Luftverkehr in der Krise

Ryanair-Chef kritisiert Bundesregierung: Ende des „arroganten deutschen Weges“

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In einem Interview nimmt Michael O‘Leary kein Blatt vor dem Mund. Ein dringender Appell an Olaf Scholz und Ursula von der Leyen, aktiv zu werden, kommt von der Lufthansa.

Berlin - Bei der Erholung des Luftverkehrs nach der Corona-Pandemie hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) lag das Sitzplatzangebot auf deutschen Flughäfen im Jahr 2023 bei 79 Prozent des Vor-Corona-Niveaus. Andere europäische Länder liegen mit 96 Prozent des Angebots von 2019 deutlich darüber.

Ryanair-Chef wütet gegen Bundesregierung: Staatliche Standortkosten für Airlines steigen

Als Grund nennt der Lobbyverband die steigenden staatlichen Standortkosten in Deutschland, die deutlich über denen anderer europäischer Standorte lägen. Dazu zählen die Luftverkehrssteuer und die Luftsicherheitsgebühren. Eine nachhaltige Erholung des Luftverkehrs sei auch in diesem Jahr nicht zu erwarten.

Die hohen Kosten mindern die Attraktivität der deutschen Flughäfen für Billigairlines. Erst im Oktober hatten die Fluggesellschaften Ryanair, Eurowings und Condor angekündigt, aus diesem Grund ihr Angebot am Flughafen Hamburg bis zum Sommer 2025 zu reduzieren.

Ryanair-Chef wütet gegen Bundesregierung: „Euer arroganter deutscher Weg ist f***ing over!“

Der Ryanair-Chef hat jetzt in einem Interview mit der Welt am Sonntag mit der Bundesregierung abgerechnet: „Ich habe Ihren Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt getroffen und einen Plan vorgelegt: Sie senken die Steuern und Gebühren, wir verdoppeln das Flugangebot in Deutschland binnen sieben Jahren.“ Eine Antwort habe er nie bekommen, sagte Michael O‘Leary.

Ryanair-Chef O'Leary will wegen der hohen Standortkosten in Deutschland weitere Flugzeuge in profitablere Märkte verlegen. (Archivbild)

Die Ticketpreise seien hier schneller und höher gestiegen als in jedem anderen Markt. Wegen überhöhter Standortkosten entwickle sich Deutschland zu einem „Luftfahrtfriedhof“. O‘Leary kündigte deshalb an, weitere Flugzeuge aus Deutschland in profitablere Märkte verlagern zu wollen.

„Was wir brauchen, ist eine neue Regierung, die sich dem Wachstum verschreibt. Euer arroganter deutscher Weg ist f***ing over!“, macht O‘Leary seinem Ärger Luft. Der Ryanair-Chef ist für seine derben Sprüche bekannt. Erst Ende November nannte er die Reste der Ampel-Koalition eine „Regierung voller Idioten“.

Brandbrief der Lufthansa an Olaf Scholz und Ursula von der Leyen: Europäischer Luftverkehr verliert an Wettbewerbsfähigkeit

Auch die Lufthansa hat in einem Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf die angespannte Lage im europäischen Luftverkehr hingewiesen. „Arbeitsplätze und Wertschöpfung werden in Gefahr geraten und drohen in Länder mit deutlich niedrigeren Umwelt- und Sozialstandards verlagert zu werden“. Der europäische Luftverkehr verliere „dramatisch an Wettbewerbsfähigkeit“, zitiert die Bild-Zeitung aus dem Schreiben.

