VonJulian Baumannschließen
Obwohl die ZF Friedrichshafen auf einem harten Sparkurs ist und bis zu 14.000 Stellen streichen will, hält sie an einem Standort ein Versprechen ein.
Friedrichshafen - Beim Technologiekonzern ZF Friedrichshafen ist aktuell einiges im Umbruch. Nachdem die Schließung des Standortes Gelsenkirchen zum Jahresende bereits bestätigt ist, stehen im Rahmen einer Neustrukturierung die anderen deutschen Werke auf dem Prüfstand, und der Konzern hat im Frühjahr den Abbau von bis zu 14.000 Arbeitsplätzen bis 2028 angekündigt. An einem Standort hält das Unternehmen vom Bodensee jedoch sein Versprechen ein und hat am 28. Oktober inmitten der großangelegten Neustrukturierung mit dem Bau eines neuen Werkes begonnen.
Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg




Bei der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal (Rheinland-Pfalz) wurde im Jahr 2021 auch das ZF-Werk in Bad Neuenahr-Ahrweiler stark beschädigt und die Produktion kam temporär zum Erliegen. Im September 2022 hatte der schwäbische Großkonzern den Bau eines neuen Werkes im nahen Niederzissen angekündigt, womit die Arbeitsplätze in der Region bewahrt werden sollten. Im Juli 2023 erklärte die ZF Friedrichshafen dann, dass der für 2024 angekündigte Baubeginn verschoben werden müsse, worauf die Gewerkschaft IG Metall eine vollständige Schließung der Produktion befürchtete.
ZF Friedrichshafen löst Versprechen für neues Werk im Rheinland-Pfalz ein
Inmitten der aktuell mehr als angespannten Lage des inzwischen zweitgrößten deutschen Autozulieferers – ZF-Chef Holger Klein hatte jüngst den Stellenabbau an einem Standort bestätigt – meldet das Stiftungsunternehmen in einer Pressemitteilung den Spatenstich für das neue Werk in Niederzissen im Landkreis Ahrweiler. „Wir haben damals versprochen, die Arbeitsplätze in Rheinland-Pfalz zu erhalten“, erklärt Vorstandsmitglied Peter Holdmann. „Dieses Versprechen lösen wir mit dem Neubau in Niederzissen ein.“ Am neuen Standort könne der Konzern den Mitarbeitern eine vielversprechende Zukunft bieten und zudem die Kunden in der Region weiterhin beliefern.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 168.738 (Stand: 2023) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 46,6 Milliarden Euro (2023) |
| Geschäftsführung | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Bis zum Spatenstich in Niederzissen am 28. Oktober war es für die Arbeitnehmervertreter allerdings ein großes Stück Arbeit. Die Produktion in dem durch die Flut zerstörten Werk konnte mithilfe von ZF-Mitarbeitern anderer Standorte weitergeführt werden, die IG Metall erklärte im Juli 2023, dass die Aussicht auf einen baldigen Umzug die Mitarbeiter die „immer noch vorhandenen Unzulänglichkeiten“ hatte ertragen lassen. Umso kritischer reagierte die Gewerkschaft auf die angekündigte Verschiebung des Umzugs, der auch laut der aktuellen Pressemitteilung der ZF Friedrichshafen erst für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen ist.
Spatenstich für neues ZF-Werk ist „Meilenstein für wirtschaftlichen Wiederaufbau des Ahrtals“
Dennoch ist der Spatenstich in Niederzissen besonders in der aktuellen Wirtschaftslage für die Region und die verbleibenden 230 Mitarbeiter des ZF-Werks eine gute Nachricht. „Der Spatenstich für das neue Werk von ZF in Niederzissen ist ein weiterer wichtiger Meilenstein für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Ahrtals“, wird Andy Becht, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz, in der Mitteilung zitiert. „Die Landesregierung hat sich für den Wiederaufbau des Werks starkgemacht und wir sind froh, dass das Unternehmen dem Ahrtal auch weiterhin sein Vertrauen schenkt.“
Das neue ZF-Werk im Kreis Ahrweiler, in dem in Zukunft Komponenten für die Dämpfertechnologie hergestellt werden sollen, entsteht auf einer Fläche von 13.000 Quadratmetern. Projektleiter für den Bau ist die Firma Panattoni, die aktuell in Bischweier (Kreis Rastatt) ein neues Logistikzentrum für Mercedes-Benz realisiert, das im zweiten Quartal 2025 in Betrieb gehen soll.
Rubriklistenbild: © ZF Friedrichshafen AG

