Heißer Nordatlantik kann Extremwetter in Europa verursachen – „Besorgniserregende Nachricht für den Planeten“
VonTanja Banner
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Der Nordatlantik ist zu heiß – das kann zu Problemen führen, wie die Weltwetterorganisation warnt. Mit El Niño gibt es aber wohl noch keinen Zusammenhang.
Genf – Die vergangenen Tage und Wochen sind vielerorts sehr heiß. Das ist jedoch nicht nur für die aktuelle Gesundheit der Menschen oder die Wasserversorgung von Pflanzen ein Problem – auch der Nordatlantik ist zu heiß, was gravierende Folgen haben könnte. Laut Weltwetterorganisation (WMO) lagen die Oberflächentemperaturen des Nordatlantik im Juni 0,9 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Wegen der ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen drohen Fachleuten zufolge in Europa verstärkt Extremwetter-Ereignisse.
„Der Nordatlantik ist einer der Hauptfaktoren für extreme Wetterereignisse. Mit der Erwärmung des Atlantiks steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Hurrikane und tropische Wirbelstürme auftreten. Die Meeresoberflächentemperatur des Nordatlantiks wird mit Starkregen oder Dürre in Westafrika in Verbindung gebracht“, erklärt der Chef der Klimabeobachtung bei der Weltwetterorganisation (WMO), Omar Baddour, in einer WMO-Mitteilung. Die hohe Ozeantemperatur und der dramatische Rückgang der Meereis-Ausdehnung in der Antarktis seien zutiefst beunruhigend, betont auch Michael Sparrow, Leiter der Klimaforschung bei der WMO. „Sie sind viel höher als alles, was die Modelle vorhergesagt haben“, so der Experte.
Nordatlantik ist zu warm – Mehr Extremwetterereignisse sind möglich
„Die außergewöhnliche Wärme im Juni und Anfang Juli fiel mit dem Beginn der Entwicklung von El Niño zusammen, der die Hitze sowohl an Land als auch in den Ozeanen weiter anheizen und zu extremeren Temperaturen und Hitzewellen im Meer führen dürfte“, erklärt Christopher Hewitt, WMO-Direktor für Klimadienste. „Wir befinden uns auf unbekanntem Terrain und es ist zu erwarten, dass weitere Rekorde fallen werden, wenn sich El Niño weiterentwickelt und diese Auswirkungen bis 2024 anhalten werden“, so der Experte. „Dies ist eine besorgniserregende Nachricht für den Planeten.“
Die Temperatur des Nordatlantik ist zu hoch. Das könnte für Wetterextreme wie Hurrikane sorgen. „Die Meeresoberflächentemperatur des Nordatlantiks wird mit Starkregen oder Dürre in Westafrika in Verbindung gebracht“, erklärt der Chef der Klimabeobachtung bei der Weltwetterorganisation (WMO), Omar Baddour. (Symbolbild)
Im Mai und Juni waren die Oberflächentemperaturen der Meere auf Rekordhöhen – das kann zahlreiche Auswirkungen haben, fürchten die Fachleute – für die Ökosysteme, die Fischerei und das Wetter. Denn nicht nur die Oberfläche der Meere wird wärmer, die gesamten Ozeane nehmen mehr Energie auf, die dort für hunderte Jahre bleibt.
Hitze im Nordatlantik hängt wohl noch nicht mit El Niño zusammen
Die Hitze im Nordatlantik wird durch eine Kombination aus kurzfristiger anormaler Zirkulation in der Atmosphäre und längerfristigen Veränderungen im Ozean verursacht, schätzt der Copernicus Climate Change Service die Situation ein. Fachleute gehen jedoch nicht davon aus, dass die derzeitige Hitze bereits mit El Niño zusammenhängt. Das Wetterphänomen etabliert sich gerade erst im tropischen Pazifik und wird die Temperaturen erst im weiteren Verlauf des Jahres und bis 2024 beeinflussen.
Die derzeitige Hitze beeinflusst jedoch die Menge des Meereises, das sich derzeit in der Antarktis auf einem besonders niedrigen Level befindet. Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt hat die Antarktis nach WMO-Angaben im Juni 2023 etwa 2,6 Millionen Quadratkilometer Meereis verloren. „Das ist ein wirklich dramatischer Rückgang der Meereisausdehnung in der Antarktis“, betont Baddour.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde
Angesichts der angespannten Situation beschäftigt sich die Wissenschaft mit der Frage, ob Kipppunkte erreicht werden, weiß Sparrow. Bei Kipppunkten handelt es sich laut Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung um „kritische Schwellenwerte, bei deren Überschreiben es zu starken und teils unaufhaltsamen und unumkehrbaren Veränderungen kommt“. Ein solcher Punkt wäre beispielsweise der plötzliche Zusammenbruch des Westantarktischen Eisschilds, so Sparrow. Schmilzt das dortige Eis – dazu gehört auch der als „Weltuntergangs-Gletscher“ bekannte Thwaites-Gletscher – ist mit einem meterhohen Anstieg des Meeresspiegels zu rechnen. Millionen Menschen, die in Küstennähe leben, wären gefährdet.
„Dies ist offensichtlich etwas, das die Wissenschaftler beunruhigt, aber wir haben zurzeit keine Beweise, um zu sagen, dass wir irgendeinen Kipppunkt erreichen“, so Sparrow. Die Entwicklung in der Antarktis sei sehr neu. „Wir wollen keine Vermutungen anstellen, ohne alle Beweise zur Hand zu haben, was einige Zeit dauern kann.“ (tab/dpa)