Showdown um Grönland: Donald Trump trifft in Davos ein: „Wird kein freundlicher Auftritt“
VonLisa Gilz
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Beim Weltwirtschaftsforum in Davos soll der Präsident heute eine Rede zum Thema „Kooperation“ halten – parallel dazu droht er der EU mit Zöllen, bis Grönland verkauft wird. Eine Analyse.
Der sich anbahnende Handelskonflikt zwischen den USA und der EU könnte heute auf prominenter Bühne ausgefochten werden, wenn im Schweizer Alpenort Davos das Weltwirtschaftsforum stattfindet. Zu den 2500 Besuchern gehören zwei- bis dreihundert Staats- und Regierungschefs. Darunter EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeskanzler Friedrich Merz und eben auch US-Präsident Donald Trump. Am Mittwochnachmittag soll der Präsident eine Rede zum Thema „Kooperation in einer umkämpften Welt“ halten. Auf Kooperation habe es der Präsident es allerdings nicht abgesehen, schätzen Experten.
Am Mittwoch soll Trump eine Rede zum Thema „Kooperation in einer umkämpften Welt“ in Davos halten. Er dürfte vor allem nochmal den Anspruch der USA auf Grönland laut machen.
Alles unter Dach und Fach, das dürften im vergangenen Juli die meisten europäischen Länder und insbesondere dort ansässige Unternehmen gedacht haben, als sich die USA und die EU im Zollstreit einigen konnten. Nun hat Trump Zölle in Höhe von zehn Prozent auf fast alle Waren ab dem 1. Februar angedroht, die ab Juni dann nocheinmal auf 25 Prozent erhöht werden könnten. Seit Wochen macht der US-Präsident klar, dass die USA die Insel Grönland, die zu Dänemark gehört, annektieren wollen. Notfalls mit Gewalt – im ersten Schritt will Trump die Insel aber schlicht kaufen. Widerspruch gab es aus Europa – und mithilfe der Zölle will Trump nun den Druck erhöhen. Diese Zölle sollen so lange gelten, bis Grönland vollständig an die USA verkauft wird.
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Am Mittwoch könnte der Präsident beim Weltwirtschaftsforum in Davos auf einige europäische Vertreter treffen: „Ich gehe davon aus, dass er in Davos seine Position zu Grönland nochmal verstärken wird“, schätzt Bernd Lange, EU-Parlamentsabgeordneter (SPD) und Vorsitzender des Handelsausschusses. „Dementsprechend wird das wohl kein freundlicher Auftritt.“ Lange hofft dennoch auf diplomatische Gespräche während des Treffens.
„Parallel diskutieren wir im Hintergrund natürlich Gegenmaßnahmen, die wir so weit vorbereiten, dass wir in der Woche im Rat darüber entscheiden können“, sagt der Parlamentsabgeordnete. Während Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil mit „Wir lassen uns nicht erpressen“, auf Trumps Drohung reagierten, schlug Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor, die „Handels-Bazooka“ der EU zu aktivieren. Damit bezieht sich Macron auf das Anti-Coercion Instrument (ACI), eine EU-Verordnung zum Schutz vor wirtschaftlicher Nötigung durch Drittländer.
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„Die EU darf diese Eskalation nicht mehr auf sich sitzen lassen! Wenn Trump auf diese Art und Weise den Zusammenhalt der NATO gefährdet, ist zu hoffen, dass er endlich auch von innen mehr Gegenwind bekommt“, sagt Jürgen Matthes, Abteilungsleiter für Internationale Wirtschaftspolitik am Institut der Deutschen Wirtschaft. Es sei jetzt an der Zeit, Gegenmaßnahmen einzuleiten und „das 93-Milliarden-Euro-Maßnahmenpaket aus der Schublade zu holen“, in die es im vergangenen Sommer gelegt wurde, nachdem man sich doch im Zollstreit geeinigt hatte, sagt der Experte im Gespräch mit dieser Redaktion. „Wenn es zu einem handfesten und eskalierenden Zollkonflikt mit der EU kommt, dürften auch viele Investoren wieder unruhig werden. Letztlich ist der Finanzmarkt wohl die einzige Institution, die Trump mit diesem Wahnsinn bremsen kann.“
Natürlich bleibe die offene Flanke die Sicherheitspolitik: „Die Hoffnung ist, dass Trump am Ende einsieht, dass er seine wesentlichen Ziele, also den Schutz von Grönland gegen Russland und China sowie die Erschließung von Mineralien, auch durch eine Zusammenarbeit erreichen kann, die auf dem Tisch liegt.“ So viele Befugnisse, wie die USA bereits für Grönland habe, sei es aktuell überhaupt nicht nachvollziehbar, dass Trump den NATO-Bruch jetzt riskiere. „Aber natürlich kann niemand in seinen Kopf reinschauen“, sagt Matthes. (Quellen: Eigene Recherche, WEF, Gespräch Bernd Lange, Gespräch Jürgen Matthes)