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Das Waiblinger Traditionsunternehmen Stihl will eine hohe zweistellige Millionensumme in die Produktion von Akkugeräte investieren. Dabei gibt es aber einen Haken.
Waiblingen - Der Kettensägen-Weltmarktführer Stihl mit Sitz in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) hadert bereits seit einiger Zeit mit den hohen Produktionskosten in Deutschland. Nachdem das Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg seine Neubaupläne in Ludwigsburg auf Eis gelegt und stattdessen eine Ansiedlung in der Schweiz geprüft hatte, wurden Spekulationen laut, dass Stihl seine Tätigkeit vollständig ins Nachbarland verlagern könnte. Dieser Darstellung hat die Geschäftsführung bei der Vorstellung der Jahreszahlen für 2023 zwar deutlich widersprochen; dennoch investiert Stihl verstärkt im Ausland.
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Erst vor wenigen Wochen hatte Stihl den Bau eines neuen Werkes in Rumänien begonnen, das rund 700 Arbeitsplätze schaffen soll. Auch in den USA will das schwäbische Familienunternehmen weiter investieren. Wie Welt aktuell berichtet, sind die Motorsägen und andere Geräte des Weltmarktführers in den Vereinigten Staaten besonders beliebt und genießen bereits Kultstatus. Zudem würden die Herstellungskosten in den USA rund 30 Prozent unter denen in Deutschland liegen, weswegen Stihl seine Investitionen in die Produktion von Akkugeräten verstärken will.
Stihl will mindestens 56 Millionen Euro in Produktion von Akkumaschinen in den USA investieren
Das 1926 ursprünglich in Stuttgart gegründete Unternehmen Stihl ist inzwischen in mehr als 160 Ländern tätig und bereits seit über 50 Jahren in den USA vertreten. Obwohl Stihl angekündigt hat, den Verbrenner-Geräten nicht abschwören zu wollen, soll die Umstellung auf Elektrogeräte vor allem in den Vereinigten Staaten vollzogen werden. „Wir sind mitten in einer Transformation“, erklärte Vorstandschef Michael Traub laut Welt. Bis 2025 will das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg mindestens 60 Millionen US-Dollar (rund 56 Millionen Euro) in die Produktion von Akkumaschinen investieren.
| Name | Stihl Holding AG & Co. KG (STIHL) |
|---|---|
| Gründung | 1926 |
| Sitz | Waiblingen-Neustadt, Baden-Württemberg |
| Branche | Maschinenbau |
| Produkte | Motorgeräte für verschiedene Branchen, Hochdruckreiniger |
| Mitarbeiter | 19.085 (Ende 2023) |
| Umsatz | 5,3 Milliarden Euro (2023) |
Dass Stihl die Zukunftsproduktion in den USA ansiedelt, ist sicherlich kein Zufall, da der Gerätehersteller bereits jetzt rund zwei seiner zuletzt erzielten 5,5 Milliarden Euro Umsatz in den Staaten erzielt. Allerdings spielt bei der Wahl offenbar auch die deutsche Politik eine Rolle, die von Beiratschef Nikolas Stihl bereits seit Langem deutlich kritisiert wird. „Investitionen in eine neue Fertigung in Deutschland wird es von uns in den nächsten fünf Jahren ganz bestimmt nicht geben“, erklärte der Enkel des Firmengründers Andreas Stihl.
Traditionsunternehmen musste 2023 einen Umsatzrückgang verkraften
Das Waiblinger Traditionsunternehmen hat, wie viele andere Unternehmen der Branche, derzeit nicht nur mit hohen Produktionskosten zu kämpfen, sondern musste im vergangenen Jahr einen deutlichen Umsatzrückgang verkraften. Das hatte auch Einfluss auf die weltweite Mitarbeiterzahl, die sich von 20.552 auf 19.085 verringerte. An den Standorten in Baden-Württemberg ist die Zahl der Mitarbeiter dagegen sogar gestiegen, obwohl das Stammhaus ebenfalls einen Umsatzrückgang verbuchen musste.
BW24 hatte bereits darüber berichtet, dass mehrere Familienunternehmen aus Baden-Württemberg in Deutschland einen Standortnachteil beklagten.
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