VonJulian Baumannschließen
Der Industriekonzern Dormakaba wird seinen Standort in Baden-Württemberg doch nicht schließen. Ein Teil der Belegschaft muss dennoch gehen.
Bühl - Im vergangenen Jahr hatte der Schweizer Industriekonzern Dormakaba angekündigt, weltweit mindestens 800 Vollzeitstellen abbauen und einen Standort in Baden-Württemberg bis 2025 schließen zu wollen. Die IG Metall hat daraufhin Widerstand angekündigt und den Erhalt des Werks in Bühl (Kreis Rastatt) nahe Baden-Baden gefordert. Von einer Schließung wären ursprünglich rund 270 Mitarbeiter betroffen gewesen. Wie Gewerkschaftssekretär Thomas Flamm von der IG Metall Offenburg gegenüber BW24 bestätigte, konnte die Schließung des Standortes abgewendet werden.
Dormakaba mit Hauptsitz in Rümlang im Schweizer Kanton Zürich ist auf Schließtechnologie spezialisiert und weltweit in über 40 Ländern aktiv. Als Grund für das Transformationsprogramm, zu dem eben auch die Schließung des Standorts Bühl gehören sollte, hatte der Konzern im August die Verbesserung der Profitabilität und das Erreichen von mittelfristigen Wachstumszielen angegeben. Die Arbeitnehmervertreter konnten aber ein Alternativkonzept vorlegen, das den Erhalt des Standortes sichert. Ein Teil der Belegschaft in Bühl muss dennoch gehen.
Dormakaba-Standort in Baden-Württemberg gerettet – Alternativkonzept überzeugt Konzern
Die Schließung des Dormakaba-Standorts im baden-württembergischen Bühl war eigentlich beschlossene Sache und löste im vergangenen Jahr sowohl bei den Arbeitnehmervertretern als auch in der regionalen Politik Bestürzung und Unverständnis aus. Wie Gewerkschaftssekretär Flamm im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt, war das ursprüngliche Konzept des Konzerns mit einem hohen Risiko verbunden, das er als „betriebswirtschaftliches Harakiri“ bezeichnet. „Die waren kurz davor, den gesamten Konzern gegen die Wand zu fahren“, so Flamm. Ein Alternativkonzept konnte die Schweizer aber zum Umdenken anregen.
| Name | dormakaba Holding AG |
| Gründung | 1862 |
| Hauptsitz | Rümlang, Schweiz |
| Branche | Schliesstechnik |
| Produkte | Automatische Türsysteme, Hochsicherheitssysteme und viele mehr |
| Standorte in Baden-Württemberg | Bühl (Kreis Rastatt), Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) |
| Mitarbeiter | über 15.000 weltweit |
| Umsatz | 2,94 Milliarden Euro (2022/2023) |
Das Alternativkonzept für den Standort wurde laut der IG Metall Offenburg von der Gewerkschaft in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und dem IMU Institut in Stuttgart ausgearbeitet und bedeute für den Konzern „ein bedeutend geringeres Risiko“. Dadurch konnte Dormakaba von den Schließungsplänen abgebracht werden, was Thomas Flamm als „Bekenntnis zum Standort“ bezeichnete. Die IG Metall hatte auch für den baden-württembergischen Standort von Outukumpu ein Alternativkonzept erarbeitet, das der finnische Stahlkonzern aber ablehnte.
IG Metall Offenburg geht von maximal 70 Arbeitsplätzen aus, die am Standort Bühl wegfallen
Wie der Gewerkschaftssekretär der IG Metall Offenburg erklärt, soll der Standort Bühl als Entwicklungs- und Produktionsstandort weiter bestehen, allerdings in leicht verkleinerter Form. „Derzeit sind in Bühl 242 Mitarbeiter beschäftigt, wir gehen davon aus, dass maximal 70 den Standort verlassen werden“, so Fromm. Diese Zahl sei allerdings nicht in Stein gemeißelt, da es bereits Eigenkündigungen gegeben habe und Stellen innerhalb des Konzerns umbesetzt werden sollen. Die Gewerkschaft rechnet nach eigenen Angaben mit dem Abbau von etwa 30 bis 40 Stellen.
Der Industriekonzern, der im Jahr 2015 aus den zuvor eigenständigen Unternehmen Dorma aus Deutschland und Kaba aus der Schweiz entstanden war, hatte sich laut übereinstimmenden Medienberichten bereits vor einigen Wochen für Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern offen gezeigt, was nun Früchte trug. Für ein seit langem bedrohtes Werk der ZF Friedrichshafen konnte vor wenigen Wochen dagegen keine Alternative gefunden werden; das Werk schließt zum Jahresende, wovon rund 200 Mitarbeiter betroffen sind.
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