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Autoindustrie im Umbruch: ZF drängt auf Technologievielfalt bei Antrieben, während Kanzler Merz sich bemüht, das Verbrennerverbot ab 2035 zu entschärfen.
Frankfurt – Die Debatte um den richtigen Antrieb für die Autos der Zukunft spitzt sich von Jahr zu Jahr zu. Während die EU 2023 ein Verbot neuer Verbrenner ab 2035 beschloss, drängen einige Hersteller und Länder auf Ausnahmen oder neue Fristen. Gegner des Verbrenners verweisen auf Klimaziele und CO₂-Reduktion, Befürworter argumentieren mit Technologieoffenheit, synthetischen Kraftstoffen und Arbeitsplätzen in der klassischen Automobilproduktion.
Auf der diesjährigen Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) wurde deutlich: Weder der reine Elektroantrieb noch ein Festhalten am klassischen Verbrenner gelten noch als alleinige Lösung. ZF, einer der größten Automobilzulieferer der Welt, positioniert sich klar in dieser Debatte. Mathias Miedreich, Chef der Antriebssparte und bald Vorstandsvorsitzender von ZF Friedrichshafen, kritisiert die Vorstellung, man könne mit großvolumigen Benzinern in die Zukunft gehen. Gleichzeitig fordert er, die Elektromobilität nicht über alles zu stellen.
Am Verbrenner festhalten sei keine Lösung
Die Industrie muss mehrere Wege parallel verfolgen, fordert Miedreich. Hybridsysteme seien längst keine bloße Übergangstechnologie mehr, sondern das zentrale Entwicklungsfeld. Gerade in Märkten wie China zeige sich, dass reine Elektrofahrzeuge ohne Range-Extender-Technik kaum Chancen haben. Ohne Vielfalt bei den Antrieben werden viele Fahrzeuge keine Käufer finden, sagt er der F.A.Z. Diese Haltung stellt auch eine Absage an Hersteller dar, die angesichts schleppender E-Auto-Nachfrage laut über eine Rückkehr zum Verbrenner nachdenken. Miedreich sieht darin keine tragfähige Lösung, sondern ein Festhalten an überholten Konzepten.
Die Einordnung des Zulieferers fällt in eine Zeit, in der die Politik selbst schwankt: Während Förderungen für Elektroautos sinken, steigen weltweit die Zulassungen für Hybride. Er macht deutlich, dass ein Schwarz-Weiß-Denken der Realität nicht gerecht wird. Für ZF sei die Fähigkeit, Verbrenner-, Hybrid- und Elektrosysteme zu verstehen und zu kombinieren, ein Wettbewerbsvorteil.
Die Autobranche muss „technologieoffen“ sein
In den vergangenen Jahren galt Elektromobilität in der Branche oft als einziger Weg und auch ZF nahm diesen Kurswechsel an. „Eine Strategie lebt von der Langfristigkeit, und in der Vergangenheit war die Strategie klar: Elektromobilität, Elektromobilität, Elektromobilität. Das habe ich auch lange für richtig gehalten. Aber die Zukunft im Antrieb wird von Technologieoffenheit geprägt sein“, äußerte er. Zudem betonte er, dass neben elektrischen Antrieben auch Hybridsysteme und Range-Extender-Lösungen relevant bleiben, um unterschiedliche Märkte und Kundenanforderungen bedienen zu können.
Merz und Söder fordern mehr Spielraum für Verbrenner
Im Vergleich zu Miedreich haben sich Politik und Veranstalter für Änderungen am geplanten Verbrennerverbot ausgesprochen. „Einseitige politische Festlegungen auf bestimmte Technologien sind nicht nur für diese Branche grundsätzlich der falsche wirtschaftspolitische Weg“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Eröffnung der IAA. Es brauche mehr Flexibilität in der Regulierung. Auch CSU-Chef Markus Söder hatte gefordert, das EU-weite Verbot neuer PKW mit Verbrennungsmotoren ab 2035 zu kippen.
Merz spricht sich ebenfalls für technologische Lösungen aus. Ziel sei, „durch Technologieoffenheit Wettbewerbsfähigkeit und effektiven Klimaschutz“ miteinander zu verbinden. Grundsätzlich müsse Deutschland „wieder ein wettbewerbsfähiger international anerkannter Wirtschaftsstandort werden, auf den die Welt nicht mit Verwunderung, sondern mit Bewunderung schaut“.
Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Autoindustrie (VDA), der die IAA veranstaltet, forderte einen Realitätscheck und eine Kurskorrektur in der EU-Klimapolitik gegenüber der Autoindustrie – beim Verbot neuer Verbrenner ab 2035, aber auch bei den Vorgaben zum CO₂-Flottenausstoß. Mit Material der dpa.
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