E-Autos aus China werden nun in Österreich hergestellt – „wichtiger Meilenstein“
VonPatrick Freiwah
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Fertigung in der Alpenrepublik: Wie der Hersteller Xpeng mit einem cleveren Schachzug die China-Zölle der EU umgeht – und was das für die Autobranche bedeutet.
Graz/München - Die Autoindustrie in Europa befindet sich im Umbruch. In die Debatte um China-Zölle und neue Konkurrenz aus der Volksrepublik setzt der chinesische Hersteller Xpeng ein weiteres Ausrufezeichen: Um die EU-Sonderzölle auf in China produzierte Elektroautos zu umgehen, verlagert Xpeng seine Produktion nach Österreich.
Im Werk von Magna Steyr in Graz laufen noch ab dem dritten Quartal die ersten Xpeng-Modelle G6 und G9 für den europäischen Markt vom Band. Was hinter dieser Strategie steckt und warum das für das kanadisch-österreichische Unternehmen ein Segen ist.
Startschuss für Xpeng in Europa: Montage bei Magna Steyr
Seit Monaten gab es Gerüchte, nun ist es offiziell: Xpeng startet die Produktion seiner Elektroautos in Europa – und zwar beim Auftragsfertiger Magna Steyr in Graz. Die Kooperation ist für beide Seiten ein Gewinn. Während Xpeng durch die lokale Produktion geschickt die EU-Sonderzölle umgeht, kann Magna Steyr einen wichtigen Großauftrag an Land ziehen.
„Als unser erster chinesischer OEM-Partner hier in Europa ist dies ein wichtiger Meilenstein,“ erläutert Roland Prettner, President Magna Complete Vehicles, in einer Mitteilung. „Diese Partnerschaft unterstreicht unser Engagement für Innovation und Flexibilität, um den sich wandelnden Anforderungen der Automobilindustrie gerecht zu werden“.
Xpeng und Magna: „Langfristige Partnerschaft“ mit SKD-Fertigung
Zunächst werden die Modelle Xpeng G6 und G9 in Österreich montiert, weitere Baureihen sollen folgen - in mehreren Segmenten und mit verschiedenen Antriebsarten. Damit beginnt laut dem chinesischen Herausforderung von Tesla & Co. „eine langfristige Zusammenarbeit für zukünftige Modelle“.
Die Fahrzeuge werden per sogenannter SKD-Fertigung (Semi-Knocked-Down) nach Europa gebracht: in China vorgefertigt, in Einzelteilen nach Österreich geliefert und dort zusammengebaut. Dieser Kniff sorgt dafür, dass auf die importierten Teile nicht die vollen EU-Sonderzölle anfallen. Hinter dem Schritt steht eine kluge Exportstrategie von Xpeng:
China-Zölle: Warum Xpeng auf Produktion in Österreich setzt
Die EU hat auf den Import von Elektroautos aus China einen Sonderzoll von 21,3 Prozent verhängt, zusätzlich zu den bestehenden zehn Prozent Einfuhrzoll – also fast ein Drittel des Fahrzeugwerts. Für Xpeng wäre der direkte Export kompletter Autos aus China damit teuer geworden. Durch die Montage in Graz fallen diese Strafzölle jedoch nicht an – weil offiziell Teile und Baugruppen importiert werden, nicht jedoch fertige Fahrzeuge.
Auftragsfertiger Magna Steyr
Magna International hat seinen Ursprung in Kanada, weitete seine Geschäftstätigkeit anschließend auf den nordamerikanischen Markt aus und betrat die europäischen und asiatischen Märkte. Magna Steyr entstand als Tochterunternehmen des kanadischen Zuliefererkonzerns und hat sich auf die Auftragsfertigung von Fahrzeugen spezialisiert. Ursprünglich produzierte das Unternehmen vor allem für europäische Hersteller und konnte sich durch seine Flexibilität und Innovationskraft international einen Namen machen.
Für Magna Steyr kommt der Auftrag zur rechten Zeit, schildert das Portal Electrive.net: Die Produktionszahlen in Graz sind zuletzt deutlich gesunken, nachdem große Kunden wie Jaguar, BMW und Toyota ihre Verträge auslaufen lassen oder bereits beendet haben. Mit Xpeng als neuem Partner kann der Auftragsfertiger seine Anlagen auslasten und sich als wichtiger Player für chinesische Hersteller in Europa positionieren.
Xpeng setzt neue Maßstäbe und macht europäischen Herstellern Dampf
Mit der Produktion in Österreich könnte Xpeng zu einem ernstzunehmenden Rivalen für deutsche und andere europäische Hersteller werden. Die in Graz gefertigten Modelle sind technisch auf dem neuesten Stand: Dank moderner 5C-LFP-Batterien können die beiden SUV-Modelle mit bis zu 451 beziehungsweise 525 kW geladen werden – und in nur zwölf Minuten von 10 auf 80 Prozent.
Die Expansion von Xpeng nach Europa begann bereits 2021 in Norwegen, mittlerweile ist der Anbieter auch in Deutschland präsent. Mit der lokalen Produktion bei Magna Steyr verschärft sich der Wettbewerb auf dem europäischen Automarkt weiter – und die etablierten Hersteller müssen sich auf eine starke Konkurrenz aus China einstellen.
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Xpeng auf der IAA: Neuer P7+ und der „moderne iPhone-Moment“
Die Auslieferungen von Xpeng nach Übersee stiegen von Januar bis Juli 2025 um 174 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Europaweit setzte Xpeng im ersten Halbjahr rund 8000 Einheiten ab. Durch ein wachsendes Produktportfolio soll es für den Anbieter aus Fernost jedoch höher hinaus gehen: Auf der IAA in München hatte Xpeng das Modell P7+ vorgestellt.
Simon Zhang, globaler Geschäftsführer von Ries Consulting und strategischer Berater des China-Herstellers, bezeichnet die Elektroautos der Marke als „modernen iPhone-Moment“, der die Branche umgestalten und dazu beitragen werde, Chinas wirtschaftliche Führung wiederherzustellen. Zudem fällt der Vergleich mit historischen Innovationen aus dem Reich der Mitte, darunter Seide und Tee.
Zhang betont zudem die symbolische Bedeutung der Markteinführung chinesischer Autohersteller in Deutschland - der Wiege des Automobils. Dies signalisiere Chinas Ankunft auf dem Gipfel der globalen Industrie . (PF)