Neuer Industrie-Standort

E-Autos aus China werden nun in Österreich hergestellt – „wichtiger Meilenstein“

  • schließen

Fertigung in der Alpenrepublik: Wie der Hersteller Xpeng mit einem cleveren Schachzug die China-Zölle der EU umgeht – und was das für die Autobranche bedeutet.

Graz/München - Die Autoindustrie in Europa befindet sich im Umbruch. In die Debatte um China-Zölle und neue Konkurrenz aus der Volksrepublik setzt der chinesische Hersteller Xpeng ein weiteres Ausrufezeichen: Um die EU-Sonderzölle auf in China produzierte Elektroautos zu umgehen, verlagert Xpeng seine Produktion nach Österreich.

Im Werk von Magna Steyr in Graz laufen noch ab dem dritten Quartal die ersten Xpeng-Modelle G6 und G9 für den europäischen Markt vom Band. Was hinter dieser Strategie steckt und warum das für das kanadisch-österreichische Unternehmen ein Segen ist.

Startschuss für Xpeng in Europa: Montage bei Magna Steyr

Seit Monaten gab es Gerüchte, nun ist es offiziell: Xpeng startet die Produktion seiner Elektroautos in Europa – und zwar beim Auftragsfertiger Magna Steyr in Graz. Die Kooperation ist für beide Seiten ein Gewinn. Während Xpeng durch die lokale Produktion geschickt die EU-Sonderzölle umgeht, kann Magna Steyr einen wichtigen Großauftrag an Land ziehen.

„Als unser erster chinesischer OEM-Partner hier in Europa ist dies ein wichtiger Meilenstein,“ erläutert Roland Prettner, President Magna Complete Vehicles, in einer Mitteilung. „Diese Partnerschaft unterstreicht unser Engagement für Innovation und Flexibilität, um den sich wandelnden Anforderungen der Automobilindustrie gerecht zu werden“.

Xpeng auf der IAA 2025 in München: Der China-Hersteller lässt E-Auto-Modelle künftig im Nachbarland Österreich herstellen.

Xpeng und Magna: „Langfristige Partnerschaft“ mit SKD-Fertigung

Zunächst werden die Modelle Xpeng G6 und G9 in Österreich montiert, weitere Baureihen sollen folgen - in mehreren Segmenten und mit verschiedenen Antriebsarten. Damit beginnt laut dem chinesischen Herausforderung von Tesla & Co. „eine langfristige Zusammenarbeit für zukünftige Modelle“.

Die Fahrzeuge werden per sogenannter SKD-Fertigung (Semi-Knocked-Down) nach Europa gebracht: in China vorgefertigt, in Einzelteilen nach Österreich geliefert und dort zusammengebaut. Dieser Kniff sorgt dafür, dass auf die importierten Teile nicht die vollen EU-Sonderzölle anfallen. Hinter dem Schritt steht eine kluge Exportstrategie von Xpeng:

China-Zölle: Warum Xpeng auf Produktion in Österreich setzt

Die EU hat auf den Import von Elektroautos aus China einen Sonderzoll von 21,3 Prozent verhängt, zusätzlich zu den bestehenden zehn Prozent Einfuhrzoll – also fast ein Drittel des Fahrzeugwerts. Für Xpeng wäre der direkte Export kompletter Autos aus China damit teuer geworden. Durch die Montage in Graz fallen diese Strafzölle jedoch nicht an – weil offiziell Teile und Baugruppen importiert werden, nicht jedoch fertige Fahrzeuge.

Auftragsfertiger Magna Steyr

Magna International hat seinen Ursprung in Kanada, weitete seine Geschäftstätigkeit anschließend auf den nordamerikanischen Markt aus und betrat die europäischen und asiatischen Märkte. Magna Steyr entstand als Tochterunternehmen des kanadischen Zuliefererkonzerns und hat sich auf die Auftragsfertigung von Fahrzeugen spezialisiert. Ursprünglich produzierte das Unternehmen vor allem für europäische Hersteller und konnte sich durch seine Flexibilität und Innovationskraft international einen Namen machen.

Für Magna Steyr kommt der Auftrag zur rechten Zeit, schildert das Portal Electrive.net: Die Produktionszahlen in Graz sind zuletzt deutlich gesunken, nachdem große Kunden wie Jaguar, BMW und Toyota ihre Verträge auslaufen lassen oder bereits beendet haben. Mit Xpeng als neuem Partner kann der Auftragsfertiger seine Anlagen auslasten und sich als wichtiger Player für chinesische Hersteller in Europa positionieren.

