Kommunalwahl

Pecha-Kucha-Abend zur Gemeinderatswahl in Aalen: So bewährten sich die Redner

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Thomas Maile und Gerburg Maria Müller moderieren den Pecha-Kucha-Abend im Innenhof der Schwäbischen Post.
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Kandidatinnen und Kandidaten, die in den Aalener Gemeinderat wollen, stellten sich bei der Pecha-Kucha-Nacht der SchwäPo vor. Gewählt wird an diesem Sonntag, 9. Juni.

Aalen. Es war die letzte große Veranstaltung im SchwäPo-Verlagshaus in der Bahnhofstraße vor dem Umzug der SDZ-Mediengruppe in die Aalener Innenstadt, wo das Medienhaus im September Richtfest gefeiert hatte. Bei der Pecha-Kucha-Nacht haben sich Kandidatinnen und Kandidaten für die Gemeinderatswahl in Aalen vorgestellt. Bei diesem Format zeigen die Rednerinnen und Redner 20 Folien und haben pro Folie 20 Sekunden Zeit zu sprechen. „Wir helfen Ihnen, zu erkennen, wo Sie Ihr Kreuzle machen sollen“, leitete Moderator Thomas Maile ein.

SchwäPo-Chefredakteur Constantin Blaß sprach in seiner Begrüßung von einem „leidenschaftlichen Wahlkampf“. Über das, was man in diesem Wahlkampf in Aalen schon erlebt hätte, könne man Bücher schreiben. „Auch ein paar unrühmliche“, so Blaß. Maile ging darauf ein, dass nur neun von zehn Listen eingeladen worden seien – wegen des Vorkommnisses auf dem Wochenmarkt. Gemeint war der Angriff auf CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter. „Wer schupst, fliegt raus“, kommentierte Moderatorin Gerburg Maria Müller. Anschließend betraten die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge die Bühne.

Dr. Frank Gläser (AfD) spricht über CO₂

Dr. Frank Gläser, AfD.

Dr. Frank Gläser (AfD) sprach kaum über Kommunalpolitik, sondern über den Klimawandel, CO₂ und erneuerbare Energien. In seiner Präsentation zu sehen waren viele Grafiken und Tabellen. Es fielen Sätze wie: „Um wie viel steigt der Meeresspiegel an, wenn das Nordpolareis schmilzt? Um keinen Millimeter. Das wusste schon Archimedes.“ Oder: „Sonne und Wind schicken keine Rechnung, aber auch keinen Strom.“ Als Stichwort nannte er die „Dunkelflaute“. Am Ende gab es höflich-verhaltenen Applaus.

Murat Göl (Vision Aalen) denkt an den verstorbenen Polizisten in Mannheim

Murat Göl, Vision Aalen.

Murat Göl (Vision Aalen) stellte die neue Liste "Vision Aalen" vor, auf der fast ausschließlich Menschen mit türkischem Migrationshintergrund kandidieren. „Wir sind Kinder dieser Stadt“, sagte Göl. Stolz sei man auf das Durchschnittsalter von 30 Jahren und den Frauenanteil von 51 Prozent. Wichtige Themen seien Wohnraum, Kinderbetreuung und die Stärkung des Ehrenamts. Er zeigte ein Bild, auf dem ein Wald zu sehen war und sagte: „Sehen Sie nicht nur den einen Teil im Wald, sehen Sie die Vielfalt im Wald.“ Am Ende ging der Dank an die anderen Kandidierenden – nicht an alle Kandidierenden. Außerdem drückte Göl Beileid für den verstorbenen Polizisten in Mannheim aus.

Christian Hellriegel (Aktive Bürger) kandidiert bei der "Liste Norbert Rehm"

Christian Hellriegel, Aktive Bürger.

Christian Hellriegel (Aktive Bürger) nannte seine Liste, die „Liste Norbert Rehm“. Unter der Überschrift „Nicht noch ein Steg“ sprach er über Großprojekte, wie den Steg, das Kombibad und den Kulturbahnhof. Im Moment gebe es keine Möglichkeit, weitere Großprojekte umzusetzen. Der Standort für den Regionalversorger müsse geprüft werden. „Für uns ist Aalen der perfekte Klinikstandort.“ Dafür gab es Zwischenapplaus. Als weitere Ziele nannte er unter anderem lebenswerte Stadtteile, Vernetzung der Bildungseinrichtungen, Stärkung des Tourismus, sozialen Wohnungsbau und Aalen als Sportstadt mit Eishalle. „Wir sind mehr als nur Fahrrad.“

Sabine Kollmann (Freie Wähler) wünscht sich Rufbusse in den Teilorten

Sabine Kollmann, Freie Wähler.

