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Der DGB Baden-Württemberg warnt vor dem fortschreitenden Beschäftigungsabbau in der Wirtschaft und ruft die Unternehmen zum dringenden Handeln auf.
Stuttgart - Die Wirtschaft in Baden-Württemberg hat aktuell in nahezu allen Branchen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Die gravierendsten dabei sind der akute Fachkräftemangel und die hohen Preise für Energie, Rohstoffe und Personal. Einige Unternehmen reagieren darauf mit einer Verlagerung ganzer Produktionsschritte ins europäische Ausland, Bulgarien ist beispielsweise aufgrund niedriger Steuern lukrativ. Mitunter werden allerdings auch massiv Arbeitsplätze abgebaut, was die IG Metall seit Monaten bekämpft.
Auch der Dachverband der acht Gewerkschaften in Baden-Württemberg, der DGB, warnt vor dem Beschäftigungsabbau und ruft die Unternehmen zum Handeln auf. Dass sich angesichts der Transformation in der Autoindustrie und im Maschinenbau Tätigkeitsfelder ändern, ist kein Geheimnis. Der DGB fordert in einer Pressemitteilung jedoch, dass die Beschäftigten für den Wandel und die Zukunft qualifiziert, statt entlassen werden. Auch eine Studie kam zum Ergebnis, dass eine Qualifikationsoffensive eine Möglichkeit sei, Entlassungen in der Autoindustrie zu vermeiden.
Stellenabbau in Baden-Württemberg: DGB fordert eine vorausschauende Personalpolitik
Laut dem DGB Baden-Württemberg, der sich als „politische Stimme der acht Mitgliedsgewerkschaften auf Landesebene“ sieht, mussten sich allein im Oktober knapp 23.500 Menschen aus den Betrieben heraus arbeitslos melden. „Diese Zahl und zunehmende Berichte von Betriebsräten über angekündigten Stellenabbau, bereiten uns zunehmend Sorgen“, sagte Kai Burmeister, Vorsitzender des DGB im Südwesten. Große Unternehmen wie Bosch, ZF oder auch der Sportwagenbauer Porsche haben bereits mit Qualifizierungsmaßnahmen für ihre Mitarbeiter begonnen, der Gewerkschaftsbund fordert aber insgesamt eine vorausschauende Personalpolitik.
| Name | DGB-Bezirk Baden-Württemberg |
|---|---|
| Sitz | Stuttgart |
| Gründung | 1. Januar 1950 |
| Zweck | Gewerkschaftsbund |
| Vorsitz | Kai Burmeister |
| DGB-Regionen im Bezirk | Nordbaden |
| Stuttgart | |
| Südbaden | |
| Südostwürttemberg | |
| Heilbronn-Franken | |
| Neckar-Alb-Obere Donau | |
| Einzelgewerkschaften | Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Büro Stuttgart |
| Gewerkschaft der Polizei (GdP), Landesbezirk Baden-Württemberg | |
| Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Baden-Württemberg | |
| Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Landesbezirk Südwest | |
| IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Regionalbüro Baden-Württemberg | |
| IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Landesbezirk Baden-Württemberg | |
| IG Metall (IGM), Bezirk Baden-Württemberg | |
| Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Landesbezirk Baden-Württemberg |
Der akute Fachkräftemangel in Verbindung mit häufigen Meldungen von massivem Stellenabbau – der IHK-Präsident warnte, dass der große Stellenabbau in Baden-Württemberg erst noch bevorsteht – klingt zunächst widersprüchlich. Der DGB fordert deshalb, dass die konjunkturelle Schwäche, der demografische Wandel und der steigende Bedarf an Fach- und Arbeitskräften in einer Personalpolitik zusammengeführt werden muss. „Unternehmen springen viel zu kurz, wenn sie jetzt angesichts dunkel werdender Wolken am Himmel befristete Arbeitsverträge auslaufen lassen und Beschäftigung abbauen“, kritisierte Kai Burmeister.
DGB-Vorsitzender: „Jetzt entlassen und dann über fehlende Fachkräfte jammern, das geht nicht zusammen“
Trotz der genannten Zahl von knapp 23.500 Menschen, die sich in Baden-Württemberg im Oktober aus den Betrieben heraus arbeitslos melden mussten, ist die Arbeitslosigkeit im Bundesland im Vormonat leicht gesunken. Da sich die konjunkturelle Aussicht aufgrund verschiedener Faktoren aber eher weiter trübt, sieht der DGB Grund zur Sorge. „Unser Anspruch an die Unternehmen lautet: keine Entlassungen und Beschäftigung sichern“, machte Burmeister deutlich. „Jetzt entlassen und dann über fehlende Fachkräfte jammern, das geht nicht zusammen.“
Der Gewerkschaftsbund setzt nach eigenen Angaben darauf, dass die Unternehmen ihre Beschäftigten langfristig an sich binden und zu diesem Zweck auch Qualifizierungen abbauen. Dies gelte besonders für die steigende Anzahl an Betrieben mit Kurzarbeit, da man sich überlegen müsse, wie die Zeit des Arbeitsausfalls mit Weiterbildung kombiniert werden könne. Dass es auch in der starken Wirtschaft in Baden-Württemberg nicht allzu rosig aussieht, zeigen mitunter die hohen Zahlen an Unternehmensinsolvenzen. Laut dem Statistischen Landesamt waren von Januar bis Juli mehr als 8.000 Mitarbeiter von Insolvenzen ihrer Unternehmen betroffen.
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