Xpeng setzt neue Maßstäbe und macht europäischen Herstellern Dampf

Mit der Produktion in Österreich könnte Xpeng zu einem ernstzunehmenden Rivalen für deutsche und andere europäische Hersteller werden. Die in Graz gefertigten Modelle sind technisch auf dem neuesten Stand: Dank moderner 5C-LFP-Batterien können die beiden SUV-Modelle mit bis zu 451 beziehungsweise 525 kW geladen werden – und in nur zwölf Minuten von 10 auf 80 Prozent.

Die Expansion von Xpeng nach Europa begann bereits 2021 in Norwegen, mittlerweile ist der Anbieter auch in Deutschland präsent. Mit der lokalen Produktion bei Magna Steyr verschärft sich der Wettbewerb auf dem europäischen Automarkt weiter – und die etablierten Hersteller müssen sich auf eine starke Konkurrenz aus China einstellen.

Chinesische Hersteller boomen: 14 Autobauer, die Sie kennen sollten

Changan-Händler
Changan ist einer der ältesten Autohersteller Chinas und produziert jährlich mehrere Millionen Fahrzeuge, darunter auch Joint‑Venture‑Modelle mit Ford und Mazda. In den vergangenen Jahren hat Changan seine eigene Markenstrategie stark elektrifiziert und mit Submarken wie Deepal und Avatr moderne Elektro‑ und Plug‑in‑Hybridmodelle auf den Markt gebracht.  © IMAGO/CFOTO
Changan-Produktion
Kürzlich hat der China-Autobauer die Produktion von 30 Millionen Fahrzeugen zelebriert. Für Europa verfolgt der Konzern eine schrittweise Expansionsstrategie, die zunächst über ausgewählte Märkte und wenige Modelle erfolgen soll – meist im mittleren bis gehobenen Segment. Neben den genannten Marken sollen in den kommenden Jahren auch Modelle des Anbieters Nevo auf den Markt kommen. © Changan Automobile Deutschland GmbH
Jaecoo 7 von Chery
Chery ist einer der größten chinesischen Autoexporteure und baut seine Präsenz in Europa mit mehreren Marken gezielt aus. In Ländern wie Spanien erfolgte der Markteintritt früher. Zunächst wird hierzulande der Plug-in-Hybrid Jaecoo 7 angeboten. © Chery/dpa
Omoda 5 HEV
Die zweite Chery-Marke für Deutschland heißt Omoda. Gut ausgestattete Modelle wie der Omoda 5 HEV sollen zeitgemäßes Design mit effizienter Hybrid-Antriebstechnologie vereinen. Inwiefern sich deutsche Kunden darauf einlassen? Wir dürfen gespannt sein. © Omoda
Fahransicht Leapmotor B10
Leapmotor ist ein E-Auto-Hersteller, der sich auf dem Heimatmarkt China mit technisch ambitionierten, aber preislich sehr wettbewerbsfähigen Modellen einen Namen gemacht hat. Im Bild ist das Kompakt-SUV B10. © Leapmotor/dpa
Leapmotor T03
Die Marke bietet auch kleine, bezahlbare Modelle wie den T03 an. In Europa startete Leapmotor 2025 mit Unterstützung von Stellantis, das 21 Prozent der Anteile hält und den Markteintritt beschleunigt. © Leapmotor
Lynk & Co 01
Lynk & Co: Hinter diesem Hersteller, der 2016 gegründet wurde, verbirgt sich Geely. Der Plug-in-Hybrid 01 wurde zunächst vor allem im Abo vertrieben. Das Modell kann aber auch gekauft oder geliehen werden.  © Lynk & Co
Lynk & Co 02
Entwickelt und entworfen werden die Modelle von Lynk & Co in Schweden bei der traditionsreichen Konzernschwester Volvo. Das elektrische Crossover-Coupé Lynk & Co 02 war kürzlich auf einer Reise- und Freizeitmesse im Münchner Osten zu sehen. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Elektrotransporter von Maxus.
Maxus: Ford, VW und Mercedes aufgepasst. Mit Maxus greifen chinesische Hersteller auch bei den Nutzfahrzeugen an. Die Modelle der 2011 gegründete Tochter von SAIC Motors sind unter anderem bei der österreichischen Post und Ikea im Einsatz. Verkauft werden die Transporter über eigene Händler. © GlobalImagens/Imago
Maxus: Elektro-Transporter eDeliver
