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Wirtschaftsministerin Reiche möchte die Energiepolitik umgestalten. Da das Energie-Monitoring noch aussteht, verstärkt die Energiebranche ihre Forderungen.
München – Mit Spannung wird das von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) beauftragte Energie-Monitoring erwartet. Bis zum Ende der Sommerpause 2025 sollte der Bericht fertiggestellt werden. Allerdings scheint es zum Verzug zu kommen, denn das Monitoring ist noch nicht veröffentlicht worden. Das sorgt in der Energiebranche für Unmut: Sie erhöht nun den Druck auf das Wirtschaftsministerium und stellt zugleich konkrete Forderungen an die Wirtschaftsministerin.
Energiefirma macht Druck auf Wirtschaftsministerium – Monitoring noch nicht veröffentlicht
„Aktuell drängt sich der Gedanke auf, dass Frau Reiche das Monitoring vorerst zurückhält – wieso? Das können wir nicht sagen“, sagte Pressesprecher Lucas Flügel des Energieunternehmens Enerix zu IPPEN.MEDIA. Wenn das Monitoring endlich erscheine, werde „zumindest die hitzige Diskussion um den Inhalt und eine mögliche Streichung der Einspeisevergütung oder den Ausbaustopp von PV Anlagen ein Ende haben.“ Ein Sprecher des BMWE teilte auf eine Anfrage unserer Redaktion mit: „Die Ergebnisse des laufenden Monitorings zum Stand der Energiewende werden wir zeitnah vorstellen. Einen Termin kann ich Ihnen hierzu noch nicht nennen. Wir werden die Vorstellung vorab ankündigen. Der finale Bericht liegt noch nicht vor.“
Im Koalitionsvertrag hatte die Merz-Regierung festgehalten, dass man ein Monitoring in Auftrag geben werde, „mit dem bis zur Sommerpause 2025 der zu erwartende Strombedarf sowie der Stand der Versorgungssicherheit, des Netzausbaus, des Ausbaus der Erneuerbaren Energien, der Digitalisierung und des Wasserstoffhochlaufs als eine Grundlage der weiteren Arbeit überprüft werden.“ Die Merz-Regierung setzt vor allem auf planbare, international wettbewerbsfähige Energiekosten.
„Um das Ziel der Kosteneffizienz zu erreichen, stehen wir für einen systemischen Ansatz durch das Zusammenspiel aus dem Ausbau der Erneuerbaren Energien, einer Kraftwerksstrategie, dem gezielten und systemdienlichen Netz- und Speicherausbau, mehr Flexibilitäten und einem effizienten Netzbetrieb“, heißt es.
Kritik an Reiches Energiekurs – Energiefirma hat klare Erwartungshalten vor Monitoring-Veröffentlichung
Das Ergebnis des Monitorings wird laut Schätzungen von Enerix vermutlich auch einen Ausbau des Stromnetzes beinhalten. Reiche hatte im Vorfeld klargestellt, dass Betreiber von Ökostromanlagen künftig auch finanziell zum Ausbau der Stromnetze beitragen sollen. „Die Erneuerbaren können und müssen mehr Verantwortung übernehmen“, sagte Reiche gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Zudem müssten die Erneuerbaren einen „Beitrag zur Netzstabilität, zur Regelbarkeit und zur Steuerbarkeit“ leisten, sagte Reiche.
Generell nimmt die Wirtschaftsministerin die PV-Anlagen stärker ins Visier. Zuletzt hatte sie sich dafür ausgesprochen, die Einspeisevergütung für neue, private Solaranlagen abzuschaffen. Reiche sagte, die Vielzahl von nicht steuerbaren, kleinen Solaranlagen speise unkontrolliert ein und setze das Netz unter Stress. Ihr Vorschlag sorgte in der Energiebranche für großen Aufruhr. Solche Förderdiskussionen würden die Verbraucher zunehmend verunsichern, kritisierte Enerix schon vor einigen Wochen im Gespräch mit unserer Redaktion.
Reiche nimmt PV-Anlagen ins Visier – Energiefirma kritisiert Pauschalisierung
„PV-Anlagen auf Ein- und Mehrfamilienhäusern werden nun verantwortlich gemacht für eine mögliche Instabilität im Netz. Das zu pauschalisieren, ist schlichtweg falsch: Photovoltaik ist nicht per se eine Last. Unter den richtigen Bedingungen – hoher Eigenverbrauch, Speichereinsatz, intelligente Steuerung – tragen PV-Anlagen sogar aktiv zur Netzstabilität bei, da Haushalte weniger Strom aus dem Netz beziehen müssen“, kritisierte Flügel.
PV-Anlagen im Eigenheim seien ohnehin schon auf Eigenverbrauch ausgerichtet – Eigenheimbesitzer seien deshalb Teil der Lösung, nicht des Problems. „Das eigentliche Problem sind die fehlende Smart-Meter-Infrastruktur und Energiemanagementsysteme sowie der versäumte Netzausbau. PV-Anlagen in Smart Energy Homes (intelligente Vernetzung von PV, Speicher, Wärmepumpe und Wallbox) können Lastspitzen im Netz abfedern. Genau hier entscheidet sich, ob die Energiewende zur Erfolgsgeschichte wird – oder ob sie an fehlender Systemintelligenz scheitert. Wenn die Technik verfügbar ist, die Politik aber Jahre benötigt, um die Rahmenbedingungen anzupassen, dann verlieren wir wertvolle Zeit“.
Energiefirma fordert Schwerpunkt auf Smart-Meter und bidirektionales Laden
Aus Sicht von Enerix muss vor allem der Fokus auf das Smart-Meter-Rollout und auf das bidirektionale Laden gelegt werden. Mithilfe von Smart-Metern können Verbraucher die Einspeisung in Echtzeit einschätzen, da diese Daten sichtbar gemacht werden. Das bidirektionale Laden ermöglicht, dass E-Autos während des Ladens auch Energie ins Haus oder ins Netz zurückgeben, es ist also vergleichbar mit einem mobilen Speicher.
„Außerdem muss die Bürokratie abgebaut werden, damit Modelle wie der Mieterstrom (Solarstrom direkt vom Dach für die Bewohner eines Hauses) oder Energiegemeinschaften (wie in Österreich, wo Nachbarn gemeinsam Strom erzeugen und nutzen) einfacher und schneller umgesetzt werden können“, so Flügel.
Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

