Neubeginn nach der Flut

230 Mitarbeiter können aufatmen – ZF Friedrichshafen hält Versprechen an deutschem Standort

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Obwohl die ZF Friedrichshafen auf einem harten Sparkurs ist und bis zu 14.000 Stellen streichen will, hält sie an einem Standort ein Versprechen ein.

Friedrichshafen - Beim Technologiekonzern ZF Friedrichshafen ist aktuell einiges im Umbruch. Nachdem die Schließung des Standortes Gelsenkirchen zum Jahresende bereits bestätigt ist, stehen im Rahmen einer Neustrukturierung die anderen deutschen Werke auf dem Prüfstand, und der Konzern hat im Frühjahr den Abbau von bis zu 14.000 Arbeitsplätzen bis 2028 angekündigt. An einem Standort hält das Unternehmen vom Bodensee jedoch sein Versprechen ein und hat am 28. Oktober inmitten der großangelegten Neustrukturierung mit dem Bau eines neuen Werkes begonnen.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Bei der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal (Rheinland-Pfalz) wurde im Jahr 2021 auch das ZF-Werk in Bad Neuenahr-Ahrweiler stark beschädigt und die Produktion kam temporär zum Erliegen. Im September 2022 hatte der schwäbische Großkonzern den Bau eines neuen Werkes im nahen Niederzissen angekündigt, womit die Arbeitsplätze in der Region bewahrt werden sollten. Im Juli 2023 erklärte die ZF Friedrichshafen dann, dass der für 2024 angekündigte Baubeginn verschoben werden müsse, worauf die Gewerkschaft IG Metall eine vollständige Schließung der Produktion befürchtete.

ZF Friedrichshafen löst Versprechen für neues Werk im Rheinland-Pfalz ein

Inmitten der aktuell mehr als angespannten Lage des inzwischen zweitgrößten deutschen Autozulieferers – ZF-Chef Holger Klein hatte jüngst den Stellenabbau an einem Standort bestätigt – meldet das Stiftungsunternehmen in einer Pressemitteilung den Spatenstich für das neue Werk in Niederzissen im Landkreis Ahrweiler. „Wir haben damals versprochen, die Arbeitsplätze in Rheinland-Pfalz zu erhalten“, erklärt Vorstandsmitglied Peter Holdmann. „Dieses Versprechen lösen wir mit dem Neubau in Niederzissen ein.“ Am neuen Standort könne der Konzern den Mitarbeitern eine vielversprechende Zukunft bieten und zudem die Kunden in der Region weiterhin beliefern.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr 1915
Hauptsitz Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Geschäftsbereiche Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl 168.738 (Stand: 2023)
Produktionsstandorte 168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte 19 in neun Ländern
Umsatz 46,6 Milliarden Euro (2023)
Geschäftsführung Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Bis zum Spatenstich in Niederzissen am 28. Oktober war es für die Arbeitnehmervertreter allerdings ein großes Stück Arbeit. Die Produktion in dem durch die Flut zerstörten Werk konnte mithilfe von ZF-Mitarbeitern anderer Standorte weitergeführt werden, die IG Metall erklärte im Juli 2023, dass die Aussicht auf einen baldigen Umzug die Mitarbeiter die „immer noch vorhandenen Unzulänglichkeiten“ hatte ertragen lassen. Umso kritischer reagierte die Gewerkschaft auf die angekündigte Verschiebung des Umzugs, der auch laut der aktuellen Pressemitteilung der ZF Friedrichshafen erst für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen ist.

Spatenstich für neues ZF-Werk ist „Meilenstein für wirtschaftlichen Wiederaufbau des Ahrtals“

Dennoch ist der Spatenstich in Niederzissen besonders in der aktuellen Wirtschaftslage für die Region und die verbleibenden 230 Mitarbeiter des ZF-Werks eine gute Nachricht. „Der Spatenstich für das neue Werk von ZF in Niederzissen ist ein weiterer wichtiger Meilenstein für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Ahrtals“, wird Andy Becht, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz, in der Mitteilung zitiert. „Die Landesregierung hat sich für den Wiederaufbau des Werks starkgemacht und wir sind froh, dass das Unternehmen dem Ahrtal auch weiterhin sein Vertrauen schenkt.“

Mit dem Spatenstich für das neue Werk in Niederzissen löst die ZF inmitten der aktuellen Krise ein Versprechen ein.

Das neue ZF-Werk im Kreis Ahrweiler, in dem in Zukunft Komponenten für die Dämpfertechnologie hergestellt werden sollen, entsteht auf einer Fläche von 13.000 Quadratmetern. Projektleiter für den Bau ist die Firma Panattoni, die aktuell in Bischweier (Kreis Rastatt) ein neues Logistikzentrum für Mercedes-Benz realisiert, das im zweiten Quartal 2025 in Betrieb gehen soll.

Rubriklistenbild: © ZF Friedrichshafen AG

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