Maxus ist vor allem auf Elektro‑Transporter, Vans und leichte Nutzfahrzeuge spezialisiert – ein Segment, das in Europa durch Lieferdienste, Handwerk und urbane Logistik wächst. © IMAGO/Slavek Ruta
Der MG 4 EV.
MG: Tot gesagte Leben länger. Das gilt auch für die britische Traditionsmarke. Allerdings nicht mehr unter der Flagge ihrer Majestät. Nach der Insolvenz erwarb zunächst die Nanjing Automobile Group im Juni 2005 die Markenrechte. Inzwischen gehört der Hersteller zu SAIC Motor. Dort wurde MG mit Roewe in der Abteilung Passenger Vehicle zusammengefasst. Seit Januar 2021 ist MG auch wieder auf dem deutschen Markt vertreten – unter anderem mit dem 4 EV. © MG
MG Cyberster
Das Modellangebot der von China neu aufgelegten Traditionsmarke umfasst unterschiedliche Fahrzeuggattungen: Zum Portfolio gehört der vollelektrische Roadster MG Cyberster.  © MG Motor
Der Xpeng P7.
Xpeng: Wie viele chinesische Hersteller ist auch Xpeng noch relativ jung. 2014 wurde das Unternehmen gegründet, konnte in den vergangenen Jahren seine Stückzahlen aber immer weiter steigern. In Europa war Xpeng zunächst in Schweden, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden vertreten. Wann der Hersteller nach Deutschland kommt, ist unklar. © Zuma Wire/Imago
Xpeng G9
Für Schlagzeilen sorgte auch die Zusammenarbeit mit Volkswagen in China. 2026 ist der Marktstart in Deutschland terminiert. Partnerschaften mit mehreren Händlern sind geschlossen, hierzulande wird als erstes Modell das Elektro-SUV Xpeng G9 angeboten. © Xpeng
Der Zeekr 001.
Zeekr: Auch wenn der Name so gar nicht chinesisch klingt, stammt der Hersteller dennoch aus dem Reich der Mitte. Der Markenname setzt sich aus Generation Z und dem Begriff Geek zusammen. Hinter dem erst 2021 gegründeten Autobauer steckt Geely. Mit der neuen Tochter möchte man im Premiumsegment Fuß fassen. 2023 hat der chinesische Anbieter in Schweden und den Niederlanden mit den Modellen 001 und X ihren Europa-Start gefeiert. © Zeekr
Zeekr 7X
In Europa verfolgt Zeekr eine Wachstumsstrategie im hochwertigen E‑Segment – mit technisch starken Modellen (800‑Volt‑Architektur, große Reichweiten) und einem Fokus auf gut ausgestattete, aber preislich konkurrenzfähige Fahrzeuge. Seit Ende 2025 sind Zeekr-Modelle wie der 7X auch in Deutschland bestellbar. © Zeekr
Xiaomi SU7
Xiaomi steigt mit dem SU7 erstmals in den Automarkt ein und verfolgt dabei klar ambitionierte Pläne – auch für Deutschland. Der Konzern nutzt seine enorme Elektronik‑Reichweite und Markenbekanntheit, um sich im E‑Auto‑Segment als technologischer Herausforderer zu positionieren. Für Deutschland plant Xiaomi mittelfristig den Vertrieb über ein eigenes Händler‑ und Servicenetz, anfangs stark digital gesteuert.  © David Zorrakino/EUROPA PRESS/dpa
Studie Vision GT von Xiaomi
Studie Vision GT von Xiaomi: Ziel von Xiaomi ist es, im Premium‑Elektro‑Segment Marktanteile zu gewinnen, indem man Performance, Software‑Kompetenz und aggressive Preisgestaltung kombiniert. Deutschland gilt dabei als Schlüsselmarkt, weil Xiaomi hier eine treue Smartphone‑Kundschaft hat, die als Einstiegskanal in die Mobilität dienen soll. © Josep LAGO/AFP
Der Ora Funky Cat.
GWM Ora ist die Elektromarke des chinesischen Herstellers Great Wall Motor und in Europa vor allem durch den Ora Funky Cat (später: Ora 03) bekannt geworden. Die Marke positioniert sich im kompakten bis unteren Mittelklasse‑Segment und zielt damit auf europäische Volumenmodelle wie VW ID.3, Renault Mégane E‑Tech oder auch den heimischen Rivalen MG4 ab. © Ora/GWM
GWM Ora 07
Der Hersteller versucht, sich als preislich zugängliche, designorientierte E‑Alternative zu etablieren – bisher jedoch mit zögerlichem Markterfolg. Dazu machen vermeintliche Kopien die Runde – wie zum Beispiel der GWM Ora 07, als chinesische Ausführung des Porsche Panamera.  © GWM Ora
