VonJulian Baumannschließen
Laut einer Umfrage des Interessensverbands Südwestmetall planen die Unternehmen in Baden-Württemberg aufgrund anhaltender Probleme mit weniger Personal und geringeren Investionen.
Stuttgart - Die weltwirtschaftlichen Probleme machen auch weiterhin der Wirtschaft in Baden-Württemberg zu schaffen. Im ersten Halbjahr meldeten laut dem Statistischen Landesamt über 900 Unternehmen Insolvenz an und andere müssen aufgrund des hohen Kostendrucks Personal abbauen. Einer Umfrage des Interessensverbandes Südwestmetall zufolge sehen die tarifgebundenen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, zu der auch die Automobilindustrie und der Maschinenbau zählen, keine schnelle Erholung der aktuellen Lage. Vor allem die hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal machen der Branche zu schaffen, weshalb die Firmen bereits mit weniger Personal planen.
Für die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg kommen aktuell mehrere große Herausforderungen zusammen. Zum einen die angesprochenen hohen Kosten durch Inflation und Energiekrise, zum anderen erfordert die groß angelegte Transformation hohe Investitionen. Die Arbeitnehmergewerkschaft IG Metall konnte in den vergangenen Wochen diesbezüglich große Errungenschaften erzielen: die Mitarbeiter der drei größten Autozulieferer, Bosch, ZF und Mahle, sind vor betriebsbedingten Kündigungen vorerst sicher. Die Umfrage von Südwestmetall zeigt jedoch, dass die Stimmung nach wie vor sehr angespannt ist.
Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg: Unternehmen planen mit weniger Personal für 2024
Die Umfrage des Interessensverbands Südwestmetall wurde vom 4. bis zum 14. September unter den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie durchgeführt. Beteiligt haben sich mehr als 400 Firmen aus verschiedenen Branchen und Größenklassen, die laut einer Mitteilung einen guten Querschnitt der Industrie repräsentieren. Alle haben jedoch gemeinsam, dass sie aufgrund der wirtschaftlichen Lage mit Sorge in die Zukunft schauen. „Das Bild gibt sicherlich Anlass zur Sorge, zumal unsere Industrie nicht nur konjunkturell, sondern auch strukturell vor großen Herausforderungen steht“, sagte der Südwestmetall-Verbandsvorsitzende Joachim Schulz am Montag (18. September) bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse in Stuttgart.
| Name | Südwestmetall – Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e. V. |
|---|---|
| Gründung | 1947 |
| Hauptsitz | Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Branchenschwerpunkt | Metall- und Elektroindustrie |
| Zielsetzung | Vertretung der Interessen der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie, Sicherung fairer Arbeitsbedingungen, Tarifverhandlungen, Förderung von Weiterbildung und Qualifikation der Mitglieder, soziale Gerechtigkeit |
| Mitgliederunternehmen | Über 900 Unternehmen |
Demnach hätte die Mehrheit der Unternehmen von Rückgängen beim Umsatz, in der Produktion und vor allem auch bei den Auftragseingängen berichtet und beim Blick in die nähere Zukunft zeigen die Erwartungen ebenfalls einen Abwärtstrend. Die Firmen rechnen für das zweite Halbjahr 2023 mit einer geringeren Produktion, 2024 mit weniger Umsatz und planen diesbezüglich mit weniger Personal und geringeren Investitionen in Deutschland. Stihl-Beiratschef Nikolas Stihl malte ebenfalls ein düsteres Bild für die Zukunft des Industriestandorts, da Deutschland „inzwischen teurer als die Schweiz“ sei.
„Positiv ist, dass sich die Situation bei den Lieferengpässen entspannt hat“, sagt @OliverBarta bei der Landespressekonferenz. „Dafür berichten inzwischen mehr Firmen von Personalengpässen, die die Produktion behindern", ergänzt unser Hauptgeschäftsführer. https://t.co/P5fn9yT3fv pic.twitter.com/ASPel2APaD
— Südwestmetall (@Suedwestmetall) September 18, 2023
Das größte Problem ist den Ergebnissen der Umfrage zufolge weiterhin die Energiekrise. Mehr als 90 Prozent der teilnehmenden Firmen berichteten, dass sie 2022 mit gestiegenen Kosten zu kämpfen hatten, bei jedem sechsten Unternehmen hatten sich die Kosten sogar mehr als verdoppelt. Die EnBW hatte auf BW24-Anfrage bereits früh im Jahr erklärt, für 2023 bei der Energiekrise keine Entwarnung geben zu können. Jedoch ist die Problematik der Lieferengpässe, die die Industrie viele Monate lang belastet hatte, inzwischen abgeklungen. „Dafür berichten inzwischen mehr Firmen von Personalengpässen, die die Produktion behindern“, sagte Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Barta.
Südwestmetall sieht erheblichen Handlungsbedarf bei der Politik – Fachkräftesicherung als wichtiger Punkt
Die Zeichen stehen für die starke Elektro- und Metallindustrie in Baden-Württemberg demnach unter keinem guten Stern, der Vorsitzende des Interessensverbands sieht dennoch keinen Grund, „Krisen- und Untergangsszenarien“ herbeizureden, wie es in der Mitteilung heißt. „Unsere Unternehmen haben hervorragend ausgebildete, motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, innovative Produkte mit Weltruf und hinreichend Kreativität, die anstehenden Aufgaben zu bewältigen“, erklärte Joachim Schulz. „Wir sehen aber noch erheblichen Handlungsbedarf im Bemühen der Politik, Innovationen und wirtschaftlichen Erfolg zu ermöglichen.“ Gerade die Fachkräftesicherung stellt der Südwestmetall-Vorsitzende als besonders wichtig heraus.
„Durch die Transformation werden in unserer Industrie zwar manche Tätigkeiten wegfallen“, machte er deutlich. „Dennoch bleibt der Bedarf an Fachkräften weiterhin hoch und wird in einigen Bereichen sogar noch weiter wachsen.“ Um dem entgegenzuwirken, müssten die inländischen Potenziale durch Weiterbildung, Qualifizierung oder Inklusion weiter gehoben und die Zuwanderung von Fachkräften forciert werden, indem die Verfahren vereinfacht, beschleunigt und digitalisiert werden. „Untragbare Zustände“ wie in der Stuttgarter Ausländerbehörde seien hierfür nicht förderlich. Der Linken-Stadtrat warf der Stuttgarter Ausländerbehörde bereits eine „Ablehnungskultur“ vor.
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