Asteroid 2011 UL21

Riesiger Asteroid raste an der Erde vorbei – Nasa macht überraschenden Fund

  • schließen

Der riesige Asteroid 2011 UL21 ist ein „Planeten-Killer“. Als er an der Erde vorbeiraste, hatte er für die Beobachtenden von der Nasa eine Überraschung parat.

Update vom 4. Juli, 19.30 Uhr: Am 27. Juni hat der gewaltige Asteroid 2011 UL21 die Erde in einer Entfernung von lediglich 6,6 Millionen Kilometern passiert. Die US-Raumfahrtorganisation Nasa hat diesen Vorbeiflug mit ihrem Goldstone-Radar genau verfolgt. Es war das erste Mal, dass der Asteroid nahe genug an unserem Planeten vorbeizog, um per Radar beobachtet zu werden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten durch diese Beobachtung einige Details über den Asteroiden, der eine Größe von etwa 2,5 Kilometern aufweist, in Erfahrung bringen. Sie stellten fest, dass er annähernd rund ist und eine unerwartete Eigenschaft aufweist: Er ist ein Doppelasteroid. Der Asteroid 2011 UL21 wird nämlich von einem kleineren Asteroiden umkreist, der sich in einem Abstand von ungefähr drei Kilometern befindet.

Sieben Radarbeobachtungen des Goldstone-Radars zeigen den 2,5 Kilometer großen Asteroiden 2011 UL21 und seinen kleinen Begleiter, der etwa drei Kilometer entfernt ist.

Lance Benner, der leitende Wissenschaftler am JPL, der die Beobachtungen koordinierte, erläutert: „Man geht davon aus, dass etwa zwei Drittel der Asteroiden dieser Größe Binärsysteme sind. Ihre Entdeckung ist besonders wichtig, weil wir anhand der Messungen ihrer relativen Positionen ihre gegenseitigen Umlaufbahnen, Massen und Dichten abschätzen können, die wichtige Informationen darüber liefern, wie sie entstanden sein könnten“.

Die Nasa betont, dass der Vorbeiflug des Asteroiden keine Bedrohung für unseren Planeten darstellte und dass auch in Zukunft von 2011 UL21 keine Gefahr ausgehen wird. Bilder der Nasa dokumentieren den großen Asteroiden und seinen kleineren Begleiter während ihres Vorbeiflugs.

Zweieinhalb Kilometer großer Asteroid rast an der Erde vorbei

Erstmeldung vom 26. Juni 2024: Frankfurt – Unzählige Asteroiden befinden sich im Sonnensystem und immer wieder kommt einer der Himmelskörper der Erde nahe. Gelegentlich trifft ein kleiner Asteroid die Erde und kann mit etwas Glück sogar beim Verglühen beobachtet werden. Doch zwischen dem Asteroiden, der am Donnerstag (27. Juni) der Erde nahekommt, und der Erde, liegen glücklicherweise 6,6 Millionen Kilometer Abstand. Das ist auch besser so, denn der Asteroid 2011 UL21, den es in die Nähe der Erde verschlägt, ist ein sogenannter „Planeten-Killer“.

Name:2011 UL21
Typ:Apollo-Asteroid
eingestuft als:potenziell gefährlicher Asteroid (PHA)
Entdeckung:17. Oktober 2011
Entdecker:Catalina Sky Survey
mittlerer Durchmesser:2,3 bis 2,5 Kilometer

„Planeten-Killer“: Asteroid 2011 UL21 ist etwa 2,5 Kilometer groß

Asteroiden ab einer Größe von etwa einem Kilometer werden so genannt – und 2011 UL21 ist etwa 2,5 Kilometer groß. Bereits bei einem Ein-Kilometer-Asteroiden rechnet die US-Raumfahrtorganisation Nasa mit einem Einschlagskrater von zehn Kilometern, globaler Verwüstung und dem möglichen Zusammenbruch der Zivilisation. Deshalb ist es gut, dass der Asteroid weit von der Erde entfernt bleibt – im Moment der größten Annäherung liegt die 17-fache Distanz zwischen Erde und Mond zwischen den beiden Himmelskörpern.

Der Asteroid 2011 UL21 „stellt keine Gefahr für die Erde dar“, betont auch Richard Moissl, der Leiter der Esa-Asteroidenabwehr. „Dieser Asteroid ist größer als 99 Prozent aller bekannten erdnahen Objekte und er ist auf einer stark geneigten Umlaufbahn. Das macht ihn für die Beobachtung sehr interessant.“ Am 27. Juni rast der riesige Asteroid mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit von 93.000 Kilometern pro Stunde an der Erde vorbei. Die größte Annäherung erreicht er um 22.14 Uhr (MESZ). Das Virtual Telescope Project wird den riesigen Asteroiden ab 22 Uhr im Livestream zeigen.