Der NIO ES6 steht auf einer Messe.
NIO: Der Name des 2014 gegründeten Herstellers ist eine Anspielung auf den Smog über den Großstädten Chinas. NIO, in chinesischen Schriftzeichen „Weilai“, bedeutet übersetzt „Der Himmel wird blau“.  © VCG/Imago
Kombi NIO ET5 Touring
NIO ET5 Touring: Eine Besonderheit der Marke ist die Battery-Swap-Technologie. In fünf Minuten wird der Akku gegen einen neuen ausgetauscht. Ihr Europa-Debüt gab die Marke 2021 in Norwegen. Seit 2022 sind die E-Autos auch in Deutschland erhältlich. © NIO
Der BYD Seal.
BYD: Seit 1995 gibt es das Unternehmen. Autos spielten am Anfang noch keine Rolle, stattdessen baute man wiederaufladbare Batterien. 2003 stieg man durch den Kauf der angeschlagenen Xian Qinhuan Automobile in das Automobilgeschäft ein. Inzwischen ist BYD einer größten Hersteller der Welt. © VCG/Imago
BYD-Schiff mit Neufahrzeugen im Hafen
BYD: In Deutschland sind die Chinesen mittlerweile mit mehreren Modellreihen vertreten. Schlagzeilen macht der Autoriese aus Fernost auch mit seiner Schiffsflotte, welche die Fahrzeuge in großer Stückzahl in verschiedene Weltregionen befördert. © Anadolu Agency/Imago
Denza Z9GT
Denza ist die technologieorientierte Premiummarke von BYD. Im April 2026 wurde das Angebot im Rahmen einer Veranstaltung in Paris als global agierende Marke eingeführt. Dabei gab es auch die ersten Modelle für Europa zu sehen. Im Bild das vollelektrische Coupé Denza Z9GT. © DENZA
Luxus-Van Denza D9
In China hat sich Denza mit Modellen wie dem Van D9 (im Bild) als hochwertige Alternative zu Marken wie Lexus, Mercedes EQ oder BMW i etabliert. In Europa soll der Anbieter schrittweise als gehobenes Premium‑Label eingeführt werden, allerdings nicht sofort in der Breite wie die Hauptmarke BYD. © DENZA
Smart #5
Smart: Einst eine Kleinwagenmarke, ist Smart heute ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Mercedes-Benz und dem chinesischen Geely-Konzern, wobei die Produktion und technische Entwicklung in China erfolgt. Der Fokus liegt auf SUVs (im Bild #5), die Effizienz und wettbewerbsfähige Preise ermöglichen sollen.  © Mercedes-Benz/Smart
Smart #1
Das erste Modell der neuen Ära ist der Smart #1. Strategisch sieht Smart Europa weiterhin als Kernmarkt, allerdings nicht mehr im klassischen Microcar‑Segment, sondern als kompakte, elektrisch angetriebene Crossover‑Alternative im Premiumbereich. Gleichzeitig hilft die Mercedes‑Designsprache, ein vertrautes Markenimage zu erhalten.  © Mercedes-Benz/Smart

Xpeng auf der IAA: Neuer P7+ und der „moderne iPhone-Moment“

Die Auslieferungen von Xpeng nach Übersee stiegen von Januar bis Juli 2025 um 174 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Europaweit setzte Xpeng im ersten Halbjahr rund 8000 Einheiten ab. Durch ein wachsendes Produktportfolio soll es für den Anbieter aus Fernost jedoch höher hinaus gehen: Auf der IAA in München hatte Xpeng das Modell P7+ vorgestellt.

Simon Zhang, globaler Geschäftsführer von Ries Consulting und strategischer Berater des China-Herstellers, bezeichnet die Elektroautos der Marke als „modernen iPhone-Moment“, der die Branche umgestalten und dazu beitragen werde, Chinas wirtschaftliche Führung wiederherzustellen. Zudem fällt der Vergleich mit historischen Innovationen aus dem Reich der Mitte, darunter Seide und Tee.

Zhang betont zudem die symbolische Bedeutung der Markteinführung chinesischer Autohersteller in Deutschland - der Wiege des Automobils. Dies signalisiere Chinas Ankunft auf dem Gipfel der globalen Industrie . (PF)

Rubriklistenbild: © Sven Simon/Imago

Kommentare