VonSascha Karowskischließen
CSU und SPD lehnen es vorerst ab, im Moosgrund ein neues Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. Vogel-Schützer kritisieren den Beschluss, aber auch die Grünen.
München – Im Münchner Nordosten wird es im Moosgrund vorerst kein neues Landschaftsschutzgebiet geben. Das hat der Stadtrat entschieden – und zwar mehrheitlich mit Stimmen der CSU, SPD und FDP. Die Grünen hatten für das Gebiet gestimmt. Umweltschützer kritisieren den Beschluss – aber auch die Grünen.
Neues Landschaftsschutzgebiet im Moosgrund in München: Grünen-Chefin kritisiert die anderen Fraktionen
„München wird zunehmend dichter, das Grün gerät immer mehr unter Druck“, sagt Grünen-Chefin Mona Fuchs. Deswegen bräuchte es mehr Schutz für ökologisch wertvolle Flächen – nicht weniger. „Gerade im Münchner Nordosten, wo in Zukunft viel neuer dringend benötigter Wohnraum und Dichte entstehen werden, sind diese Freiflächen umso wichtiger und wertvoller“, sagt Fuchs. „Dass sich die anderen großen Fraktionen diese Dringlichkeit nicht erkennen, ist eine bittere Nachricht.“
Der Moosgrund ist ein 362 Hektar großes Gebiet am nordöstlichen Stadtrand zwischen Johanneskirchen und den Gemeinden Aschheim und Unterföhring. Das Gebiet ist durch Landwirtschaft und bereits geschützte Biotopflächen geprägt, außerdem soll dort künftig Kiesabbau betrieben werden. Direkt angrenzend befindet sich das Gebiet der SEM Nordost.
Landschaftsschutzgebiet in München: Landwirte fürchteten, ihren Beruf nicht mehr ausüben zu können
Die CSU sei nicht grundsätzlich gegen die Ausweisung von Schutzgebieten, sagt Stadtrat Jens Luther: „ Aber nur da, wo es auch sinnvoll und mit der Bevölkerung vor Ort durchsetzbar ist.“ Das Schutzgebiet war umstritten, weil Landwirte fürchteten, ihrem Beruf nicht mehr nachgehen zu können.
Das Thema ist aber noch nicht vom Tisch, die SPD hatte beantragt, es aber erst dann zu behandeln, wenn die Planungen für die SEM weiter fortgeschritten sind. „Das Planungsreferat hat zurecht darauf hingewiesen, dass Überlegungen zur Bebauung von Flächen in der Nähe noch nicht abgeschlossen sind“, sagt FDP-Stadtrat Fritz Roth. Ein Landschaftsschutzgebiet sei daher verfrüht. Mit Blick auf die unterschiedlichen Auffassungen von SPD und Grünen fügt Roth an: „Bezeichnend für die nicht mehr existierende rot-grüne Mehrheitskoalition ist, dass es keine gemeinsame Position zu der Thematik gab.“
Landschaftsschutzgebiet: Landesbund für Vogelschutz kritisiert CSU, SPD und die Grünen
Der Landesbund für Vogelschutz in München holt wegen des Beschlusses zum Rundumschlag aus. In einer Mitteilung heißt es, die Münchner SPD habe den Wahlspruch „Bauen, bauen, bauen“ so verinnerlicht, dass alle Argumente für Klima- und Umweltschutz schlicht ignoriert würden. Die CSU unterdessen lehne „aus lauter Angst vor möglichen Reaktionen der Landwirte und Grundstücksbesitzer alles ab, was auch nur entfernt verdächtig erscheint, grüne Politik zu sein“.
Dass die Grünen der Ausweisung des Schutzgebietes zugestimmt haben, sei löblich. „Ihr ständiges Beharren auf die eigene angebliche moralische Überlegenheit verbaut aber die Möglichkeit, überparteiliche Allianzen bei Sachthemen aufzubauen. Das Landschaftsschutzgebiet ist auch daran gescheitert, dass niemand mit den Grünen stimmen wollte“, heißt es weiter.
