Neue Entwicklungen

Bosch investiert Milliardensumme in deutsche Standorte – wird Stellenabbau weniger drastisch?

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Bosch hat einen drastischen Stellenabbau in mehreren Bereichen angekündigt, aktuelle Entwicklungen lassen jedoch hoffen – zumindest für einen Teil der Belegschaft.

Stuttgart - Seit Ende des vergangenen Jahres hat beim Stuttgarter Weltkonzern Bosch eine Hiobsbotschaft die vorherige gejagt. Allein im größten Konzernbereich, der Automotive-Sparte, will der weltgrößte Autozulieferer kumuliert mehr als 3.000 Stellen abbauen. Zudem sind auch der Geschäftsbereich Power Tools sowie die Hausgerätetochter BSH von massiven Sparmaßnahmen betroffen. Als Reaktion auf diese Ankündigungen hatten sich am 20. März bundesweit 25.000 Boschler vor den Werken versammelt, nachdem die Arbeitnehmervertreter zu Widerstand gegen den Stellenabbau bei Bosch aufgerufen hatten.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Als Grund für den massiven Stellenabbau nannte der schwäbische Technologiekonzern vorrangig eine notwendige Kostenreduktion. Betriebsbedingte Kündigungen soll es gemäß einer Vereinbarung mit Arbeitnehmervertretern bis Ende 2027 aber nicht geben. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, hat Bosch als Reaktion auf die massiven Proteste hohe Investitionen in die deutschen Standorte angekündigt. Zudem zeigte sich der Konzern für Lösungen, die den Stellenabbau zumindest abmildern könnten, offen. Die Angst vor einem großen Stellenabbau an einem Standort im Südwesten hatte Bosch bereits revidiert.

Bosch offen für Lösungsvorschläge, die Stellenabbau abmildern könnten

Dem Bericht zufolge haben sich der Betriebsrat der Mobility-Standorte, die Automotive-Sparte von Bosch, und der Konzern gemeinsam auf hohe Investitionen an den deutschen Standorten geeinigt, um die Sparmaßnahmen abzumildern. Demnach verpflichtete sich das Unternehmen, in den kommenden zwei Jahren insgesamt vier Milliarden Euro in den Mobility-Geschäftsbereich zu investieren, teilte der Betriebsrat am Mittwoch (17. April) mit. Bosch-Chef Stefan Hartung hatte bereits in der Vergangenheit betont, künftig weniger Mitarbeiter zu beschäftigen, aber auch eine enge Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern angekündigt.

Name Robert Bosch GmbH
Gründungsjahr 1886
Gründer Robert Bosch
Hauptsitz Stuttgart, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte
Produkte (Auswahl) Bremsen, Einspritzsysteme, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte, Fahrerassistenzsysteme, Industrietechnik
Mitarbeiter427.600 (2023)
Umsatz91,6 Milliarden Euro (2023)

Die Investitionen in Milliardenhöhe für die deutschen Bosch-Mobility-Standorte sollen vorrangig in Maschinen und Anlagen sowie in die Forschung und Entwicklung investiert werden. Gegenüber der dpa erklärte Arbeitsdirektor Stefan Grosch außerdem, dass der Konzern unter bestimmten Bedingungen für Lösungsvorschläge offen sei, die den angekündigten Stellenabbau abmildern könnten. „Um nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben, kommen wir um einen Stellenabbau nicht herum“, machte er deutlich. „Doch wir sind offen für Alternativen, um diesen geringer zu gestalten als geplant – vorausgesetzt, wir können Kosten dauerhaft senken.“

Bosch-Betriebsrat sieht aktuelle Entwicklung als Durchbruch bei den Verhandlungen

Die Verhandlungen zwischen den Arbeitnehmervertretern und Bosch sind zwar noch nicht abgeschlossen, durch die neuen Entwicklungen aber zumindest ein gutes Stück vorangekommen. Zusätzlich hatte der Konzern dem Betriebsrat zugesichert, rund 700 Millionen Euro in die Weiterbildung der Mitarbeiter im Geschäftsbereich Mobility zu investieren. Der Stellenabbau im größten Geschäftsfeld ist nämlich vor allem der Transformation zur E-Mobilität geschuldet, die manche Jobprofile künftig nicht mehr notwendig macht. Dieser Umstand wirkt sich auch auf die ZF Friedrichshafen aus, bei der aktuell ebenfalls tausende Stellen zur Disposition stehen.

Die massiven Proteste gegen den Stellenabbau bei Bosch zeigen offenbar Wirkung. Neue Entwicklungen lassen hoffen.

In den Verhandlungen, die nach dem Willen des Betriebsrats bald zu einem Abschluss gebracht werden sollen, werden die Entwicklungen als Durchbruch gewertet. „Wir haben uns eine Verhandlungsstruktur gegeben“, erklärte Bosch Mobility-Betriebsratschef Frank Sell am Mittwoch. „Es geht jetzt darum, zu dem geplanten Personalabbau Alternativen zu entwickeln.“ Dabei würden die Beschäftigungschancen der Mitarbeiter in Deutschland an erster Stelle stehen. Der schwäbische Weltkonzern beschäftigt weltweit mehr als 427.000 Mitarbeiter, davon rund 133.400 in Deutschland.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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