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Holger Klein, CEO der ZF Friedrichshafen, steht vor großen Entscheidungen. Ein Stellenabbau scheint unvermeidbar, konkrete Zahlen will er aber nicht bestätigten.
Friedrichshafen - Vor Kurzem hatten sich Hunderte Mitarbeiter verschiedener Werke der ZF Friedrichshafen am Konzernsitz in der Zeppelinstadt am Bodensee versammelt, um gegen Werkschließungen, Stellenabbau und Auslandsverlagerung zu protestieren. In diesem Zuge erklärte der Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich, dass bei ZF in den kommenden Jahren allein in Deutschland 12.000 Stellen abgebaut werden sollen. Konzernchef Holger Klein, der den zweitgrößten Autozulieferer Deutschlands seit einem Jahr leitet, will die Zahl nicht direkt kommentieren.
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Dass das Management des schwäbischen Weltkonzerns für bestimmte Standorte keine Zukunft mehr sieht, verheimlicht der ZF-Chef im Interview mit dem Handelsblatt allerdings nicht. Bereits vor dem Jahreswechsel hatte ZF angekündigt, das seit langem auf der Kippe stehende Werk in Gelsenkirchen Ende 2024 schließen zu wollen und der Standort in Eitorf soll bis spätestens Ende 2027 ebenfalls geschlossen werden. Befürchtet wird allerdings, dass noch deutlich mehr Standorte vor dem Aus stehen könnten.
ZF Friedrichshafen sieht für gewisse Standorte keine Zukunft mehr
ZF-Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich hatte bereits im vergangenen Jahr vor einem drastischen Kahlschlag beim Autozulieferer gewarnt und seine Warnung am 17. Januar bei der besagten Kundgebung in Friedrichshafen erneuert. Die Zahl von 12.000 Arbeitsplätzen, die allein in Deutschland abgebaut werden sollen, will CEO Klein in der Debatte aber ausblenden. „Ich halte es für unseriös, weil Sie mit pauschalen Zahlen sehr schnell eine allgemeine Panik verursachen“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Stattdessen gehe es darum, für möglichst viele Beschäftigte des Stiftungskonzerns eine Zukunft zu schaffen.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 164.869 (Stand: 2022) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte\t | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 43,8 Milliarden Euro (2022) |
| Geschäftsführung\t | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Dafür hat die ZF Friedrichshafen mit der Gewerkschaft IG Metall sogenannte „Zielbilder“ für die deutschen Standorte vereinbart. Allerdings gibt es selbst am Konzernsitz noch Tausende Mitarbeiter, ohne konkrete Zukunftssicherung. Für einige Werke sieht die Zukunft allerdings trotz der Vereinbarung düster aus. „Es gibt gewisse Standorte, an denen wir keine Zukunft sehen“, sagte Holger Klein und nannte das Werk in Eitorf als Beispiel. „Wir arbeiten schon sehr lange daran, den Standort wettbewerbsfähig zu machen“, führte er aus. „Hier machen wir beispielsweise mit der Fertigung von Kolbenstangen seit Jahren Verluste.“
Weltweit 200 Standorte der ZF Friedrichshafen auf dem Prüfstand
Künftig soll die Produktion deshalb kostengünstig in der Türkei gebündelt werden. Mit den Arbeitnehmervertretern werde derzeit über die Organisation der Schließung des Standorts Eitorf verhandelt, so Klein. Erst vor wenigen Tagen war ein Investorengespräch für das bedrohte ZF-Werk gescheitert, weshalb die 700 Mitarbeiter weiter bangen müssen. „Es ist für mich ein Gebot der Fairness, erst den Dialog mit den betroffenen Beschäftigten zu führen, bevor wir in der Öffentlichkeit darüber sprechen“, betont der ZF-Chef. Auch den massiven Stellenabbau in Deutschland will der Konzern nach Möglichkeit ohne Kündigungen abwickeln.
Die Werke in Gelsenkirchen und Eitorf sind jedoch nicht die einzigen Standorte der ZF Friedrichshafen, die derzeit auf dem Prüfstand stehen. „Es geht um rund 200 Werke weltweit“, sagte Holger Klein. „Wir wissen als Management schon selbst, wo die langjährig unprofitablen und damit problematischen Werke sind.“ Neben ZF hat auch Bosch jüngst drastische Sparmaßnahmen verkündet. Der weltweit größte Autozulieferer will in naher Zukunft kumuliert über 3.000 Stellen in Deutschland abbauen.
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