Riesiger Asteroid fliegt an der Erde vorbei – mit genug Sicherheitsabstand

Die Größe des Asteroiden 2011 UL21, dessen Durchmesser Schätzungen zufolge zwischen 1,7 und 3,9 Kilometern liegt (mehrere Studien gehen von 2,3 bis 2,5 Kilometern aus), macht seinen Vorbeiflug bemerkenswert. Er gehört zu den größten Asteroiden, die der Erde in den letzten Jahrzehnten nahegekommen sind. Laut dem Virtual Telescope Project gehört 2011 UL21 sogar zu den zehn größten Asteroiden, die seit 1900 in einem Abstand von 7,5 Millionen Kilometern oder weniger an der Erde vorbeigeflogen sind.

Aufgrund seiner Größe und der relativen Nähe zur Erde wird der Asteroid von Raumfahrtorganisationen als „potenziell gefährlicher Asteroid“ (PHA) eingestuft. „Das ist eine präzise formale Definition, die sich auf Kleinplaneten bezieht, die größer als etwa 140 Meter sind und sich der Erde bis auf 7,5 Millionen Kilometer nähern können“, erklärt der Astrophysiker Gianluca Masi, der wissenschaftliche Leiter des Virtual Telescope Project. „Nur die größten Asteroiden, die sich unserem Planeten nahe genug nähern können, werden als PHAs gekennzeichnet, was nicht bedeutet, dass sie die Erde treffen werden, aber sie rechtfertigen dennoch eine bessere Überwachung“, fügt der Astrophysiker hinzu.

Was, wenn ein gefährlicher Asteroid der Erde zu nahe kommt?

Konzepte für die sogenannte planetare Verteidigung werden von der Forschung bereits seit vielen Jahren erarbeitet. Im Herbst 2022 machte die US-Raumfahrtorganisation Nasa erstmals einen Praxistest: Die Raumsonde „Dart“ rammte den kleinen Asteroiden „Dimorphos“ und erzielte ein beruhigendes Ergebnis: Die Flugbahn des Asteroiden veränderte sich durch den Einschlag deutlich. Sollte ein gefährlicher Asteroid entdeckt werden, wäre das künftig eine Möglichkeit der Abwehr.

Aber auch andere Konzepte – etwa mit Atombomben – werden von der Forschung durchgespielt. Außerdem gibt es zahlreiche automatisierte Teleskopsysteme – wie den Catalina Sky Survey – die den Himmel nach Asteroiden durchsuchen. Bei der Esa gibt es außerdem ein Asteroiden-Fühwarnsystem.

Asteroid 2011 UL21 ist mit dem Teleskop am Himmel zu sehen

Wer ein Teleskop besitzt, kann versuchen, den riesigen Asteroiden 2011 UL21 am Himmel zu finden. Allerdings erfordert dies etwas Geduld, da der Himmelskörper vor der größten Annäherung an die Erde nur von der Südhalbkugel aus sichtbar ist. Ab dem Abend des 27. Juni kann man ihn in der nördlichen Hemisphäre am Himmel finden. Seine größte Helligkeit erreicht er laut Masi in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni, dann soll er sogar durch Teleskope ab vier Zoll (ca. 10 cm) Öffnung zu sehen sein. Die gesamte erste Juli-Woche wird er mit Amateurteleskopen sichtbar sein. In dieser Zeit durchquert der Asteroid 2011 UL21 am Nachthimmel die Sternbilder Wasserschlange, Jungfrau, Waage, Schlange und nähert sich dem Herkules.

Kurz vor dem International Asteroid Day, der von der UN ausgerufen wurde und jährlich am 30. Juni begangen wird, rast noch ein zweiter Asteroid an der Erde vorbei. Der Asteroid 2024 MK ist mit 120 bis 260 Metern deutlich kleiner als 2011 UL21. Dafür kommt er der Erde aber auch deutlich näher: Bis zu 290.000 Kilometer liegen dann noch zwischen Erde und Asteroid – weniger als der Abstand zwischen Erde und Mond (etwa 380.000 Kilometer).

Ein Asteroid kommt der Erde sehr nahe. (Symbolbild)

Kurz nach seiner Entdeckung war Asteroid 2011 UL21 am gefährlichsten

Der Asteroid 2011 UL21 ist nicht nur groß, auch seine Entdeckungsgeschichte ist interessant: Bei seiner Entdeckung durch das Catalina Sky Survey im Jahr 2011 bestand kurzzeitig eine Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million, dass der Asteroid 2029 die Erde trifft. Nach 15 Tagen Beobachtung sank diese Wahrscheinlichkeit auf eins zu 71 Millionen. Ende November konnte der Asteroid von der Liste der möglichen Einschläge entfernt werden, da klar war, dass er in den nächsten 100 oder mehr Jahren die Erde nicht treffen wird. Im Jahr 2029 wird er der Erde nicht mehr sehr nahekommen – die Distanz soll dann 240 Millionen Kilometer betragen.

Im Jahr 2029 wird jedoch ein anderer Asteroid der Erde nahekommen: „Apophis“, benannt nach dem altägyptischen „Gott des Chaos“. Er wird der Erde im April 2029 näherkommen als einige Satelliten. Dies wird jedoch nicht gefährlich sein – die Wissenschaft sieht es eher als Chance, einen Asteroiden aus der Nähe zu erforschen. (tab)

Rubriklistenbild: © imago/CSP_Pitr

Kommentare