Schlüsselbranche in der Krise

Maschinenbauindustrie in Baden-Württemberg: Betriebsräte schlagen Alarm

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Maschinenbauer in Baden-Württemberg stehen vor Herausforderungen. Betriebsräte warnen vor sinkenden Umsätzen und Gewinnen und rufen zum Handeln auf.

Stuttgart/Esslingen - Neben der Automobilindustrie ist die Maschinenbaubranche das große Zugpferd der Wirtschaft in Baden-Württemberg. Seit einigen Monaten steht die Branche aber vor vielfältigen Herausforderungen und musste deshalb bereits entsprechend handeln. Mehrere Maschinenbauer aus Baden-Württemberg hatten im Frühjahr Kurzarbeit angemeldet und bei Maschinenbauer Dürr hat der Stellenabbau bei Tochter Homag deutlich auf den Gewinn gedrückt. Wie die IG Metall Esslingen in einer aktuellen Pressemitteilung schreibt, zeichnen auch die Betriebsräte der Maschinenbauer in der Region Stuttgart ein zunehmend düsteres Bild und rufen deshalb zum Handeln auf.

Konkret sieht das Branchennetzwerk Kfz-naher Maschinenbau der IG Metall Region Stuttgart, bestehend aus Betriebsratsvorsitzenden von Marktführern wie Trumpf aus Ditzingen, Dürr aus Bietigheim-Bissingen, INEX aus Esslingen und weiteren Maschinenbauunternehmen der Region, die Zukunftsfähigkeit der gesamten Branche bedroht und fordert von den Unternehmen aber auch vonseiten der Politik gewisse Maßnahmen. IG Metall-Chefin Barbara Resch hatte erst kürzlich vor einem drohenden Stellenabbau in der Maschinenbaubranche in Baden-Württemberg gewarnt.

Auftrags- und Gewinnrückgang und Kurzarbeit: Betriebsräte malen zunehmend düsteres Bild

Laut der Mitteilung der IG Metall ergab eine Umfrage unter den Betriebsräten der Maschinenbauer aus der Region Stuttgart, dass in den Unternehmen zunehmend die Umsätze und Gewinne zurückgehen und die Investitionen deshalb zurückgefahren werden. Eine Mehrheit der Befragten erklärte zudem, dass zunehmend auf die Maßnahme der Kurzarbeit gesetzt werde beziehungsweise eine solche geplant sei. „So kann es nicht weitergehen“, machte Alessandro Lieb, Sprecher der IG Metall Region Stuttgart, deutlich. „Die geballte Expertise und Erfahrung unserer Netzwerkmitglieder und der Beschäftigten vor Ort muss genutzt werden, um den Maschinenbau in der Region zukunftssicher zu machen.“

Die Betriebsräte der folgenden Unternehmen bilden das Branchennetzwerk Kfz-naher Maschinenbau der IG Metall Region Stuttgart:

  • Trumpf SE + Co. KG aus Ditzingen
  • Dürr AG aus Bietigheim-Bissingen
  • Index-Werke GmbH & Co. KG aus Esslingen am Neckar
  • Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH aus Nürtingen
  • Nagel Maschinen- und Werkzeugfabrik GmbH aus Nürtingen
  • Gleason-Pfauter Maschinenfabrik GmbH aus Ludwigsburg
  • Schuler-Group GmbH aus Göppingen
  • Coperion GmbH aus Stuttgart-Feuerbach
  • Gehring Technologies GmbH + Co. KG aus Ostfildern
  • Chiron Group SE aus Tuttlingen und Schlierbach
  • Emag GmbH und Co. KG aus Salach
  • Grob-Werke GmbH & Co. KG aus Mindelheim
  • Mag Ias GmbH aus Eislingen/Fils

Der Appell des Netzwerks richtet sich demnach direkt an die Unternehmen als Arbeitgeber, allerdings zudem auch an die Verbände und die Politik. „Es kann nicht sein, dass China und die USA ihre ganze Kraft in zentrale Zukunftsfelder und -märkte, sowie heimische Märkte schützen und die politisch Verantwortlichen in Deutschland auf allen Ebenen so zögerlich und wenig innovativ am Bedarf vorbei handeln“, kritisiert Lieb. Bei der Befragung wurde nämlich auch im großen Maße die zunehmende Verlagerung von Produktionsschritten ins Ausland bemängelt.

Laut IG Metall steht Zukunft des Maschinenbaus in Region Stuttgart auf dem Spiel

Mit dem Appell wollen die Betriebsräte der Maschinenbauer nicht nur die anderen Parteien zum Handeln aufrufen, sondern auch selbst einen Betrag leisten. „Die Betriebsratsgremien des Branchennetzwerkes Kfz-naher Maschinenbau der IG Metall Region Stuttgart möchten Verantwortung übernehmen und eine Einladung für ein zielgerichtetes Bündnis aus Politik, Verbänden, Betriebsrat*innen und der IG Metall aussprechen“, erklärte Maren Gruschwitz, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Trumpf und auch Mario Taccogna, Betriebsratsvorsitzender von Index betonte, dass sich die Gremien aktiv einbringen wollen. „Dafür braucht es allerdings von den Arbeitgebern zukunftsgerichtete sowie beteiligungsorientierte Unternehmensstrategien und unternehmerischen Mut.“

Betriebsräte von Maschinenbauern wie Dürr sind in Sorge um die Branche und rufen zum Handeln auf.

Angesichts der anhaltenden Nachrichten über Auftragsflauten, Gewinnrückgänge, Kurzarbeit und in Extremfällen auch Stellenabbau oder sogar Insolvenzanmeldungen, ist eine gewisse Handlungsdringlichkeit nicht von der Hand zu weisen. „Die Zukunft des Maschinenbaus in der Region Stuttgart steht auf dem Spiel“, macht IG Metall-Sprecher Alessandro Lieb deutlich. „Nicht mehr und nicht weniger.“ Allerdings gab es aus der regionalen Branche in den vergangenen Monaten nicht nur schlechte Nachrichten; ein Maschinenbauer aus Baden-Württemberg erhielt den größten Auftrag seiner Geschichte.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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