Sabine Kollmann (Freie Wähler) erläuterte, dass die Freien Wähler nichts mit der gleichnamigen Partei zu tun hätten. „Wir sind ein Verein.“ Sie sprach über Stadtentwicklung, Wohnmischformen, Kinderbetreuung, Angebote für Jugendliche und Senioren. Bei der Mobilität sei das Miteinander von verschiedenen Verkehrsformen wichtig – Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer. Rufbusse nannte sie als Idee für die Teilorte. Vereine seien wichtig für Integration und Inklusion. Zur Liste sagte sie: „Wir haben mehr Frauen als früher und viele junge Leute.“

Alex Kornelsen (FDP Plus) bringt Mitschülern bei, was der Gemeinderat ist

Alex Kornelsen, FDP Plus

Alex Kornelsen (FDP Plus)war der jüngste Redner. „Ich möchte jungen Menschen zeigen, dass auch junge Menschen in der Politik etwas erreichen können“, sagte der 17-Jährige. „Ohne meine Kandidatur hätten die Mitschüler nicht gewusst, was eigentlich ein Gemeinderat und was ein Kreistag ist.“ Kornelsen möchte die Radinfrastruktur verbessern, lokale Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen und er kritisiert, dass der Gemeinderat an den iPads für Schüler gespart habe. „Man kann sie im Unterricht nicht wirklich benutzen.“

Julia Marwan (Die Linke) wünscht sich kostenlosen öffentlichen Nahverkehr

Julian Marwan, Die Linke.

Julian Marwan (Die Linke) nannte verschiedene Ziele, die seine Liste für Aalen hat. Unter anderem eine klimafreundliche, grüne Innenstadt, Barrierefreiheit, Angsträume abschaffen, den ÖPNV langfristig kostenlos zu machen, Rufbusse wie in Ellwangen einzuführen und sozialer Wohnungsbau. „Alle Klinikstandorte im Ostalbkreis sollen bleiben“, sagte Marwan. Außerdem sprach er sich für das Werbeverbot für die Bundeswehr an Schulen aus.

Petra Pachner (SPD) will hartnäckig für die Interessen der Bürger kämpfen

Petra Pachner, SPD.

Petra Pachner (SPD) zeigte eine kreative Präsentation mit Tierfotos, beginnend mit einer Füchsin. Die SPD habe alte und junge Füchse auf der Liste. Zum Bild eines Löwen sagte sie: „Wir kämpfen hartnäckig für die Interessen der Bürger.“ Als Beispiele nannte sie unter anderem bezahlbaren Wohnraum („Wohnen darf nicht nur vom Geldbeutel abhängig sein"), den Ausbau der Betreuung („Ich habe selbst zwei Kinder und habe immer ganztags gearbeitet“), die Digitalisierung an Schulen, eine lebendige Innenstadt und Umweltschutz.

Ulrike Richter (Grüne) hat eine Zukunftsvision

Ulrike Richter, Bündnis 90/Grüne.

Ulrike Richter (Grüne) nahm die Gäste mit auf eine Zeitreise. Bei der Stadtführung im Jahr 2040 stellte sie fest, dass die Demokratie stabil ist. „Gewalt gegen Polizisten oder Politiker geht gar nicht. Alles Gute für Herrn Kiesewetter.“ 2040 sei Aalen klimaneutral. Bildung und Betreuung sind in Richters Zukunftsvision verlässlich geworden, alle Verkehrsformen sind gleichwertig, die Wirtschaft hat die Transformation geschafft, es gibt genügend bezahlbaren Wohnraum und lebendige Ortschaften. Der grauhaarige OB eröffnet in seiner dritten Amtszeit die Reichsstädter Tage.

Thomas Wagenblast (CDU) hat nur dreieinhalb Stunden geschlafen

Thomas Wagenblast, CDU.

Thomas Wagenblast (CDU) ist Dezernent im Landratsamt und war in der Nacht wegen des Hochwassers im Einsatz. Ob er geschlafen habe, fragte Maile. „Dreieinhalb Stunden“, antwortete Wagenblast und bedankte sich bei allen Helferinnen und Helfern. In seiner Präsentation fokussierte er sich auf Bildung und Betreuung, Digitalisierung an Schulen und Sicherheit und Sauberkeit in der Stadt. Laut einer Umfrage würden junge Leute den ZOB meiden. „Das darf nicht sein“. Wagenblast zeigte sich skeptisch, dass Aalen die Klimaneutralität bis 2035 erreichen kann. Aber dank eines CDU-Antrags zur Förderung von Balkonkraftwerken könne viel CO₂ eingespart werden. Er bedankte sich für die Anteilnahme nach dem Vorfall auf dem Wochenmarkt.

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