Wahr oder falsch? Die zehn größten Mythen rund ums Fliegen

Tomatensaft in Plastikbecher im Flugzeug
Mythos 1: Tomatensaft schmeckt im Flugzeug besser. Aufklärung: Tatsächlich haben Forscher am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Holzkirchen nachgewiesen, dass Tomatensaft im Flugzeug anders schmeckt. Aufgrund des Luftdrucks und der niedrigen Luftfeuchtigkeit kommt demzufolge das fruchtige Aroma und die Süße des Tomatensafts besser hervor. © Depositphotos/Imago
Toilettensymbol im Flugzeug
Mythos 2: Flugzeugklos werden in der Luft entleert. Aufklärung: Die Vorstellung, am Boden unbedarft seinen Erledigungen nachzugehen und plötzlich vom Inhalt einer Flugzeugtoilette getroffen zu werden, scheint viele Menschen zu beschäftigen. So sehr zumindest, dass der Mythos besteht, Flugzeuge würden ihre Klos über den Wolken entleeren. Das ist jedoch völliger Humbug. Die Fäkalien kommen an Bord in einen geschlossenen Behälter und werden nach der Landung entsorgt. © Pond5 Images/Imago
Frau tippt im Flugzeug auf Handy
Mythos 3: Handys sind für den Flugverkehr gefährlich. Aufklärung: Vor jedem Abflug werden Passagiere per Durchsage aufgefordert, ihre elektronischen Geräte auszuschalten oder den Flugmodus zu aktivieren. Das liegt aber nicht daran, dass Smartphones und Co. für Störungen der Bordelektronik sorgen – dazu ist die Technik mittlerweile viel zu ausgereift. Viel eher ist es möglich, dass die Geräte für leichte Störsignale auf den Kopfhörern der Piloten sorgen. Würde aber ein wirkliches Sicherheitsproblem von Handys ausgehen, würden die Geräte vor jedem Flug eingesammelt werden, wie der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg einst gegenüber dem Nachrichtenportal Welt erklärte. Für einen Absturz kann die Nutzung eines Smartphones an Bord nicht sorgen. © Maria Maar/Imago
Pilot und Co-Pilot im Cockpit
Mythos 4: Pilot und Co-Pilot dürfen an Bord nicht dasselbe essen. Aufklärung: In der Tat dürfen Pilot und Co-Pilot während eines Fluges nicht dieselbe Mahlzeit zu sich nehmen. Sollte nämlich ein Gericht verdorben sein, wäre noch einer übrig, um das Flugzeug zu steuern. „Keine andere Krankheit kann eine ganze Crew so schnell lahmlegen, wie eine Lebensmittelvergiftung”, bestätigte vor einiger Zeit ein Linienpilot laut dem Branchenportal Aerotelegraph. Daher dürften Piloten auch während des Aufenthalts am Reiseziel nicht dasselbe Gericht essen. © Panthermedia/Imago
Ein Glas mit Rotwein im Flugzeug
Mythos 5: Im Flugzeug wird man schneller betrunken. Aufklärung: Fehlanzeige. Der Höhenunterschied hat keinen Einfluss auf den Blutalkoholspiegel, welcher maßgeblich für den Rausch ist. Lediglich der etwas niedrigere Sauerstoffgehalt im Flugzeug könnte dafür sorgen, dass Passagiere sich schneller beschwipst fühlen. © Depositphotos/Imago
Flugzeug startet auf dem Konrad Adenauer Flughafen Köln-Bonn bei düsterem und wolkigem Himmel.
