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Oberbürgermeister Richard Arnold besucht den Lions Club Limes-Ostalb auf dem Weihnachtsmarkt und kritisiert dabei die Verteilung der EU-Fördergelder in Europa.
Schwäbisch Gmünd. Viel Lob für das ehrenamtliche Engagement, aber auch deutliche Worte, was die Situation bei Bosch betrifft. Oberbürgermeister Richard Arnold hat bei einem Glühwein am Stand des Lions Clubs Limes-Ostalb eine klare Ansage gemacht.
Herr Arnold, der Lions Club Limes-Ostalb stemmt den Stand auf dem Weihnachtsmarkt ehrenamtlich. Wie wichtig ist diese Arbeit?
Richard Arnold: Gerade in diesen Zeiten ist alles, was dazu beiträgt, dass Menschen zusammenkommen, sich begegnen und austauschen, sehr wertvoll. Wir spüren, dass das Bedürfnis, sich zu treffen, wichtiger wird, wenn der wirtschaftliche und emotionale Druck zunimmt. Die Menschen können hier vergessen, was ihnen auf den Schultern lastet. Der Weihnachtsmarkt ist ein Stück Heimat.
Besonders groß sind die Sorgen derzeit bei den Beschäftigten von Bosch. Sie haben aktuell mit der Geschäftsleitung telefoniert.
Arnold: Ich telefoniere fast täglich mit denen, auch diesmal wieder. Ich möchte deutlich machen, wie schwer die Situation ist für die Betroffenen. Denn denen wird jetzt erst klar, was das bedeutet. Ausgehend von jetzt bis 2030 würden 57 Prozent der Stellen wegfallen. Das ist mehr als jeder zweite Arbeitsplatz. Und da kann man sich ausmalen, wie sehr die Menschen unter Druck geraten und ihnen nicht nach besinnlichen Weihnachten zumute ist.
Was muss jetzt getan werden?
Arnold: Ich erwarte, dass die Landespolitik vor Ort deutlich macht, wie wichtig der Standort ist – auch für Baden-Württemberg. Und dass wir gemeinsam in Brüssel vorstellig werden. Denn Transformation braucht europäische Begleitung.
Wenn die Jobs wie geplant wegfallen, stehen irgendwann all' die Produktionshallen leer. Machen Sie sich schon Gedanken, was mit diesen Gebäuden passiert?
Arnold: Noch sind die Leute da, noch ist die Produktion da. Wir haben es mit einer Zukunftstechnologie zu tun, die dort trotz schwieriger Bedingungen in der Gewinnzone ist. Vielleicht nicht so, wie es sich der Boschkonzern vorstellt. Aber man hat sich von den roten in die schwarzen Zahlen hochgearbeitet. Und deshalb erwarte ich, dass der Zukunftssicherungspakt eingehalten wird und bis 2026 nichts unternommen wird, was gegen diesen Pakt geht.
Da geht es nicht nur um die Beschäftigten.
Arnold: Nein, da geht es auch um Investitionen am Standort. Wir haben im Schießtal technologische Perlen und neue Ideen für die Lenkungen, das kommt gedanklich alles aus Gmünd. Beispielsweise haben wir die erste CO2-freie Härterei in Europa. Das soll nicht unter die Räder kommen. Das ist nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde hier entwickelt. Und das kann man nicht einfach versetzen. Das lebt von den Leuten.
Den Unternehmen winken hohe EU-Fördergelder aus Brüssel.
Arnold: Brüssel muss jetzt ein Thema sein. Dass die Fördergelder, die nach Mittel- und Osteuropa gehen, nicht wettbewerbsverzerrend werden. Denn so empfingen wir das. Das ist ein Riesennachteil. Unter diesen Umständen kann man Baden-Württemberg von diesen Förderungen nicht ausklammern. Das geht nicht. Denn Transformation heißt nicht, Deutschland dicht zu machen. Transformation heißt, die Industrieproduktion in Deutschland weiterzuentwickeln. Dazu braucht es auch europäische Begleitung.
Der Standort Deutschland hat also viel zu bieten?
Arnold: Ja, wir haben sehr viel an Potenzial. Natürlich sind wir nicht glücklich über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie die zu hohen Energie-, Bürokratie- und Arbeitskosten. Aber wir haben auch etwas zu bieten. Und deshalb haben wir gemeinsam hier eine Zukunft, wenn wir die politische Unterstützung haben.
Buch: Gutlse des Lions Clubs nachbacken
Der Lions Club Limes-Ostalb bietet am Stand auf dem Gmünder Weihnachtsmarkt wieder sein Backbuch „Feines Gebäck & Aufstriche“ an. Damit können Gutsle, die es am Stand zu kaufen gibt, nachgebacken werden. Das Buch kostet zwölf Euro.
