„Energiezentrale Kranlöchl“

Weilheimer Stadträte kritisieren Gegner der Heizkraftwerk-Pläne: „Die Aufhetzung ist völlig daneben“

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Um dieses Areal geht’s: Das ehemalige Gärtnereigelände am Kranlöchl, auf dem die Stadtwerke ein Heizkraftwerk für Weilheims Fernwärmenetz bauen wollen.
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Viel Kritik an den Kritikern einer „Energiezentrale Kranlöchl“ nahe dem Dietlhofer See gab es jetzt im Weilheimer Bauausschuss. Das Thema werde „politisch instrumentalisiert“, schimpfte etwa ein Grünen-Stadtrat. Fast alle sprachen sich klar für den umstrittenen Standort aus.

Weilheim – Während das neu gegründete „Aktionsbündnis Grüngürtel Weilheim“ vor drei Wochen ein Bürgerbegehren gegen den geplanten Standort des Heizkraftwerks startete, läuft unvermindert die Bauleitplanung für eben diesen. Bei der ersten öffentlichen Auslegung des Bebauungsplan-Entwurfs für eine Sonderbaufläche „Energiezentrale Kranlöchl“ gingen zwölf Stellungnahmen von Fachbehörden und Bürgern ein. Mit diesen hat sich der Bauausschuss des Stadtrates in seiner Sitzung am vergangenen Dienstag beschäftigt.

Energiereferent des Stadtrates redete sich regelrecht in Rage

Dabei wurde auch deutliche Kritik an den Kritikern laut – ohne dass das Bürgerbegehren konkret angesprochen wurde. Es sei „schade, dass dieses gute Projekt zum Kampfobjekt wird“, sagte etwa CSU-Vertreter Klaus Gast. Regelrecht in Rage redete sich Karl-Heinz Grehl (Grüne), der als Energiereferent des Weilheimer Stadtrates Gast in der Sitzung war: Er rügte eine „politische Instrumentalisierung“, die nicht der Sache diene, sprach von einer „Aufhetzung der Bevölkerung“, die „völlig daneben“ sei.

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Dass den Stadtratsmitgliedern in diesem Zuge Naivität und Schlimmeres vorgeworfen werde, monierte Horst Martin. Die Gremien beschäftigten sich „sehr verantwortungsbewusst“ mit dem Thema, betonte der SPD-Politiker: „Wir sind die Vertreter der Weilheimer Bürger, ich wünsche mir, dass man mehr Vertrauen in uns hat.“ Gleichwohl dürfe die Stadt beim Fernwärmeprojekt keine Zeit mehr verlieren. Davon würden auch große Bauvorhaben abhängen, die Planungssicherheit bräuchten. Die lange Abwägung über das Projekt sei angesichts der nötigen Energiewende „Luxus“, meinte auch Alfred Honisch (Grüne) – und verwies auf bundespolitische Bestrebungen, solche Genehmigungsverfahren generell „stark abzukürzen“.

Standort am Narbonner Ring wäre Anwohnern „nicht zuzumuten“

„Wir beteiligen gern die Bürger“, versicherte 2. Bürgermeisterin Angelika Flock (CSU) als Sitzungsleiterin. Doch das sei erst dann sinnvoll, wenn alle nötigen Informationen zum geplanten Bau vorhanden sind. „Es wird eine Bürgerinformation zum Thema geben“, bekräftigte BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek. Grehl verwies zudem auf die „ganz genauen Abwägungen“ in Bauausschuss und Stadtrat dank der „Argumentationsfülle, die sich die Standortgegner haben einfallen lassen“. „Es wird am Ende hoffentlich nichts übrig bleiben, was irgendjemanden in Weilheim beunruhigt“, so der Grünen-Vertreter.

Der Schutz von Anwohnern im Bereich Narbonner Ring ist wichtiger als die Bedürfnisse von Spaziergängern, die im Naherholungsgebiet mal eine Stunde unterwegs sind – denen ist ein technisches Gebäude zuzumuten, das uns Energieautarkie bringt.

BfW-Fraktionssprecherin Brigitte Holeczek

Dass manche statt des ehemaligen Gärtnereigeländes am Kranlöchl lieber „den Bolzplatz am Narbonner Ring für das Kraftwerk opfern“ würden, versteht Grehl gar nicht: Dieser Platz werde „genutzt und gebraucht“, zudem sei direkt nebenan die Skateranlage, die „zu den absoluten Highlights der Jugend in Weilheim“ zähle. Vor allem wolle man das Heizkraftwerk keinesfalls den Anwohnern im Bereich Narbonner Ring „direkt vor der Nase zumuten“, sagte CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder.

Unterschiedliche Ansichten seitens der Weilheimer Agenda 21

Im laufenden Bebauungsplan-Verfahren gab es seitens der Fachbehörden grundsätzliches Einverständnis mit dem Vorhaben am Kranlöchl, wobei unter anderem noch Umwelt- und Immissionsschutzgutachten vorzulegen seien. Während der Arbeitskreis „Energie-Klima-Umwelt“ der Weilheimer Agenda 21 in einem Leserbrief kürzlich für diesen Standort warb, lehnt der Agenda-AK „Stadtentwicklung“ diesen in einer Stellungnahme zum Bebauungsplan ab: Das Naherholungsgebiet würde dadurch empfindlich beeinträchtigt, so die Argumentation, es wären zu lange Heizleitungen nötig, und deren Verlegung würde die Kranlöchl-Allee „schwer schädigen, wenn nicht gar zerstören“.

Stadt befürchtet keine Schädigung der Kranlöchl-Allee

Schäden an der Allee seien nicht zu befürchten, meint das Stadtbauamt, denn die Leitungen würden mittig unter der bestehenden Straße verlegt. Auch drohe dort kein Schwerlastverkehr, weil auf diesem Weg nur der Abtransport der Asche vorgesehen sei. Die dafür nötigen Fahrzeuge seien „nicht größer als jene, die in der Landwirtschaft üblich sind“.

„Unter Gesamtabwägung aller Güter bleibt es bei der Planung der Stadt“, fasste die Verwaltung zusammen. Den nötigen Beschluss dazu wird der Stadtrat voraussichtlich am kommenden Donnerstag, 16. Februar, fällen. Bei der Vorberatung im Ausschuss stimmten alle Mitglieder zu –außer Gerd Ratter: Er sei zwar absolut für das Projekt, erklärte der ÖDP-Vertreter, regte aber „erst noch mal einen Runden Tisch bezüglich der Standortfrage“ an. „Wenn die 500-Meter-Abstandsregel hier nicht gilt, dann muss man auch alternative Standorte prüfen“, so Ratter.

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