Aktienindizes schreiben Verluste

US-Shutdown sorgt für miese Stimmung an den Börsen – darauf setzen nun die Anleger

  • schließen

Wegen des Shutdowns stehen in den USA die Regierungsgeschäfte still. Die Börsen strafen Donald Trumps Republikaner ab – ein Anlagewert profitiert dagegen besonders.

Washington/New York – Der Aktienmarkt in den USA erlebt eigentlich einen goldenen Herbst. Seit der Zoll-Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump Anfang April hat sich der S&P-500 vom damaligen Tief um mehr als dreißig Prozent erholt. Und auch der Technologieindex Nasdaq blühte zuletzt auf – dank der Siegeszüge der Tech-Firmen um Nvidia, Apple und Co., die mit dem KI-Versprechen Anleger anziehen. Doch der Lauf scheint nun erstmal vorbei zu sein: Die US-Börsen reagierten auf den in der Nacht zum Mittwoch (1. Oktober) eingetretenen Regierungs-Shutdown in den USA.

US-Shutdown drückt auf die Stimmung: Gold auf Rekord, US-Dollar schwächelt – und Indizes geben nach

S&P-500 und Nasdaq fielen jeweils um 0,4 und 0,5 Prozent und gleichzeitig gab auch der US-Dollar nach. Auch die Dow-Jones-Futures fielen um 0,4 Prozent. Dabei waren die Indizes am Vortag noch weitgehend stabil geblieben und hatten teilweise sogar mit einem Rekordhoch geschlossen. Damit knüpften sie nahtlos an das ohnehin starke dritte Quartal an – obwohl ein Shutdown bereits zu diesem Zeitpunkt aufgrund des zerrütteten Verhältnisses zwischen Donald Trumps Republikanern und den Demokraten bereits als sehr wahrscheinlich galt.

Donald Trump riskiert den Shutdown und versetzt damit die US-Bösen in Alarmbereitschaft.

Parallel dazu setzte eine typische Flucht in sichere (Anleger-)Häfen ein: Gold markierte mit 3.875 US-US-Dollar je Unze ein Rekordhoch, begünstigt von einem schwächeren US- Dollar und der Erwartung früherer Fed-Zinssenkungen. Der US-Dollar-Index fiel den vierten Tag in Folge auf 97,62, während der Yen zulegte: Ein US-Dollar kostet somit rund 147,53 Yen, was ebenfalls als eine typische Reaktion gilt. Der schwächere US-Dollar stützte den Anstieg bei Edelmetallen. Silber zog ebenfalls mit. Zugleich erhöht die drohende Datenlücke die Unsicherheit über den weiteren Zinskurs.

Datenlücke statt Orientierung: Bericht zu Arbeitsmarktdaten wackelt – das erhöht Zins-Unsicherheit

Die Datenlücke entsteht, weil die offiziellen Statistikbehörden der Regierung wie BLS, BEA und Census während des Shutdowns Berichte verschieben oder aussetzen müssen. Betroffen davon sind voraussichtlich die Non-Farm Payrolls (NFP) am Freitag, die die monatliche Zahl der beschäftigten Lohn- und Gehaltsempfänger außerhalb der Landwirtschaft in den USA darstellen. Auch die Androhung von Trump, im Falle einer ausbleibenden Einigung 300.000 Staatsbedienstete zu entlassen, trägt nicht zur Stabilität der Lage bei. Sollten sich Demokraten und Republikaner also auch in den kommenden Tagen nicht einigen können, könnten auch die Inflations- und Wachstumsdaten im Oktober betroffen sein – was die Orientierung der Märkte zusätzlich erschwert. Ohne diese „harten“ Fakten stützen sich Anleger und auch die US-Notenbank Fed stärker auf Ersatzindikatoren – wie etwa unvollständigen Daten aus dem Privatsektor –, Umfragen und Marktpreise.

Was die Statistikpause konkret bedeutet: Wenn Anleger auf private Indikatoren und Umfragen ausweichen

Das erhöht allerdings die Unsicherheit über den Zinskurs: Terminmärkte preisen eher frühere und zusätzliche Zinssenkungen der Fed ein, wodurch Gold weiter gestützt und der US-Dollar tendenziell geschwächt wird. Aktien reagieren in diesem Szenario ohnehin sensibler, da wegen der raren Informationslage Umsatz- und Gewinnsignale fehlen und einzelne Sektoren direkt von Stillständen im Zuge des Shutdowns betroffen sind.

Wenngleich das gute Konsumklima in den vergangenen Monaten nach Angaben von Moody’s Analytics von den obersten zehn Prozent der Spitzenverdiener getragen wurde, dürften die temporären, unbezahlten Freistellungen von Bundesbediensteten kurzfristig auf die Nachfrage wirken.

Ausbleibender Lohn als Dämpfer: 750.000 Betroffene und 400 Millionen US-Dollar täglich – Konsum leidet

Diese sogenannten Furloughs betreffen im Zuge des Shutdowns rund 750.000 Beschäftigte, was laut dem unabhängigen Haushaltsdienst des US-Kongresses, CBO, etwa 400 Millionen US-Dollar an täglich entgangenen Löhnen bedeutet. Zwar wird ein Teil davon später durch eine nachträgliche Zahlung („back pay“) ausgeglichen, doch fehlt es den Haushalten auf allen Ebenen kurzfristig an Liquidität. Weiterhin gilt diese Regelung nicht für alle Staatsangestellten: Bei Subunternehmen oder anderen Auftragnehmern ist die Nachzahlung nicht immer garantiert.

Hinzu kamen mehrere Marktdetails, die das Bild abrunden: Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe blieb in Asien bei rund 4,15 Prozent. Das ist in diesem Kontext relevant, weil steigende Renditen Gold normalerweise bremsen, da das Edelmetall keine Zinsen abwirft. Bleiben Renditen stabil und der US-Dollar schwächelt, hat Gold Rückenwind – das passt zum Rekordhoch.

Ausblick mit Fragezeichen: Wie lange der Shutdown dauert, entscheidet über die Volatilität der Märkte

Öl zog leicht an – was zwei einfache Gründe hat: Erstens rechnen Händler damit, dass die OPEC+-Staaten die Fördermenge eher knapp halten. Zweitens wird erwartet, dass die Ölvorräte in den USA sinken. Weniger Angebot oder kleinere Lager bedeuten, dass der Preis steigt. An der Börse wird eine Zinssenkung der Fed im Oktober mit rund 96-prozentiger Wahrscheinlichkeit erwartet. Für Dezember rechnen die Märkte zusätzlich mit einer weiteren Senkung – zu etwa 74 Prozent. Doch zusätzlich mahnte Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan laut Reuters vor zu schnellen Zinssenkungen.

Das sendet ein gemischtes Signal: Märkte setzen zwar auf frühere Zinssenkungen, die gut für Gold und Tech-Werte wären, dafür aber den US-Dollar schwächen würden. Zugleich erinnert Logans Warnung daran, dass die Fed nicht blind lockern wird – was Trump in der Vergangenheit schon zur Weißglut getrieben hat. Das Ergebnis wird somit eindeutig ausfallen: mehr Unsicherheit, höhere Schwankungen – bis wieder klare Daten und politische Signale vorliegen.


Rubriklistenbild: © Arne Dedert/Matt Rourke/AP/dpa

Kommentare