VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Drohnen haben Russlands Öl-Exporte dezimiert. Nun erreichen sie einen neuen Tiefpunkt. Seit 2022 hat der Kreml nicht mehr so wenig Öl exportiert.
Moskau – Russlands Wirtschaft steht weiter vor gravierenden Problemen: Seitdem die Ukraine unter Wolodymyr Selenskyj sich darauf verlegt hat, mit Drohnen wichtige Öl- und Gasinfrastruktur anzugreifen, kommt es zunehmend zu Engpässen in der Versorgung. Lange Warteschlangen vor Tankstellen und Rationierung sind dabei noch eines der kleineren Übel; gleichzeitig brechen zunehmend die Profite im Ölsektor weg. Einer der wichtigsten Kreml-Handelspartner könnte dem Land den Rücken kehren. Und als wäre das nicht genug, fordern die andauernden ukrainischen Angriffe auf Russlands Infrastruktur jetzt auch auf der Exportseite ihren Tribut.
Ukraine greift Russlands Infrastruktur mit Drohnen an – Öl-Exporte brechen ein
Die Treibstoff-Exporte des Kremls sollen auf den niedrigsten Stand seit der Invasion der Ukraine gefallen sein, berichtete Bloomberg am Mittwoch (15. Oktober). Über die ersten zehn Oktobertage fielen die täglichen Exporte im Schnitt auf 1,88 Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter). Dabei berief sich Bloomberg auf Daten der Analysefirma Vortexa.
Darüber hinaus soll Russlands Raffinerie-Output weiter niedrig sein – unter fünf Millionen Barrel pro Tag – was ebenfalls ein historisches Tief seit 2022 bedeute. Der Auslöser für all das ist eine anhaltende Barrage ukrainischer Kampfdrohnen auf russische Infrastruktur, darunter etwa Eisenbahn-Knotenpunkte oder eben Raffinerien. Mehrere der größten russischen Raffinerien mussten bereits ihre Produktion kürzen oder gar ganz einstellen, wenn auch zeitweise.
Ein weiteres Problem sind jährliche Reparaturarbeiten, die ausgerechnet jetzt stattfinden. Der Kreml hat auf die Engpässe bereits reagiert und Benzin-Exporte verboten, in der Hoffnung, dass dies den Druck auf die heimischen Tankstellen mindert. Die russische Exilzeitung Moscow Times berichtete außerdem von einem Angriff auf den russischen Hafen in Ust-Luga, der 60 Prozent der russischen Naphtha-Exporte verantwortet – dieser habe dafür gesorgt, dass die Naphtha-Lieferungen im Oktober um 43 Prozent sanken, verglichen mit August. Auch hier steht ein Rekord-Tief seit 2022 auf dem Papier.
Große Probleme für Putins Öl-Sektor – Rationierung soll Russlands Wirtschaft stützen
Die ukrainische Drohnen-Strategie erregt seit Wochen Aufsehen. In immer größeren Regionen Russlands ist es zu Engpässen bei der Ölversorgung gekommen; auf der von Russland besetzten Krim musste die vom Kreml eingesetzte Regierung gar eine Rationierung einführen. Überall in Russland selbst haben bereits Tankstellen den Dienst quittiert und wollen die Krise aussitzen, anstatt ihren Treibstoff im Minus zu verkaufen.
Im Kreml liegt bereits der Vorschlag eines Preisdeckels für Treibstoff an den Tankstellen vor. Eingereicht hatte ihn die Russian National Automobile Union, ein großer Kraftfahrtverband. Ein Index, gebunden an die Durchschnittspreise von 2024, soll verhindern, dass die Preise wegen der Mangellage ausufern. „Wir halten es für angemessen, einen Preisdeckel an Tankstellen einzuführen – einen speziellen Kontrollmechanismus“, zitierte Kyiv Independent dazu Anton Schaparin, den Chef des Verbands.
Abhängig von Öl-Exporten – ohne sie ist Russland verletzlich
Für Russland ist dieser Engpass im Rohstoffsektor ein gewaltiges Problem. Der Kreml ist in einem erheblichen Maße von den Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas angewiesen – der Energiesektor ist quasi der Antrieb von Russlands Wirtschaft. Genau aus diesem Grund haben sich die westlichen Länder nach Beginn des Ukraine-Kriegs früh darauf verständigt, diese Branche per Sanktionen angreifen zu wollen. Der Grundgedanke dahinter: Wer Russlands Energiesektor behindern kann, der raubt dem Kreml wichtige Finanzmittel.
Die ukrainischen Drohnen sollen jetzt dafür gesorgt haben, dass der ganze Sektor bis zum Sommer 2026 nicht mehr richtig funktioniert. Bis „mindestens“ Mitte 2026 sollen die russischen Raffineriekapazitäten eingeschränkt sein, berichtete die Internationale Energieagentur (IEA) in einem aktuellen Bericht zum Ölmarkt.
Seit August hat die Ukraine mindestens 28 größere Angriffe gegen wichtige Raffinerien in Russland gestartet. Ein Ende der Kampagne ist noch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Sowohl die Ukraine als auch die USA unter Präsident Donald Trump bringen immer wieder die sogenannten Tomahawk-Raketen ins Spiel, die noch mehr Schaden an Russlands Energiesektor verursachen könnten.
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