VonMagnus Reitingerschließen
Rund 700 Weilheimer haben laut Initiatoren bislang für das Bürgerbegehren zum Heizkraftwerk Kranlöchl unterschrieben. Rund doppelt so viele wären nötig, dass es zu einem Entscheid kommt. Doch die Bandagen werden offenbar härter.
Weilheim – Es gehe um „das größte Klimaschutzprojekt in Weilheim seit Jahrzehnten“, so werben die Stadtwerke und die Stadt Weilheim für ihr Fernwärmekonzept, zu dem auch eine Energiezentrale – also ein Heizkraftwerk – am Kranlöchl nahe dem Dietlhofer See gehört. Bei einem zweitägigen Infomarkt in der Hochlandhalle will das Kommunalunternehmen am 6./7. März alle Fragen dazu beantworten.
Initiatoren wollen 1600 Unterschriften sammeln - „sicherheitshalber“
Währenddessen läuft seit fünf Wochen ein Bürgerbegehren gegen ein Heizkraftwerk am Kranlöchl. Das neu gegründete „Aktionsbündnis Grüngürtel Weilheim“ will, dass die Energiezentrale unmittelbar am Narbonner Ring gebaut wird und damit „an bestehende Straßen und das Stadtgebiet angebunden ist“. Rund 700 Weilheimer haben dafür bis dato unterschrieben, so die Initiatoren auf Anfrage der Heimatzeitung. Damit es zum Bürgerentscheid kommt, sind rund doppelt so viele Unterstützer nötig, nämlich acht Prozent der Wahlberechtigten in Weilheim. Ziel des Bündnisses sind aber 1600 Unterschriften – „sicherheitshalber“, wie Ullrich Klinkicht, einer der Vertreter, sagt. Bis Ostern wolle man diese zusammenhaben. Dafür werde es voraussichtlich jedes Wochenende (freitags oder samstags) einen Infostand auf dem Kirch- oder Marienplatz geben.
Plakate der Initiative mussten auf Geheiß der Stadt entfernt werden
Die Plakate, mit denen an Bäumen rund um den Dietlhofer See fürs Bürgerbegehren geworben wurde, musste die Initiative derweil großteils entfernen. Das städtische Ordnungsamt, so Klinkicht, habe ihn darauf hingewiesen, dass diese der Plakatierungsordnung der Stadt widersprächen, und mit kostenpflichtiger Entfernung gedroht. Dem kam das Bündnis zuvor, indem es die Plakate – die laut Mitstreiterin Eva Maria Engel „ökologisch“ mit Bast um die Bäume gebunden waren – abnahm. Nur auf dem Privatgrund von Gut Dietlhofen gebe es noch welche. Zuvor hätten Unbekannte aber bereits einige Plakate „sehr unsachgemäß entfernt“, so Engel.
Keine Listen mehr beim Tennis-Club
Schwerer wiegt für die Initiatoren, dass auf mysteriöse Weise Unterschriftenlisten verschwunden sind. Im Eingangsbereich des Restaurants „Mykonos Blu“ am Dietlhofer See seien neun durchnummerierte und teils gefüllte Unterschriftenblätter mitsamt aller Unterlagen von Unbekannten entwendet worden, sagt Engel: „laut Wirt in den Vormittagsstunden des Sonntag, 19. Februar“.
In der Gaststätte des Tennis-Clubs, die unweit des geplanten Heizkraftwerks liegt, darf das Bündnis gar keine Listen mehr auslegen – auf Intervention der Vorstandschaft. Man wolle sich aus der Diskussion um die Energiezentrale „komplett raushalten“ und „nicht Stimmung machen“, erklärt 1. Vorstand Johann Vogl gegenüber unserer Zeitung: „Das ist zwischenzeitlich ein Politikum geworden, und an Politik wollen wir uns als Club nicht beteiligen.“
15 Unterschriftenlisten aus der Gaststätte am See fehlen
Als sie aufgrund dieser Entscheidung die Listen aus der Gaststätte abholte, so Engel, „waren von 20 gegebenen Listen dubioserweise nur noch fünf vorhanden“. Die anderen seien unauffindbar. „Das ist alles ein bisschen komisch“, resümiert die Mitinitiatorin des Bürgerbegehrens – und stellt fest, in der ganzen Angelegenheit werde mittlerweile „scharf geschossen“.
Unterdessen ist das Bebauungsplanverfahren für die Sonderbaufläche „Energiezentrale Kranlöchl“ einen Schritt weiter. Den Abwägungen des Stadtbauamtes zu den Stellungnahmen aus der Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung hat der Stadtrat in der Februar-Sitzung mit großer Mehrheit zugestimmt – gegen die Stimmen von Ullrich Klinkicht (Weilheim Miteinander) und Rüdiger Imgart (AfD). Dabei gab es keine einzige Wortmeldung. Der Bebauungsplan muss noch einmal angepasst und öffentlich ausgelegt werden. Zudem sind ein Umweltbericht und ein Schallschutzgutachten nötig.
Informationen
zum Bürgerbegehren „Für eine zukunftsweisende Energieversorgung in Weilheim – aber an einem vernünftigen Standort“ und Unterschriftenlisten zum Herunterladen finden sich unter gruenguertel-weilheim.de.