Mythos 6: Blitzeinschläge in das Flugzeug sind gefährlich. Aufklärung: Es ist gar nicht mal so selten, dass ein Flugzeug vom Blitz getroffen wird – im Schnitt circa einmal im Jahr, wie Luftfahrtexperte Cord Schellenberg im NDR Fernsehen berichtete. Dass die Maschine dadurch abstürzt, ist aber “äußerst selten und unwahrscheinlich”, erklärt das Luftfahrtbundesamt (LBA) laut dem Online-Portal Reisereporter. Flugzeuge sind nämlich dank ihrer Umhüllung sogenannte Faradaysche Käfige – genauso wie Autos. Der Blitz kann somit nicht ins Flugzeug eindringen und dort Schaden anrichten. Es kann jedoch passieren, dass die Systeme so beschädigt werden, dass ein Weiterflug nicht mehr möglich ist. Dann muss die Maschine umkehren oder zwischenlanden. In der Regel sind Piloten aber vor Unwettern gewarnt und umfliegen diese. © Eibner/Imago
Flugzeugtriebwerk
Mythos 7: Das Flugzeug stürzt ab, wenn ein Triebwerk ausfällt. Aufklärung: Diese Vorstellung ist wahrlich beängstigend: Eines der beiden Triebwerke erleidet nach dem Start einen Schaden – zum Beispiel durch Vogelschlag – und fällt plötzlich aus. Bedeutet das, dass es jetzt zum Flugzeugabsturz kommt? Die beruhigende Nachricht: Nein. Eine Maschine kann auch nur mit einem Triebwerk ohne Probleme fliegen. Das bestätigte Prof. Andreas Strohmayer vom Institut für Flugzeugbau der Universität Stuttgart vor einiger Zeit laut Travelbook: „Der Ausfall eines Triebwerks ist mehr oder weniger harmlos.” Moderne Triebwerke sind nämlich so leistungsfähig, dass das verbliebene Triebwerk genug Schubkraft für die gesamte Maschine liefert, wie auch ein Linienpilot laut Aerotelegraph informiert.  © Panthermedia/Imago
Mann hält Hand einer ängstlichen Frau im Flugzeug.
Mythos 8: Turbulenzen können für einen Flugzeugabsturz sorgen. Aufklärung: Bei Turbulenzen werden Passagiere schon mal ziemlich durchgerüttelt, die Luftverwirbelungen sind aber in der Regel nicht gefährlich für die Maschine. „Moderne Flugzeuge können weitaus stärkeren Kräften widerstehen, als durch Turbulenzen entstehen können“, informiert ein Sprecher des Luftfahrtbundesamtes (LBA) laut dem Online-Portal Reisereporter. Gefährlich wird es für Fluggäste nur dann, wenn sie nicht angeschnallt sind. In diesem Fall können sie im Flugzeug herumgeschleudert werden und sich verletzen. Auch Gegenstände, die nicht gut verstaut sind, können ein Risiko darstellen. © Pond5 Images/Imago
Gepäckfächer im Flugzeug mit Nummerierung der Reihen – ohne Reihe 13
Mythos 9: Es gibt keine Sitzreihe 13 in vielen Flugzeugen. Aufklärung: Tatsächlich fehlt in manchen Flugzeugen die Sitzreihe mit der Nummer 13. Das bestätigte zum Beispiel vor Jahren ein Pressesprecher der Lufthansa gegenüber dem Nachrichtenportal Südkurier in Bezug auf die deutsche Airline. Grund sei der Aberglaube einiger Kunden. „Wir wollen unsere Gäste einfach nicht weiter stressen, was das angeht”, heißt es. Aus diesem Grund fehle bei den Flugzeugen auch die Reihe 17, weil diese Zahl in Italien und Brasilien mit Unglück in Verbindung gebracht wird. © blickwinkel/Imago
Flugzeug mit Fenstern und Notfallausgängen von außen
Mythos 10: Die Flugzeugtür kann während des Fluges geöffnet werden. Aufklärung: Manchmal ist von Vorfällen zu hören, bei denen Passagiere versucht haben, die Flugzeugtür während des Fluges zu öffnen. Darüber müssen sich Reisende jedoch keine Sorgen machen, wie der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt vor einiger Zeit laut dem Online-Portal Travelbook erklärte. Grund sei das extreme Druckgefälle innerhalb und außerhalb der Kabine. „Durch den heftigen Überdruck wird die Tür mit tonnenschwerer Kraft in ihre Öffnung gepresst – die kann ein Mensch nicht einfach öffnen.” © Depositphotos/Imago

