VonJulian Baumannschließen
Der Maschinenbau in Baden-Württemberg steht vor großen Herausforderungen. IG Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch sieht dringenden Handlungsbedarf.
Stuttgart - Neben der Automobilindustrie ist der Maschinenbau mit Weltmarktführern wie Stihl oder auch Trumpf einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Baden-Württembergs. Aktuell stehen allerdings beide Branchen vor großen Herausforderungen. Im ersten Halbjahr 2024 haben beispielsweise mehrere Maschinenbauer für Teile der Belegschaft Kurzarbeit angemeldet und ein Unternehmen der Kärcher-Gruppe verlagerte Arbeitsplätze ins Ausland. Durch die aktuelle Entwicklung in der für die Wirtschaft in Baden-Württemberg so wichtigen Branche ist die IG Metall in höchster Alarmbereitschaft.
In einem Artikel in der aktuellen Ausgabe des IG Metall-Mitarbeitermagazins metall (Ausgabe 7-8/2024) äußerte Bezirksleiterin Barbara Resch, die den Posten Anfang des Jahres von Roman Zitzelsberger übernommen hatte, große Sorgen um die Maschinenbauindustrie in Baden-Württemberg. „Viel steht auf dem Spiel!“, erklärte sie. „Wenn wir jetzt nicht den Hebel umlegen, droht ein Abbau von Beschäftigung und der Verlust industrieller Substanz sowie Kompetenz.“ Ihr Vorgänger hatte Ende 2023 vor weiteren Werkschließungen und Sparmaßnahmen in der Autoindustrie gewarnt.
IG Metall fordert starke Impulse von Maschinenbauindustrie in Baden-Württemberg
Die Sorgen der baden-württembergischen IG Metall-Chefin sind alles andere als unbegründet. Erst kürzlich hatte Stihl-Beiratschef Nikolas Stihl erklärt, in den kommenden Jahren nicht in die Produktion in Deutschland investieren zu wollen. Stattdessen investiert das Waiblinger Traditionsunternehmen eine zweistellige Millionensumme in die Produktion in den USA. Durch Auslandsverlagerungen und durch den steigenden Konkurrenzdruck sehen die Arbeitnehmervertreter die Spitzenposition Baden-Württembergs im Maschinenbau gefährdet. „Damit wir unsere Spitzenposition halten können, braucht es jetzt starke Impulse seitens der Unternehmen selbst, aber auch durch die Politik“, so Resch.
Die IG Metall Baden-Württemberg hat deshalb im Vorfeld einer Konferenz die Betriebsratsvorsitzenden von 137 Maschinenbaubetrieben im Land nach ihren Zukunftsaussichten befragt. Die in dem Artikel im metall-Magazin festgehaltenen Ergebnisse sind durchaus alarmierend. Demnach erklärten 39 Prozent, dass sie ihre Zukunftsperspektive bis 2030 als eher schlecht einschätzen und 34 Prozent haben keine Zukunftsstrategie für den Standort Baden-Württemberg. Noch deutlicher fällt zudem die Zufriedenheit mit den politischen Rahmenbedingungen im Land aus, die ganze 80 Prozent als nicht förderlich bezeichneten.
Maschinenbauer in Baden-Württemberg kämpfen mit deutlichen Einbußen im Auftragseingang
Die von der IG Metall befragten Betriebsratschefs stellten deshalb direkte Forderungen an ihre Unternehmen, um den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg langfristig stärken zu können. Besonders gefordert wurde dabei, in die heimischen Standorte zu investieren, diese zu modernisieren und die Beschäftigung damit zu sichern. Chemiekonzern Evonik hat sich jüngst zu seinem Standort in Baden-Württemberg bekannt und damit Arbeitsplätze gesichert; dasselbe wird demnach auch von den heimischen Maschinenbauunternehmen gefordert. „Wir erwarten von den Unternehmen ein klares Bekenntnis zum Standort Baden-Württemberg“, betonte Barbara Resch in dem Artikel.
Für die Unternehmen ist die aktuelle Lage aber alles andere als einfach. Der Landesverband des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) teilte in Stuttgart mit, dass die baden-württembergischen Maschinenbauer beim Auftragseingang deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Die Maschinenbaubranche in Baden-Württemberg ist mit diesen Herausforderungen nicht allein; dasselbe lässt sich in großen Teilen auch auf die Autozulieferindustrie im Land beziehen. Als positive Nachricht der vergangenen Monate kann jedoch festgehalten werden, dass der angekündigte drastische Stellenabbau bei Bosch nach massiven Protesten deutlich geringer ausfallen soll.
Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa


