VonAndreas Steppanschließen
Rechtzeitig zu Leonhardi hat der „Schützenwirt“ Ellbach wieder geöffnet. Die neuen Pächter versprechen das beste Schnitzel - und vielleicht auch mal ein Gericht aus Gambia.
Ellbach – Rechtzeitig zu Leonhardi wird der „Schützenwirt“ in Ellbach wieder geöffnet haben: Mit Heike Welker und Ousman Darbo hat der Verpächter, die GSK Ellbach, neue Betreiber gefunden, die am 1. November offiziell wiedereröffnen werden. Davor hatte das Traditionsgasthaus mit Saal und bestem Karwendelblick gut zehn Monate lang leer gestanden.
Für die neue Wirtsfamilie war das Ellbacher Schützenhaus Liebe auf den ersten Blick. „Wenn ich die Natur und die schöne Landschaft hier sehe, kann ich sagen, dass ich mich zu Hause fühle“, schwärmt Ousman Darbo. Und auch das Lokal an sich entsprach genau den Vorstellungen des Paares, als es auf der Suche nach der passenden Lokalität war, um sich selbstständig zu machen.
Neues Wirtepaar fühlte sich beim Schützenwirt in Ellbach sofort wohl
„Wir haben ganz konventionell eine Anzeige im Internet gesehen“, berichtet Heike Welker. „Und hier haben alle Gegebenheiten gepasst: eine täglich geöffnete Wirtschaft von einer Größe, die wir unter der Woche weitgehend zu zweit bewältigen können, und dazu ein Saal für planbare Veranstaltungen – das habe ich schon immer gern gemacht.“
Vor Ort waren beide so angetan, dass sie sich gar keine weiteren Objekte mehr anschauten. Begeistert sind sie auch von den „netten und hilfsbereiten Schützen“. Insgesamt herrsche rund um die Wirtschaft „ein Klima, dass man sich gleich willkommen fühlt“. Das Paar ist mitsamt zwei Kindern sowie Oma und Opa auch in die Wohnung über der Wirtschaft eingezogen.
Beim Schützenwirt in Ellbach gibt‘s weiter bodenständige bayerische Küche
Für beide bedeutet die Übernahme des „Schützenwirts“ den Sprung in die Selbstständigkeit. Sie bringen aber reichlich Erfahrung in der Gastronomie mit. Kennen gelernt haben sie sich auf Gut Kaltenbrunn am Tegernsee, wo sie beide im Käfer-Restaurant angestellt waren. Ousman Darbo stammt aus Gambia in Westafrika und lebt seit neun Jahren in Deutschland. Der 41-Jährige arbeitete seither – auch ohne deutschen Gesellenbrief – als Koch an diversen namhaften Adressen: neben Gut Kaltenbrunn etwa im Platzl Hotel, im Gasteig sowie im „35 Millimeter“ im Mathäser-Filmpalast in München. Zu den Stationen der 43-jährigen Restaurantfachfrau Heike Welker – sie kommt aus der Nähe von Graz – zählen das Alte Wallberghaus, das „Freihaus Brenner“ in Bad Wiessee oder die „Post“ in Pasing – letztere ebenfalls mit großem Saal.
In Ellbach nun will das Paar „bodenständige bayerische Küche“ anbieten, wie Darbo sagt. „Mein Motto heißt: frisch und lecker“, sagt er mit einem Lachen. Entsprechend sei ihm die frische Zubereitung wichtiger als eine überbordende Speisekarte. Schnitzel seien seine Spezialität, sagt Darbo. „Trotzdem wollen wir auch eine vegetarische und vegane Auswahl anbieten“, fügt Heike Welker hinzu. Zudem liegt der Mutter zweier Kinder (12 und 9) am Herzen, „dass sich Familien willkommen fühlen“. Dazu soll eine schöne Kinderkarte beitragen.
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Ein Anliegen ist dem Wirtspaar auch, Plastik einzusparen. „Im Wallberghaus, wo man jedes Gramm Müll, persönlich wieder ins Tal bringen muss, lernt man, darauf zu schauen“, sagt Heike Welker. Kleinen Portions-Ketchup, Zuckerbriefchen oder Plastikflaschen wird man beim „Schützenwirt“ daher vergeblich suchen.
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Je nach Nachfrage kann es auch einmal sein, dass sich ein Gericht aus Ousman Darbos Heimat auf der Tageskarte wiederfindet. Das könnte zum Beispiel „Domoda“ sein, ein Gericht mit Fleisch oder Fisch, Erdnussbutter und Couscous. Das Töpfchen mit der scharfen Sauce möchte der Gambier vorsichtshalber erst mal separat servieren und empfiehlt, sich für den Anfang vorsichtig daraus zu bedienen.
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Wichtig fürs Dorf und die Umgebung: Mit der Neuverpachtung steht nun auch wieder der Saal mit knapp 200 Plätzen zur Verfügung. Hier haben die Schützen den Boden frisch geschliffen und geölt, und auch sonst haben sie für die neuen Wirte einiges hergerichtet, in erster Linie die Küche erneuert. Im Sommer gibt es Biergarten-Betrieb, im Dezember kann sich Heike Welker zum Beispiel auch kleinere Weihnachtsfeiern mit Käse- oder Fleischfondue vorstellen. Zunächst aber wartet mit Leonhardi gleich ein Tag mit richtigem Hochbetrieb auf die neuen „Schützenwirte“.