Der Brief kommt vom Aufsichtsrat der Lufthansa, der klare Forderungen an die Politik stellt. Dazu gehören Bürokratieabbau, eine Überarbeitung der Klimapolitik, die Aussetzung des Luftverkehrsabkommens zwischen der EU und Katar und eine Antwort auf die Folgen der Luftraumsperrungen im Zuge des russischen Angriffskrieges. Seit fast drei Jahren dürfen EU-Fluggesellschaften den russischen Luftraum nicht mehr nutzen, was insbesondere für Langstreckenflüge nach China, Japan und Südkorea ein Problem darstellt.

Brandbrief der Lufthansa an Olaf Scholz und Ursula von der Leyen: Der Kranich-Konzern steckt in einer Krise

Ein fairer Wettbewerbsrahmen und die Interessen unserer Volkswirtschaften müssten einen neuen Stellenwert in der europäischen und nationalen Politik bekommen, auch und gerade im Luftverkehr, heißt es weiter.

Wie VW steckt auch die Lufthansa in einer schweren Krise. Für die Kernmarke mit dem Kranich am Heck hat der Konzern bereits im Sommer ein umfassendes Sparprogramm angekündigt und im Herbst konkretisiert. Während die anderen Konzerntöchter wie Swiss, Austrian, Eurowings, Brussels oder auch Lufthansa Technik weitgehend im Plan liegen, laufen bei der Kernmarke Lufthansa Kosten und Erlöse auseinander. Im laufenden Jahr wird sie voraussichtlich keinen operativen Gewinn einfliegen, eine schwarze Null ist das Ziel. Das Sparprogramm soll das operative Ergebnis bis 2028 um 2,5 Milliarden Euro verbessern.

Brandbrief der Lufthansa an Olaf Scholz und Ursula von der Leyen: Kosten für Airlines steigen

Für Deutschland geht es bei Klagen der Fluggesellschaften vor allem um die zum 1. Mai um 25 Prozent erhöhte Luftverkehrssteuer (je nach Entfernung 15,53 bis 70,83 Euro), die Flugsicherungsgebühren und die Luftsicherheitsgebühr, die für die Kontrolle der Passagiere und ihres Handgepäcks am Flughafen erhoben wird. Hier soll die mögliche Obergrenze von derzeit zehn Euro pro Passagier im kommenden Jahr auf 15 Euro steigen.

Bezogen auf die EU sind es die Start- und Landeentgelte der Flughäfen sowie neue Umweltauflagen der Europäischen Union. Sie fordert neben dem bereits bestehenden Emissionshandel ab dem kommenden Jahr eine steigende Beimischung von nachhaltig produziertem Kerosin (SAF), beginnend mit einem Anteil von zwei Prozent. Biogenes Kerosin wird unter anderem aus Speiseölresten hergestellt und ist etwa viermal so teuer wie herkömmliches Kerosin. Ab 2030 muss auch Treibstoff enthalten sein, der ausschließlich aus Ökostrom synthetisch hergestellt wird.

Der  stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion, Ulrich Lange, sagte gegenüber IPPEN.MEDIA: „Die Ex-Ampel und die verbliebene Reste-Regierung haben unseren Luftverkehrsstandort in eine tiefe Krise gestürzt. Noch nie zuvor waren die Standortkosten so hoch wie jetzt. Die jüngste Erhöhung der Luftverkehrsteuer im Mai hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Viele Airlines kehren Deutschland inzwischen den Rücken. Wir können es uns aber nicht leisten, diese wichtige Branche zu zerstören, denn sie sichert uns Wachstum und Arbeitsplätze. Die ideologische Brille hat der Ex-Ampel und Rot-Grün offenbar den Blick vernebelt. Sollten wir bald regieren, werden wir das Ruder herumreißen.“

Rubriklistenbild: © Cecilia Fabiano/LaPresse via ZUMA Press/dpa

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