Weilheim

Schnelle Lösung aus Geldnot abgesagt: Ammerschule muss auf Neubau warten

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Das jetzige Gebäude der Mittagsbetreuung an der Ammerschule reicht nicht mehr aus. Statt eines Provisoriums forciert die Stadt jetzt eine „richtige Erweiterung“.
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Eigentlich sollte Weilheims Ammerschule bereits 2024 einen provisorischen Neubau für die überlastete Mittagsbetreuung bekommen. Doch dieses Interimsgebäude ist jetzt abgesagt – und die Schule muss sich vorerst in Geduld üben.

Weilheim – Vor vier Monaten schien noch alles klar. Nachdem der Stadtrat bereits im Sommer 2022 beschlossen hatte, ein Interimsgebäude für die „aus allen Nähten platzende“ Mittags- und Nachmittagsbetreuung der Grundschule an der Ammer zu errichten, legte der Bauausschuss im November fest, wie dieses aussehen soll: Ein dreistöckiger Stahlmodulbau neben der bestehenden Mittagsbetreuung solle schon ab 2024 etwa 300 Plätze für Ganztagsbetreuung plus zwei zusätzliche Klassenräume bieten. Auf rund 2,5 Millionen Euro schätzte das Stadtbauamt die Kosten für Aufstellung, Einrichtung und fünf Jahre Miete. Danach, so hieß es, wäre angesichts steigender Schülerzahlen eine Komplett-Erweiterung der erst kürzlich generalsanierten Ammerschule nötig – oder eine dritte Grundschule in Weilheim.

Betreuungsbedarf wächst stark

Doch im Zuge der Beratungen über den städtischen Haushalt für 2023 und die Folgejahre haben sich die Pläne für ein Provisorium an der Ammerschule zerschlagen. Die Stadt kann es sich schlichtweg nicht leisten. Ein Grund dafür sind haushalterische Vorgaben: Anders als für dauerhafte Neubauten, müssen die Kosten für Interimsgebäude grundsätzlich im Verwaltungshaushalt dargestellt werden (also in jenem Teil des Etats, aus dem die laufenden Kosten der Stadt zu bestreiten sind), und nicht etwa als Investition im Vermögenshaushalt. Und dahin führte in der aktuellen Lage kein Weg: Wie berichtet, klafft im Verwaltungshaushalt – in dem die Stadt eigentlich ein Plus von einer Million Euro erwirtschaften müsste, um kreditwürdig zu bleiben – heuer eine Lücke von 760.000 Euro.

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So haben sich die Ratsmitglieder schweren Herzens vom Interimsbau für die Ammerschule verabschiedet. Und die Schulfamilie muss nun deutlich länger auf eine Besserung der Situation in der überlasteten Mittags- und Nachmittagsbetreuung warten. Über 100 der insgesamt rund 320 Ammerschüler werden derzeit auch nachmittags betreut. Der tatsächliche Bedarf sei jetzt schon höher, und er werde in den nächsten Jahren noch kräftig wachsen, heißt es aus dem Rathaus. Wenn ab 2026 nach und nach ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung besteht, werde die Betreuungsquote bald auf 90 Prozent steigen, so die Prognose. Dazu kommt, dass die Ammerschule 2029 wohl über 400 Schüler zählen wird – ein Viertel mehr als heute.

Ammerschule ist eine von drei großen „Baustellen“ der Stadt

Statt eines Provisoriums forciert die Stadt nun eine dauerhafte Erweiterung der Ammerschule für die Nachmittagsbetreuung. Auf stolze 12,8 Millionen Euro werden die Kosten dafür geschätzt. Damit ist dieses Projekt eine der drei „großen Baustellen“ der Stadt für die nächsten Jahre – neben der mit 16,1 Millionen Euro veranschlagten Erweiterung der Hardtschule (ebenso für die Nachmittagsbetreuung) und dem ersten Bauabschnitt für den Hochwasserschutz am Angerbach, der auf 13,9 Millionen Euro taxiert ist. Die Planung für die Ammerschul-Erweiterung will die Stadt heuer noch abschließen, 2027 soll der Neubau stehen. Das Ganze ist ein Kraftakt: Zwar rechnet Kämmerer Christoph Scharf mit einer staatlichen Förderung von rund 7,6 Millionen Euro. Doch die kommt erst mit mehrjähriger Verzögerung im Stadtsäckel an.

Erweiterungen sind im Stadtrat unumstritten

Die Herausforderung ist also groß, dennoch sind die Erweiterungen von Hardt- und Ammerschule im Stadtrat unumstritten. Es handle sich um „dringendst notwendige Pflichtaufgaben“, betonte in der Haushaltssitzung CSU-Vertreter Klaus Gast, der auch Schulreferent des Stadtrates ist: „Wenn man schon bundesweit einen Umbau unserer Gesellschaft dahingehend will, dass Kinder möglichst den ganzen Tag in schuli-schen Einrichtungen versorgt werden, und alle Eltern in die Arbeit gehen müssen, dann hat auch das seinen Preis.“

BfW sehen Bund und Land in der Pflicht

Er wolle die neuen Gesetze zur Ganztagsbetreuung „gar nicht in Frage stellen“, sagte Tillman Wahlefeld (BfW). Doch müssten Bund und Land den Kommunen in diesem Zusammenhang auch „ausreichende finanzielle Mittel“ zur Verfügung stellen.

„Viele Eltern sind einfach darauf angewiesen, dass eine auch qualitativ angemessene Nachmittagsbetreuung zur Verfügung steht“, konstatierte Grünen-Sprecher Manuel Neulinger in seiner Haushaltsrede: „Ja, das kostet viel Geld, aber wir sind fest überzeugt, dass eine gute Versorgung hier einen so hohen sozialen und auch wirtschaftlichen Stellenwert hat, dass sie diese Investitionen allemal wert ist.“ Dass man den Interimsbau an der Ammerschule aufgeben musste, sei jedoch ein Wermutstropfen. Im Blick auf die dortige Situation sei das „nicht wirklich zufriedenstellend“, so Neulinger. Um so wichtiger sei, dass Planung und Bau des „richtigen Erweiterungsgebäudes“ nun „zügig vorangetrieben und im Haushalt priorisiert“ würden.

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