluste auszugleichen. Präsident Wladimir Putin hat die Branche angewiesen, die landwirtschaftliche Produktion bis 2030 um ein Viertel und die Exporte um die Hälfte im Vergleich zu 2021 zu steigern.

Diese Zielvorgaben treffen aber auf eine zunehmend angespannte Realität. Laut Schätzungen des russischen Wirtschaftsministeriums fehlen in der Landwirtschaft aktuell fast 200.000 Beschäftigte. Damit sei der Arbeitskräftemangel einer der zentralen Faktoren, die das Wachstum der Agrarindustrie bremsen, so Vizewirtschaftsminister Maxim Kolesnikow.

Sanktionen machen Russlands Agrarsektor das Leben schwer

Zudem sieht sich die russische Agrarbranche in diesem Jahr mit massiven finanziellen Hürden konfrontiert. Hohe Inflation, steigende Zinskosten und importrestriktive Maßnahmen haben viele Projekte zur Expansion oder Modernisierung praktisch unmöglich gemacht. So sank der Absatz von Landmaschinen im Inland um rund 30 Prozent, und die Herstellung von Traktoren und Mähdreschern wurde stark zurückgefahren, berichtet AgFunderNews.

Moderne Technik soll den Personalmangel in der russischen Landwirtschaft abfedern. (Archivbild)

Russland verliert Fachkräfte – besonders Beschäftigte mit technischem Fachwissen fehlen

Laut eines Berichts des russischen Parlaments aus dem Frühjahr arbeiten viele landwirtschaftliche Betriebe arbeiten mit 30 bis 50 Prozent weniger Personal als nötig. Besonders kritisch sei der Mangel an qualifizierten Fachkräften mit technischem Know-how. Zwischen 2017 und 2023 sank die Zahl der Beschäftigten im Agrarsektor von 4,46 auf 4,2 Millionen.

Neben der demografischen Entwicklung und einer Abwanderung junger Menschen in Städte spielt auch die geringe Attraktivität landwirtschaftlicher Arbeit eine Rolle. Niedrige Löhne, harte Arbeitsbedingungen und begrenzte Aufstiegsmöglichkeiten sorgen dafür, dass viele Beschäftigte den Sektor verlassen. Der ehemalige Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschow warnte Ende 2024 vor dramatischen Folgen: Setze sich der Trend fort, könne der Personalmangel zu einer „Katastrophe“ führen, die nicht nur die Produktion, sondern auch die Versorgungssicherheit des Landes gefährde.

Digitalisierung soll Probleme der russischen Wirtschaft lösen

Ministerin Lut setzt auf technologische Innovationen, um den Personalmangel zu lindern. Die Digitalisierung könne helfen, Routinearbeiten zu automatisieren und die vorhandenen Arbeitskräfte stärker in qualifizierte Tätigkeiten einzubinden. „Wir müssen die Menschen von manuellen Aufgaben entlasten und sie auf intellektuellere Arbeit vorbereiten“, sagte sie.

In vielen Regionen experimentieren Betriebe bereits mit automatisierten Erntemaschinen und digitalen Steuerungssystemen. Doch der technologische Fortschritt verläuft ungleichmäßig, da kleinere Höfe oft nicht über die finanziellen Mittel für moderne Ausrüstung verfügen.

Moskau muss handeln – Radikaler Vorschlag von Krim-Minister

Der Druck auf die Regierung wächst. Einzelne Regionalpolitiker fordern drastische Maßnahmen, um offene Stellen zu besetzen. Der Landwirtschaftsminister der annektierten Krim, Denis Kratyuk, schlug offenbar im Frühjahr 2025 vor, Universitätsabsolventen, die nicht in ihrem erlernten Beruf arbeiten, den Abschluss zu entziehen. Der Vorschlag stieß jedoch landesweit auf Kritik und wurde nicht umgesetzt.

Rubriklistenbild: © Nicolas Armer/dpa

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