VonJulian Baumannschließen
Der Großkonzern Magna hat angekündigt, bis Jahresmitte mehrere deutsche Standorte schließen zu müssen. Darunter auch ein Werk in Baden-Württemberg.
Tuttlingen - Mitte vergangenen Jahres hatte der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna International angekündigt, einen Standort nahe Baden-Württemberg schließen zu wollen. Die Schließung des Werks konnte abgewendet werden, rund 200 Mitarbeiter verloren dennoch ihren Arbeitsplatz. Seitdem haben sich die weltwirtschaftlichen Bedingungen in der Industrie allerdings nicht zum Besseren gewandt. Deswegen hat Magna jüngst angekündigt, mehrere deutsche Standorte bis Mitte 2024 schließen zu müssen. Betroffen ist auch das Werk in Dürbheim im Kreis Tuttlingen.
Magna ist mit weltweit mehr als 168.000 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt. In Deutschland betreibt das Unternehmen derzeit 30 Produktionsstätten mit mehr als 13.700 Mitarbeitern. Aufgrund der schwierigen Marktlage ist die Fortführung mehrerer Standorte in der Bundesrepublik nach Angaben des Konzerns aber nicht mehr wirtschaftlich. Wie die Schwäbische Zeitung berichtet, soll das Werk der Magna Automobiltechnik Dürbheim GmbH im Juni 2024 geschlossen werden, sodass 110 Mitarbeiter ihren Job verlieren.
Magna will Standort im Kreis Tuttlingen zum 30. Juni schließen – Belegschaft wurde informiert
Der kanadisch-österreichische Großkonzern Magna hatte im Jahr 2010 den insolventen Metallbetrieb Acument in Dürbheim übernommen, der seither als Magna Automobiltechnik fungiert. Ein durch die Insolvenz drohender Jobverlust konnte durch die Übernahme für die damals rund 160 Mitarbeiter abgewendet werden, nun stehen die Angestellten am Standort aber erneut vor dem Aus. Auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung bestätigte ein Sprecher, dass die Belegschaft bereits über die Schließungspläne zum 30. Juni 2024 informiert worden sei. Begründet werden diese mit dem anhaltend negativem Geschäftsumfeld sowie der Marktentwicklung.
| Name | Magna International AG |
|---|---|
| Gründung | 1957 |
| Hauptsitz | Aurora, Kanada |
| Europäischer Hauptsitz | Wien, Österreich |
| Branche | Automobilzulieferer |
| Mitarbeiterzahl | Rund 170.000 weltweit, davon 14.225 in Deutschland |
| Produktionsstandorte in Deutschland | 31 |
| Umsatz 2022 | 37,8 Milliarden US-Dollar (34,29 Milliarden Euro) |
Am Standort im Kreis Tuttlingen hatte es bereits in der Vergangenheit gebrodelt. Im Jahr 2021 traten die Mitarbeiter unter Anleitung der IG Metall beispielsweise in einen Warnstreik. Dass das Werk, wie im vergangenen Jahr das im unterfränkischen Dorfprozelten, durch Proteste vor einer Schließung bewahrt werden kann, ist aber eher unwahrscheinlich. Magna hat angekündigt, Mitte Juni das Werk von Tochter „Magna Powertrain“ in Köln schließen zu wollen, wie 24RHEIN berichtet. Auch der schwäbische Autozulieferer ZF Friedrichshafen hat angekündigt, noch in diesem Jahr einen Standort in NRW zu schließen.
Neben Werk in Baden-Württemberg: Magna will Standorte in Köln und Roitzsch schließen
Neben den Standorten im baden-württembergischen Dürbheim und im Kölner Stadtteil Niehl soll das Magna-Werk in Roitzsch (Sachsen-Anhalt) bis Ende 2024 geschlossen werden. Laut übereinstimmenden Medienberichten laufen an den Standorten derzeit Gespräche mit Arbeitnehmervertretern. Genaue Details zu diesen will der Konzern zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht kommunizieren. Für das Werk in Köln, wo derzeit Getriebe und Getriebekomponenten für Weltmarken wie Mercedes-Benz gefertigt werden, wird dieselbe Begründung wie für den Standort Dürbheim genannt.
Wie schwierig die aktuelle Marktlage selbst für die großen Konzerne ist, zeigen allein die angekündigten Sparmaßnahmen bei den drei größten deutschen Autozulieferern. Bosch muss in diesem Jahr allein in Baden-Württemberg 1.500 Stellen streichen, bei der ZF Friedrichshafen befürchtet der Betriebsratschef sogar den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen. Continental hat ebenfalls im vergangenen Jahr Sparmaßnahmen verkündet, von denen auch ein Standort in Baden-Württemberg betroffen sein könnte.
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