- VonNicola de Paolischließen
Ein bekanntes Wirtschaftsinstitut sieht ein Ende der Konjunkturflaute, mahnt auch Strukturveränderungen an.
Berlin - Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht mit Optimismus auf das kommende Jahr und prognostiziert der Wirtschaft in Deutschland ein Wachstum von 1,7 Prozent. „Nach dem Zickzackkurs im ersten Halbjahr findet die deutsche Wirtschaft fortan in die Spur und nimmt mehr und mehr Fahrt auf“, teilte das DIW mit. In 2027 soll es sogar 1,8 Prozent nach oben gehen. Auch andere führende Wirtschaftsinstitute gehen davon aus, dass die Wirtschaft in 2026 wieder an Schwung gewinnt. Ihr Ausblick fällt aber verhaltener aus. Das Münchner ifo Institut beispielsweise erwartet 1,3 Prozent Wachstum.
Experten: Politische Impulse für mehr Wirtschaftswachstum greifen
Als treibende Kraft erweisen sich für die Wirtschaftsexperten aus Berlin die politischen Impulse der Bundesregierung. Dazu zählen die geplanten Investitionen in Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung sowie Anreize für private Investitionen. Weitgehende Einigkeit herrscht bei den führenden Wirtschaftsinstituten, dass sich die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump als Bremsklotz für die deutsche Wirtschaft erwiesen hat. Immerhin sei positiv zu bewerten, dass mit dem Zollabkommen zwischen der US-Regierung und der EU zumindest die Zeit der Unsicherheit vorbei sei.
DIW fordert Strukturreformen für mehr Wirtschaftswachstum
Gleichzeitig fordern die Institute Strukturreformen. Sonst „dürften die fiskalischen Impulse über konjunkturelle Strohfeuereffekte kaum hinauskommen“, hieß es beispielsweise beim Kieler Institut für Weltwirtschaft. DIW-Präsident Marcel Fratzscher mahnte grundlegende Reformen im Steuer- und Sozialsystem an. „Die neue Bundesregierung weigert sich bislang jedoch, diese anzugehen und Konflikte in der Koalition zu überwinden“, sagte er. Das DIW setzt vier Prioritäten, um Reformen voranzubringen:
- Eine Ausgabenreduzierung, auch wenn beim Bürgergeld oder Geflüchteten kaum Einsparpotenzial bestehe
- Ein Abbau interessengeleiteter Subventionen, denn allein klimaschädliche Subventionen würden laut Internationalem Währungsfonds rund 60 Milliarden Euro jährlich betragen
- Die Abschaffung steuerlicher Privilegien, etwa bei großen Erbschaften oder Immobiliengewinnen
- Eine perspektivische Steuererhöhung, wobei der sinnvollste Weg eine stärkere Besteuerung großer und passiver Vermögen bei gleichzeitiger Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen sei.
Das Wirtschaftswachstum in 2025 sorgt für weniger Optimismus
Im Gegensatz zu 2026 senkte das DIW seinen Ausblick für das laufende Jahr 2025 ab und erwartet jetzt nur noch ein Wachstum von 0,2 Prozent. „Die erste Jahreshälfte verlief holprig“, hieß es zur Begründung. Während die deutsche Wirtschaft hauptsächlich von der binnenwirtschaftlichen Expansion getragen werden, sei der Außenhandel als traditioneller Wachstumstreiber „durch die zunehmenden Handelsbarrieren und die US-Zollpolitik spürbar ausgebremst“, hieß es. Das Kieler IfW erwartet sogar nur ein minimales Wachstum von 0,1 Prozent. Doch selbst ein geringes Wachstum in 2025 würde die lange wirtschaftliche Durststrecke mit zwei Rezessionsjahren in Folge beenden.
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