VonKathrin Reikowskischließen
Aufgrund von Klimaschutz und Klimawandelanpassung brauchen Baugewerbe, Energieversorgung und Land- und Forstwirtschaft mehr Arbeitskräfte - dringend.
Nürnberg – Deutschland fehlen Arbeitskräfte, die die enormen Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, stemmen helfen: Bis 2030 fehlen rund 160.000 Arbeitskräfte, bis 2040 rund 102.000 und zusätzlich noch einmal 42.000 Menschen, die Klimawandelanpassungsmaßnahmen umsetzen können. Das zeigen Modellrechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Und: Das Problem, Fachkräfte zu finden, verstärkt sich trotz der anhaltend schwachen Konjunktur. Im Juli gaben 28,1 Prozent der befragten Firmen an, sie bekämen zu wenig qualifizierte Arbeitskräfte, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. Im April hatte der Anteil bei 27,2 Prozent gelegen. Auch die IHK schlägt Alarm und sieht 635.000 fehlende Arbeitskräfte bis 2035.
Arbeitskräfte fehlen für Anpassungen an Klimawandel und Gegenmaßnahmen
„Wir müssen die verfügbaren Arbeitskräfte rekrutieren und diese auch so aus- und weiterbilden, dass die Arbeitskräfte-Potenziale aus schrumpfenden Wirtschaftsbereichen bestmöglich genutzt werden“, so IAB-Forscher Christian Schneemann. Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften werde vom Klimawandel und seinen Folgen beeinflusst, es sei nicht nur allgemein mit einem Rückgang der Produktivität zu rechnen. Durch den Strukturwandel würden anderswo weniger Arbeitskräfte gebraucht - etwa im Handel aufgrund der Digitalisierung.
Um zu helfen, den weiteren globalen Temperaturanstieg zu bremsen, arbeitet Deutschland an einer Mobilitäts- und Energiewende. Das IAB geht davon aus, dass sich die Mobilität zugunsten von E-Autos verschiebt und Wind, Photovoltaik- und Wasserstoffausbau zunehmen, wenn auch langsam.
Klimakatastrophe: Volkswirtschaft wird Schaden von 140 Milliarden Euro bis 2040 nehmen
Außerdem gehen die Forscher von einem Schaden für die Volkswirtschaft durch die Folgen des Klimawandels von circa 140 Milliarden Euro bis zum Jahr 2040 ausgegangen. Noch mehr müsse in Bau und Ausrüstung, Klimaanlagen und Hochwasserschutz investiert werden - und in Bewässerungsanlagen beziehungsweise neue Deiche für die Land- und Forstwirtschaft. Dafür brauche es nicht nur Entwickler und Entwicklerinnen, sondern auch Fachkräfte, die neue Technologien produzieren, installieren und warten können.
Aktuell suchen Betriebe in der Elektrotechnik durchschnittlich 114 Tage nach einer neuen Arbeitskraft, was sich noch um zwei Tage steigern könnte. Danach folgen Energietechnik, Hochbau, Baustoffherstellung, Tiefbau, Klempnerei und Sanitärtechnik, was die Dauer der Suche nach neuen Arbeitnehmern angeht.
Forscher schlagen Alarm - IAB will mehrere Maßnahmen
Um massive Nachteile für die Wirtschaft auszugleichen, schlägt das IAB daher mehrere Maßnahmen vor:
- Förderung des MINT-Bereichs bei der Berufswahl (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik)
- Zuwanderung von Arbeitskräften und Verminderung der Abwanderung von Arbeitskräften
- leichtere Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen
- Verringerung von Bildungsabbrüchen
- Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren
Auch, was künftige Azubis angeht, hat Deutschland ein Problem, wie ein Bericht nahelegt. Der Arbeitsmarkt habe sich akademisiert – geeignete Bewerber fehlen in vielen Betrieben. (dpa/kat)
Rubriklistenbild: © IMAGO/Jochen Tack

