VonJulian Baumannschließen
Bosch hat einen drastischen Stellenabbau in mehreren Bereichen angekündigt, aktuelle Entwicklungen lassen jedoch hoffen – zumindest für einen Teil der Belegschaft.
Stuttgart - Seit Ende des vergangenen Jahres hat beim Stuttgarter Weltkonzern Bosch eine Hiobsbotschaft die vorherige gejagt. Allein im größten Konzernbereich, der Automotive-Sparte, will der weltgrößte Autozulieferer kumuliert mehr als 3.000 Stellen abbauen. Zudem sind auch der Geschäftsbereich Power Tools sowie die Hausgerätetochter BSH von massiven Sparmaßnahmen betroffen. Als Reaktion auf diese Ankündigungen hatten sich am 20. März bundesweit 25.000 Boschler vor den Werken versammelt, nachdem die Arbeitnehmervertreter zu Widerstand gegen den Stellenabbau bei Bosch aufgerufen hatten.
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Als Grund für den massiven Stellenabbau nannte der schwäbische Technologiekonzern vorrangig eine notwendige Kostenreduktion. Betriebsbedingte Kündigungen soll es gemäß einer Vereinbarung mit Arbeitnehmervertretern bis Ende 2027 aber nicht geben. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, hat Bosch als Reaktion auf die massiven Proteste hohe Investitionen in die deutschen Standorte angekündigt. Zudem zeigte sich der Konzern für Lösungen, die den Stellenabbau zumindest abmildern könnten, offen. Die Angst vor einem großen Stellenabbau an einem Standort im Südwesten hatte Bosch bereits revidiert.
Bosch offen für Lösungsvorschläge, die Stellenabbau abmildern könnten
Dem Bericht zufolge haben sich der Betriebsrat der Mobility-Standorte, die Automotive-Sparte von Bosch, und der Konzern gemeinsam auf hohe Investitionen an den deutschen Standorten geeinigt, um die Sparmaßnahmen abzumildern. Demnach verpflichtete sich das Unternehmen, in den kommenden zwei Jahren insgesamt vier Milliarden Euro in den Mobility-Geschäftsbereich zu investieren, teilte der Betriebsrat am Mittwoch (17. April) mit. Bosch-Chef Stefan Hartung hatte bereits in der Vergangenheit betont, künftig weniger Mitarbeiter zu beschäftigen, aber auch eine enge Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern angekündigt.
| Name | Robert Bosch GmbH |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1886 |
| Gründer | Robert Bosch |
| Hauptsitz | Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte |
| Produkte (Auswahl) | Bremsen, Einspritzsysteme, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte, Fahrerassistenzsysteme, Industrietechnik |
| Mitarbeiter | 427.600 (2023) |
| Umsatz | 91,6 Milliarden Euro (2023) |
Die Investitionen in Milliardenhöhe für die deutschen Bosch-Mobility-Standorte sollen vorrangig in Maschinen und Anlagen sowie in die Forschung und Entwicklung investiert werden. Gegenüber der dpa erklärte Arbeitsdirektor Stefan Grosch außerdem, dass der Konzern unter bestimmten Bedingungen für Lösungsvorschläge offen sei, die den angekündigten Stellenabbau abmildern könnten. „Um nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben, kommen wir um einen Stellenabbau nicht herum“, machte er deutlich. „Doch wir sind offen für Alternativen, um diesen geringer zu gestalten als geplant – vorausgesetzt, wir können Kosten dauerhaft senken.“
Bosch-Betriebsrat sieht aktuelle Entwicklung als Durchbruch bei den Verhandlungen
Die Verhandlungen zwischen den Arbeitnehmervertretern und Bosch sind zwar noch nicht abgeschlossen, durch die neuen Entwicklungen aber zumindest ein gutes Stück vorangekommen. Zusätzlich hatte der Konzern dem Betriebsrat zugesichert, rund 700 Millionen Euro in die Weiterbildung der Mitarbeiter im Geschäftsbereich Mobility zu investieren. Der Stellenabbau im größten Geschäftsfeld ist nämlich vor allem der Transformation zur E-Mobilität geschuldet, die manche Jobprofile künftig nicht mehr notwendig macht. Dieser Umstand wirkt sich auch auf die ZF Friedrichshafen aus, bei der aktuell ebenfalls tausende Stellen zur Disposition stehen.
In den Verhandlungen, die nach dem Willen des Betriebsrats bald zu einem Abschluss gebracht werden sollen, werden die Entwicklungen als Durchbruch gewertet. „Wir haben uns eine Verhandlungsstruktur gegeben“, erklärte Bosch Mobility-Betriebsratschef Frank Sell am Mittwoch. „Es geht jetzt darum, zu dem geplanten Personalabbau Alternativen zu entwickeln.“ Dabei würden die Beschäftigungschancen der Mitarbeiter in Deutschland an erster Stelle stehen. Der schwäbische Weltkonzern beschäftigt weltweit mehr als 427.000 Mitarbeiter, davon rund 133.400 in Deutschland.
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