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Der Maschinenbauer HOMAG regiert mit einem Maßnahmenpaket auf die gesunkene Nachfrage und baut 600 Stellen ab. Die Probleme haben auch Auswirkungen auf den Mutterkonzern Dürr.
Stuttgart/Schopfloch - Die Unternehmen der Wirtschaft in Baden-Württemberg haben aktuell über alle Branchen hinweg mit der Energiekrise und hohen Preisen für Rohstoffe und Personal zu kämpfen. Der Gewerkschaftsbund DGB warnte deutlich vor weiterem Stellenabbau in Baden-Württemberg, zu dem viele Betriebe aus Kostengründen zurückgreifen. Durch die hohen Kosten sinkt allerdings auch die Kaufkraft und damit die Nachfrage, was der Maschinenbauer HOMAG mit Sitz in Schopfloch (Kreis Freudenstadt) zu spüren bekommt. Die Dürr-Tochter hat deshalb ein Maßnahmenpaket geschnürt, das unter anderem einen empfindlichen Personalabbau beinhaltet.
Die vergangenen Monate des Jahres 2023 waren gerade für die Industriebetriebe im Südwesten alles andere als einfach. Das Statistische Landesamt hatte allein im ersten Halbjahr mehr als 900 Unternehmensinsolvenzen verzeichnet, inklusive des Monats Juli waren mehr als 8.000 Mitarbeiter davon betroffen. Holzmaschinenspezialist HOMAG hatte einer Pressemitteilung zufolge in den ersten neun Monaten des Jahres mit einem deutlichen Rückgang der Aufträge zu kämpfen und muss nun entsprechend darauf reagieren. Wegen ausbleibender Aufträge steht auch ein deutsches Werk von Autozulieferer ZF auf der Kippe.
Maschinenbauer HOMAG will 600 Stellen abbauen – betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen
Der Maschinenbauer HOMAG aus dem Schwarzwald gilt als weltweit führender Anbieter von integrierten Lösungen für die Produktion in der holzbearbeitenden Industrie und beschäftigt weltweit knapp 7.500 Mitarbeiter. Durch die ausbleibenden Aufträge will das Unternehmen, das seit 2015 zum Dürr-Konzern gehört, durch den Abbau von 600 Arbeitsplätzen im kommenden Jahr 25 Millionen und ab 2025 jährlich rund 50 Millionen Euro an Kosten einsparen. 350 der insgesamt 600 Stellen sollen laut Mitteilung auf die Standorte in Deutschland entfallen, diese sollen sozialverträglich abgebaut werden. „Betriebsbedingte Kündigungen sind derzeit nicht vorgesehen, können aber nicht ausgeschlossen werden“, heißt es vom Unternehmen.
| Name | HOMAG Group AG |
|---|---|
| Gründung | 1960 |
| Hauptsitz | Schopfloch, Baden-Württemberg |
| Mutterkonzern | Dürr AG (seit 2015) |
| Branche | Maschinenbau, Holzverarbeitung |
| Mitarbeiter | 7.500 (2022) |
| Umsatz | 1,602 Millionen Euro (2022) |
„Nach den außerordentlich hohen Investitionen unserer Kunden in den Jahren 2021 und 2022 haben wir damit gerechnet, dass es zu einem zyklischen Abschwung kommt – dieser fällt mit fast einem Drittel weniger Auftragseingang weltweit allerdings deutlich ausgeprägter aus als erwartet“, erklärt HOMAG-Chef Daniel Schmitt die Notwendigkeit eines Maßnahmenpakets. „Darauf mussten wir reagieren und haben zügig ein Maßnahmenpaket zur Kapazitätsanpassung erarbeitet und mit den Arbeitnehmervertretern erörtert.“ Neben dem Abbau von 600 Stellen sieht der schwäbische Maschinenbauer auch weitere Maßnahmen wie eine Arbeitszeitreduktion oder die Kurzarbeit vor und hat einen Einstellungstopp verhängt.
Auftragsflaute bei HOMAG hat Auswirkungen auf Dürr: Konzern revidiert Erwartungen für 2024
Durch den Auftragsrückgang rechnet der Maschinenbauer aus Baden-Württemberg auch mit einem deutlichen Umsatzrückgang für das kommende Jahr. „Der stark gesunkene Auftragseingang trifft uns zeitverzögert und wird 2024 zu einem deutlichen Umsatzrückgang von bis zu 15 Prozent führen“, führt Daniel Schmitt aus. „Um die Auswirkungen auf das Ergebnis zu begrenzen, wollen wir mit dem Maßnahmenpaket unsere Kostenstruktur anpassen.“ Das Unternehmen hofft dadurch, mittel- und langfristig zu profitieren und beim nächsten Aufschwung wieder profitabel wachsen zu können.
Die Probleme bei HOMAG wirken sich allerdings auch auf den Mutterkonzern Dürr aus. Der Maschinenbaukonzern mit Sitz in Stuttgart und Hauptverwaltung in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) hat in einer Ad-hoc-Mitteilung erklärt, die Ergebnisziele für 2024 revidieren zu müssen, an den Prognosen für das laufende Geschäftsjahr aber festzuhalten. „Die anderen Divisions werden ihre positive Margenentwicklung in den kommenden Quartalen voraussichtlich fortsetzen“, heißt es in der Mitteilung. „Der für 2024 erwartete Ergebnisrückgang bei HOMAG wird jedoch nicht vollständig kompensiert werden können.“
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